Rudimentäre, schlecht erhaltene, nicht verwertbare Fingerabdrücke: Die revolutionäre Technik des Kieler Chemikers Dr. Norbert Buchholz (62) verspricht Abhilfe. Sein Verfahren wird jetzt als kriminaltechnische Sensation gehandelt.

Wie Gold Gaunern zum Verhängnis wird

Ausgerechnet mit Gold soll Verbrechern ein Schnippchen geschlagen werden. Herkömmliche Vorgehensweisen nutzen die Reaktion von z.B Ninhydrin mit den Rückständen der Fingerpapillaren (Anm.: Jene hinterlassen Fett, Säure, etc.), was den klassischen Abdruck erzeugt. Der Kieler Chemiker verwendet hingegen feinste Goldpartikel. Geringe Mengen werden auf den Fingerabdruck gestreut und reagieren dort, wo sie nicht in besagten Hinterlassenschaften "versinken": Es entsteht ein sehr deutliches Negativbild des herkömmlichen Fingerabdrucks.

So funktioniert's im Detail

"Mit Hilfe einer kleinen Maschine werden ganz geringe Mengen Gold auf den Fingerabdruck gestäubt, dieser wird anschließend in eine spezielle Entwicklerflüssigkeit gelegt", beschreibt Buchholz den Vorgang.

Bei der "kleinen Maschine" handelt es sich um einen Kathodenzerstäuber. Dieser schlägt kleine Goldpartikel (Nanopartikel) aus einer Platte heraus, die sich dann gleichförmig auf dem gesamten Objekt ablagern. In den Rückständen der Papilarleisten versinken die Partikel, in den Zwischenräumen aber "setzt sich" das Gold und scheidet schwarzes Silber aus. Jenes wird schließlich mit einer Entwicklerflüssigkeit sichtbar gemacht. Das Ergebnis: ein detailliertes Bild eines Fingerabdrucks, bei dem selbst Feinstrukturen wie Inseln, Poren oder spezielle Kantenverläufe erkennbar sind.

Auch Euro-Scheine kein Problem mehr

Die Untersuchungsmethode soll bereits anhand von Teilabdrücken, sehr schwach ausgeprägten und bislang nicht auswertbaren Fingerabdruckspuren den Täter identifizieren können und das auf einer Vielzahl unterschiedlicher Untergrundmaterialien: "Ein Beispiel dafür sind die neuen Euro-Scheine, die mit einer speziellen Lackschicht überzogen sind, die eine Untersuchung auf Spuren bislang verhindert hat", erklärt Dr. Buchholz im Gespräch mit den Kieler Nachrichten. Für seine Methode stellt das kein Hindernis dar.

Die Achillesferse der Methode

"Die Alltagstauglichkeit bei realen Verbrechen steht allerdings noch aus", muss Buchholz aber anschließend eingestehen. Denn noch ist die neue Methode in der Testphase und nicht zugelassen. Größtes Problem: Das Objekt mit dem Fingerabdruck darf nicht zu groß sein, denn es muss in die Glasröhre des Kathodenzerstäubers passen. Die hat aber nur einen Durchmesser von zwölf Zentimetern. Bei einem Abdruck auf einem Fenster müsste notwendigerweise das Glas mit dem Abdruck herausgeschnitten werden. "Und bei einem Abdruck auf einem Schrank brauche ich dann eben den Schrank", führt Buchholz aus.