Unter dem Namen HEAVEN (Akronym von 'head anastomis venture'), vermarktet Canavero die Transplantation, bei der der Kopf eines Schwerkranken auf den Körper eines Hirntoten gesetzt werden soll. Mittels der frankensteinesquen Methode soll in bislang hoffnungslosen Fällen, wie bei Querschnittslähmung, geholfen werden.

So soll die OP ablaufen:

Das Anfang Februar 2015 veröffentlichte OP-Protokoll auf der Seite von "Surgical Neurology International" gibt erstmals genauere Einsicht in den geplanten Ablauf des Eingriffs: Unter anderem will Canavero in dessen Verlauf die Körper auf etwa 15°C hinunterkühlen, um den Zeitrahmen zu vergrößern, in dem die Körpersysteme verbunden werden können, ohne dass es zu Schäden kommt. Für das Abtrennen der Köpfe ist die Verwendung eines speziellen Skalpells geplant, so dass Kräfte von unter 10 Newton auf die Körper wirken und ein möglichst glatter Schnitt erfolgt. Der Knackpunkt der Operation ist schließlich das Verschmelzen der Nervensysteme; bisher technisch unmöglich, sollen hier sogenannte Fusogene Abhilfe schaffen und Rückennerven von Spender und Empfänger verbinden. Nach dem Eingriff werde dann der Patient noch drei bis vier Wochen in einem künstlichen Koma gehalten, um dem Körper Zeit zur Heilung zu geben, bevor der Patient schlussendlich in einer Physiotherapie die Kontrolle über "seinen" Körper zurückerlangen soll.

Aber: Kann das funktionieren?

Im Gespräch mit Sky News betonte Canavero: "Seit 30 Jahren arbeite ich an diesem Projekt und die Technologie ist inzwischen soweit." Laut Canavero fehlt es nur noch an Geld (10 Millionen pro Eingriff) und dem grünem Licht der Ethikkommission.

Diese positive Einstellung teilen aber nicht viele: Seit der Bekanntmachung der geplanten OP 2013 treten Ärzte verschiedener Fachrichtungen an die Öffentlichkeit und äußern ihre Zweifel an der tatsächlichen Durchführbarkeit. So kommentierte zum Beispiel Harry Goldsmith, Chirurg von der University of California, das Unterfangen gegenüber dem Wissenschaftsmagazin New Scientist mit den niederschmetternden Worten: "Ich glaube nicht, dass das jemals klappen wird."

Darf man das?

"Soll diese Operation überhaupt stattfinden? Es werden sicherlich viele Leute dagegen sein.", zeigt sich der italienische Neurochirurg im Gespräch mit New Scientist doch auch nachdenklich. Tatsächlich wäre es noch optimistisch davon zu sprechen, dass Canavero mit seinen Ideen polarisiert. Im Allgemeinen steht man ihm bestenfalls skeptisch gegenüber und zwar nicht nur in Gelehrtenkreisen, sondern auch im "gemeinen Volk". Kommentare im Internet spiegeln die allgemein negative Meinung wieder. So schreibt der User "omnipotent" zum Beispiel unter einen betreffenden Artikel von science.ORF: "Ich finde diese Sache so grauslich […]." Ähnlich sehen das viele der Kommentatoren, die Canavero unter anderem Betrug, sowie den bloßen Wunsch nach schnellem Geld oder Ruhm unterstellen. Dazu meint Canavero nur: "Wenn es die Gesellschaft nicht will, mache ich es auch nicht. Aber nur weil es die Menschen in den USA oder Europa nicht wollen heißt das nicht, dass es nicht woanders gemacht wird." #Gesundheit