Jede Woche ziehen weltweit etwa eine Million Menschen in die Stadt, bis 2050 soll sich die Zahl der Stadtbewohner sogar von ca. 3 Milliarden auf 6,3 Milliarden verdoppeln. Dieser Entwicklungstrend bringt natürlich auch vielfach Probleme mit sich, die nur durch die Entwicklungen von heute rechtzeitig gelöst werden können. Eine der Problemlösungen an der gearbeitet wird, sind die sogenannten "Städte der Zukunft". Heute nehmen die Städte bloß 2% der Erdoberfläche ein, fassen aber bereits die Hälfte der gesamten Erdpopulation. Die starke industrielle Expansion und die starke Urbanisation, die in China teils bereits schwer zu tragen kommt, wird sich in näherer Zukunft auch auf Indien und Teile Afrikas abspielen. Hauptthematiken, für die diese Städte der Zukunft Lösungen finden müssen, sind Verkehr, Umweltbelastung, Sicherstellung von Nahrung und Wasser aber vor allem der Energieverbrauch und die Energiegewinnung.

Die Städte von morgen entstehen schon heute

Heute werden Städte für morgen entwickelt. Solche werden bereits in Ländern wie China, Südkorea, Saudi-Arabien, Abu Dhabi und Russland umgesetzt. Im Gegensatz zu dem "bottom-up" Prozess, in dem der Großteil der weltweiten Städte entstand, also einer allmählichen Entwicklung von einer Grundstruktur ausgehend, in der sich jedes Individuum seinen eigenen Platz innerhalb des vorgegebenen Rahmens schaffte, werden die Städte der Zukunft in "top-down" Prozessen hergestellt. Das heißt, die Städte werden von Architektenbüros genauestens durchgeplant. Es wird für die nötige Infrastruktur gesorgt, die verschiedenen Bereiche der Städte wie etwa für Arbeit und Wohnen werden optimal vernetzt, sodass der Gebrauch des Autos beispielsweise überflüssig wird. Man setzt dabei auch auf ökologische Prinzipien, setzt auf erneuerbare Energien, setzt fortschrittliche Wasseraufbereitungsanlagen ein etc. Alles schön und gut, aber die Tendenzen beobachtend, ziehen diese neuen Städte nur zögerlich Bewohner an, was vermutlich zu einem großen Teil daran liegt, dass diese neuen Städte die bereits als etwas Vollständiges entstehen keine eigene Geschichte oder Identität beherbergen. Die Unordnung und das unvorhersehbare Element des Zufalls fehlen. Ein weiterer Kritikpunkt liegt in der Homogenität dieser Städte, die aus der Ausrichtung an eine bestimmte Einkommensschicht hervorgeht.

Planstädte des vergangenen Jahrhunderts wie etwa Chandigarh im Norden Indiens oder Brasilia die Hauptstadt Brasiliens, zeigen, das diese das Potenzial haben sich von einer Planstadt bis hin zu einer Kulturstadt zu entwickeln. 2008 wurde Brasilia der Titel Kulturstadt Amerikas verliehen, nach dem sie bereits 1987 auf die Liste des UNESCO-Kulturerbes gesetzt worden war.

Die Städte der Zukunft orientieren sich an den Methoden der Städteplanung unseres vergangenen Jahrhunderts, wie etwa die Trennung der verschiedenen Bereiche der Stadt. Die "Future Cities" aber verkörpern gleichzeitig auch den enormen technologischen Schritt, der in den Vergangenen 50 bis 100 Jahren gemacht wurde. Heute lauten die drei Grundpfeiler der Städteplanung Technologie, Ökonomie und Ökologie. Die großen "Future Cities" unseres Jahrhunderts findet man in etwa in Saudi-Arabien mit der King Abdullah Economic City, der New Songdo City Südkoreas oder der in Kooperation zwischen China und Singapur entstandenen Tianjin Eco-City.

Die 3 Grundpfeiler der "Future City"

Die drei Grundpfeiler Technologie, Ökonomie und Ökologie vereinen sich eben auch beispielsweise in der Tianjin Eco-City. Eine der Hauptanliegen besteht im Schutz der natürlichen Ressourcen und dem Einsatz erneuerbarer Energie. Auch die Gebäude und Wohnungen sind mit intelligenten Zählern versehen, anhand dessen man seinen Energieverbrauch und den Durchschnittsverbrauch der Stadt im Vergleich sieht. Die Energieerzeugung kann sich so auch an den Bedarf orientieren. Ein weiterer Wesenszug der Stadtplanung betrifft die Optimierung der Verkehrslage. Dies soll durch verringerung der Distanzen zwischen den Bereichen Arbeit, Wohnen und Freizeit erreicht werden, was das Erreichen des Arbeitsplatzes zu Fuß oder mit dem Fahrrad ermöglichen soll. Vermehrt wird auch auf ein Verkehrsnetz über Kanäle mit Wassertaxis gesetzt.

Städteplanung als großer Wirtschaftsmarkt

Diese Zukunftsstädte sind natürlich alles andere als billig und sollen binnen weniger Jahre aus dem Erdboden gestampft werden. Im Durchschnitt müssen für solch eine Stadt rund 60 Milliarden Euro an Finanzmittel angeschafft werden. Diese Summen werden häufig teils privatwirtschaftlich teils staatlich aufgebracht. Die King Abdullah Economic City Saudi-Arabiens oder New Songdo City Südkoreas aber werden vollständig privat finanziert. Diese Zukunftsstädte sind auf der einen Seite natürlich der Versuch das zunehmende Problem der Urbanisierung in Griff zu bekommen, während auf der anderen Seite diese Projekte für die Investoren einen riesigen Profitmarkt darstellen. Dadurch besteht auch das starke Interesse Städte als Gesamtes zu verkaufen und die Kontrolle darüber zu behalten. Dazu werden Baukastenmodelle solcher Städte entworfen, die rund um die Welt vermarktet werden sollen. Bei den Kosten von rund 60 Milliarden Euro einer Smart City sollen dabei mindestens 380 Milliarden Euro Profit entstehen.

Die Städte der Zukunft als Dystopie?

Das Smart-City-Konzept bleibt nicht ohne Kritik. Mit dem Smart-City-Konzept steigt auch die Angst einer wachsenden Überwachungskultur. New Songdo City gilt als die erste ubiquitäre Stadt der Welt, das heißt die erste Stadt, in der alles vernetzt ist. Millionen von Sensoren in der Infrastruktur liefern Daten an einen Zentralrechner, der die öffentlichen Dienste so gezielt wie möglich steuert. Die Datenquellen umfassen Videoaufzeichnungen, Messwerte, Wetter und Verkehrsinformationen und Daten zur Verbrechensvorbeugung, so kann die Stadt in Echtzeit auf Unregelmäßigkeiten und Probleme reagieren. Gleichzeitig werden die Bewohner der Stadt rund um die Uhr von Tausenden von Kameras beobachtet. Die Fahrgeschwindigkeit jedes Autos wird automatisch gemessen, Halteverbote werden sofort erkannt und die Strafzettel elektronisch ermittelt und versandt. Dies führt zum einen zu erhöhter Sicherheit, aber gleichzeitig verwandelt sich eine solche Stadt zu einer Überwachungsstadt mit fehlender Privatsphäre.

Was diese Städte für die Zukunft bringen werden, darauf kann man nur gespannt sein. Können diese Städte eines Tages organische Städte werden mit einer eigenen Identität, oder bleiben sie Versuchslabors, oder aber werden sie gar zu Geisterstädte werden? Die Antwort darauf liegt in der Zukunft von Morgen.

Foto: Sehlangford/ Flickr.com