Der Nobelpreis ist jedem bekannt. Aber wer hat schon einmal etwas vom sogenannten "Ig-Nobelpreis" gehört? Am 17. September 2015 wird dieser zum 25. Mal vergeben. Was genau kann man sich nun unter dieser, oft scherzhaft als "Anti-Nobelpreis" bezeichneten Auszeichnung vorstellen?

Erst lachen, dann nachdenken

"The Ig Nobel Prizes honor achievements that make people LAUGH, and then THINK." So beschreibt die offizielle Website www.improbable.com ihre Mission. Prämiert werden also wissenschaftliche Leistungen, die einen zuerst zum lachen, dann zum nachdenken bringen. Der Ig-Nobelpreis soll weiter "das Ungewöhnliche feiern, das Phantasievolle würdigen und das Interesse an Wissenschaft, Medizin und Technologie anregen." Der Preis wird seit 1991 jährlich von der Zeitschrift "Annals of Improbable Research" vergeben. Seit einigen Jahren findet die Preisverleihung an der Harvard-Universität statt.

"Ig" ist ein englisch-, bzw. französischsprachiges Wortspiel mit "ignoble", was soviel wie "unwürdig" und "schändlich" bedeutet. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine Art satirischen Ableger des Nobelpreises. Allerdings ist es längst keine Schande mehr, für den "Ig-Nobelpreis" nominiert zu werden. Inzwischen überreichen ihn sogar Nobelpreisträger. Nach Angaben der "Annals of Improbable Research" setzt sich die Jury aus "Nobel- und Ig-Nobelpreisträgern, wissenschaftlichen Autoren, Sportlern, Trägern öffentlicher Ämter und anderen bekannteren oder weniger bekannten Personen" zusammen. Darüber hinaus wird am letzten Tag auch ein zufälliger Passant zur Entscheidungsfindung zugezogen.


Wer nominiert werden möchte, sollte abgesehen von skurrilen Forschungsgegenständen zwei Bedingungen erfüllen:
Das Experiment sollte nicht wiederholbar sein und das Forschungsthema muss neuartig sein.

Applaudieren verboten: und eigentlich ist Italien die stärkste Wirtschaftsmacht Europas

Die "British Standards Institution" bekam 1999 den Ig-Nobelpreis für Literatur: Sie schrieb eine sechsseitige Norm über das korrekte Aufbrühen einer Tasse Tee.

2013 ging der Ig-Friedensnobelpreis an das Land Weißrussland und seinen Präsidenten. Ein Einarmiger widersetzte sich nämlich dem Verbot des Applaudierens in der Öffentlichkeit und wurde daraufhin von der weißrussischen Polizei festgenommen.

Letztes Jahr erhielt das Italienische Statistikinstitut den Ig-Nobelpreis für Wirtschaft. Es konnte nachweisen, dass Italien die europäischen Vorgaben für das Wirtschaftswachstum vorbildhaft erfüllt, und sogar an erster Stelle steht - vorausgesetzt die Einnahmen aus Drogenhandel, Prostitution, illegalen Finanztransaktionen und Schmuggel werden mitgerechnet.

2014 wurde außerdem erstmals ein Ig-Nobelpreis in der Kategorie "Arktis-Forschung" verliehen: Eigil Reimers und Sindre Eftestøl untersuchten, wie Rentiere auf, als Eisbären verkleidete Menschen, reagierten.