In einem kürzlich erschienenen Kommentar in der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift "The Lancet" fordern die Neurowissenschaftler Dr. Barbara Sahakian und Dr. Sharon Morein-Zamir von der britischen Universität Cambridge klare Richtlinien für die Nutzung potentiell leistungssteigernderer Medikamente von Gesunden.

Da der "Life-Style-Use" sogenannter "Neuro-Enhancer" (auf Deutsch: Neuro-Verbesserer) immer populärer wird, sei es dringend notwendig, sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene die gesetzliche Regulierung des Vertriebs und der Verfügbarkeit solcher Medikamente zu verbessern und auch die vielen existierenden juristischen "Schlupflöcher" zu stopfen. Kritisiert werden neben den staatlichen Behörden und den Gesetzgebern auch die Ärzte, denen vorgeworfen wird, mit der Thematik oftmals viel zu locker umzugehen.

Vor allem in Amerika, aber auch in England soll die Einnahme von Medikamenten wie Ritalin (einem Mittel, welches für die medikamentöse Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung entwickelt wurde) und Modafinil (einem Medikament zur Behandlung der Narkolepsie, auch als "Schlummersucht" bekannt) von gesunden Personen zur Steigerung der Konzentration und Vigilanz bereits sehr weit verbreitet sein. Besonders unter amerikanischen Universitätsstudenten ist der "Off-Label-Use", also die Einnahme von Medikamenten ohne medizinische Indikation beliebt: basierend auf letzten Schätzungen nehmen bis zu 35 % der aktiven Studenten regelmäßig verschreibungspflichtige Medikamente zum "Doping" ihrer kognitiven Leistungen ein. Auch unter bestimmten Berufsgruppen, wie Wertpapierhändlern, Polizisten und Feuerwehrmännern soll die Einnahme - zumindest in den USA - häufig sein.

Auch auf das Fehlen genauerer Untersuchungen über die Langzeitwirkung der Einnahme solcher Medikamente von, an sich, gesunden Personen wird hingewiesen: obwohl für gewisse Patientengruppen bereits relativ gute Erfahrungswerte betreffend der Langzeiteinnahme bestimmter Medikamente vorliegen, existieren so gut wie keine Untersuchungen zu den Auswirkungen auf psychisch gesunde Menschen. So besteht sogar das Risiko, dass die zunehmende Einnahme psychisch aktiver Medikamente letztendlich zu einem Anstieg psychischer Erkrankungen führt.

Quellen:

"ScienceDaily.com" - Neuroscientists call for immediate action to determine the dangers and beneftis of cognitive-enhancing drug use in healthy people.

"The Lancet": Pharmacological cognitive enhancement: treatment of neuropsychiatric disorders and lifestyle use by healthy people. #Gesundheit