Obwohl die Ausgrabungen in der Gough's Höhle im englischen Somerset bereits 1992 beendet wurden, geht die Analyse und materialtechnische Untersuchung der, dort gefundenen Menschenknochen bis zum heutigen Tag weiter. Im Lauf der Jahrzehnte wurden die verschiedenen Funde unzähligen unterschiedlichen Tests, am Naturgeschichtlichen Museum des University College London und auch an mehreren kooperierenden spanischen Universitäten unterzogen.

Die Resultate der Datierungen, Kratz- und Bearbeitungsspuren und der Strukturanalysen des gefunden Materials sind eindeutig: die menschlichen Knochen und Skelettreste, die sich, vermischt mit den Knochen von Tieren, in der Höhle befanden, wurden vor ungefähr 14.700 Jahren von Kannibalen hinterlassen. So fanden sich eindeutige Bissspuren, Hinweise auf die gezielte Entfernung des Knochenmarks und auch Anzeichen für das vorsichtige, fast der Arbeit eines Metzgers gleichende, Zerlegen von Körpern. Auch mehrere Schädelknochen, welche so bearbeitet wurden, um als Trinkgefäße nutzbar zu sein, wurden identifiziert. Laut Einschätzung der involvierten Archäologen, Paläoanthropologen und anderen Experten, war der Kannibalismus, der in der Höhle in Somerset praktiziert wurde, Teil eines - wahrscheinlich im Zuge von Bestattungen durchgeführten - religiösen Rituals. Hinweise auf solch eine rituelle Praxis von Kannibalismus wurde bereits an vielen anderen Orten der Welt entdeckt und wird, zumindest in etwas anderer Form (wie dem Trinken von zeriebenen Knochen, oder Knochenasche in Wasser) wahrscheinlich noch immer in manchen abgelegenen Regionen von einzelnen indigenen Gruppen praktiziert.

Die Tatsache, dass in der englischen Höhle - und auch an anderen Fundorten - viele menschliche Knochen vermischt mit Tierknochen und Essensresten gefunden wurden, wirft allerdings weiterhin Rätsel auf: kann es doch sein, dass ein Teil unserer Vorfahren, nicht nur rituelle, sondern gar habituelle - also gewohnheitsmäßige - Kannibalen waren?

Die Möglichkeit, so abstoßend und erschreckend die Vorstellung auch sein mag, ist, aufgrund der entdeckten archäologischen Funde nicht völlig auszuschließen.

Quellen:

Science Daily - Palaeolithic remains show cannibalistic habits of human ancestors.

Natural History Museum, London - Palaeolithic remains show cannibalistic habits of humans.

Bildquelle:

Wikimedia Commons/22Kartika.