Seit Menschengedenken gilt es, so gut wie bei allen Kulturen und Völkern, als Tatsache, dass Männer deutlich gewalttätiger und physisch aggressiver sind als Frauen. Schon die offensichtlichen, physischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen, wie das höhere Gewicht (Männer sind etwa 15% schwerer), mehr Muskelmasse, die höhere Knochendichte und auch, dass Männer im Durchschnitt bis zu 15 cm größer sind, weisen daraufhin, dass sie körperlich besser angepasst zu sein scheinen für Auseinandersetzungen.

Doch bedeutet das auch, dass Männer von Natur aus, aufgrund angeborener Verhaltenstendenzen immer gewalttätiger sein werden als Frauen, in gewisser Weise also gar nicht anders können? Oder ist es nur eine Art "Unfall" in der Sozialisation, also die falsche Prägung durch die Umwelt, in der die Männer aufwachsen, welche zu der "typisch männlichen" Gewalttätigkeit führt?

Es steht außer Frage, dass die Art, wie ein Individuum aufwächst, welche Vorbilder es hat und in was für einer Umwelt es sich entwickelt einen signifikanten Effekt auf das spätere Verhalten hat. Trotzdem zeigen die Erhebungen von Wissenschaftern, wie etwa der kanadischen Psychologen M. Wilson & M. Daly, dass sich so gut wie immer und überall, also über Landes- und Kulturgrenzen hinweg, ein deutlicher "männlicher Hang" zur Gewalttätigkeit nachweisen lässt: so zeigt der Vergleich der Mordraten in 14 Ländern, inkl. der Tötungsraten unter indigenen Gruppen (sogenannten "Naturvölkern"), dass Männer durchschnittlich 26 Mal häufiger Morde begehen als Frauen. In manchen Ländern gehen sogar mehr als 90% auf das Konto von Männern - etwa 70% aller Mordopfer in diesen Ländern sind dabei ebenfalls Männer.

Interessant ist auch, dass es bei Männern in jeder Schicht, also sowohl unter den ärmsten, als auch unter den reichsten Teilen der Gesellschaft viel häufiger zu schweren - und vor allem gewalttätigen Delikten - kommt, während bei Frauen der jeweilige sozioökonomische Status eine maßgebende Rolle zu spielen scheint: so kommen fast alle weiblichen Gewaltverbrecher aus den ärmsten Schichten bzw. aus den niedrigsten sozioökonomischen Segmenten der Gesellschaft. Es zeigt sich also, dass Männer, selbst bei förderlicher Sozialisation in affluenten Kreisen (also ohne Armut oder Hunger leiden zu müssen) und dem Aufwachsen in einer friedlichen, gewaltfreien Umgebung, viel wahrscheinlicher Gewaltverbrechen begehen als Frauen. Dies deutet darauf hin, dass Männer zwar nicht durch ihre Anlagen in ihrem Verhalten determiniert sind, aber durchaus sehr stark durch diese beeinflusst werden.

Gerade in der heutigen Zeit, in der es hochentwickelte Gesetzessysteme und Gerichte gibt und, in den meisten Industriestaaten keine Notwendigkeit mehr besteht für die Anwendung physischer Gewalt zum Zweck von Verteidigung von Leib und Leben, ist diese angeborene Tendenz zur Gewalttätigkeit ein großes Problem. Dass sie aber nach wie vor besteht und solche starke Wirkung entfallten kann ist - aus "historische Sicht" leicht nachvollziehbar: bis vor 10.000 Jahren lebten so gut wie alle Menschen als Jäger und Sammler, in der freien Natur. Der Einsatz physischer Gewalt, beim Erlegen eines Beutetiers, zur Verteidigung gegen ein Raubtier, oder im Kampf gegen verfeindete Clans war damals überlebensnotwendig und über 200.000 Jahre lang (seit dem Auftreten des modernen Menschen) Teil des Lebensalltags.

Quelle:

Social Ethology - Aggression in men. Social roles or evolutionary roots?

Bild: Wikimedia Commons/Department of the Army #Internet #Krieg