Den meisten Menschen fällt bei dem Ausdruck "Psychopath" sofort der letzte Horrorfilm oder Kriminalroman ein: sie stellen sich Psychopathen als kaltblütige, sadistische Mörder vor, die, sowohl in ihrer Erscheinung, als auch in ihren Handlungen das absolut Böse repräsentieren. Diese weitverbreitete Vorstellung von Psychopathen, die aufgrund der großen Popularität diverser Hollywood-Filme durchaus verständlich ist, mag sich vielleicht gut verkaufen - mit der Realität hat sie allerdings nur wenig zu tun.

Die meisten Psychopathen sind weder Mörder, noch kommen sie sonst irgendwie mit dem Gesetz in Konflikt. Sie sehen zumeist auch nicht anders aus als Nicht-Psychopathen. Und auch an der Berufswahl, oder der Ausbildung lassen sie sich nicht unbedingt erkennen (obwohl es statistisch relevante Anzeichen dafür gibt, dass es in manchen Berufsgruppen besonders viele Psychopathen gibt).

Ein Großteil der Psychopathen sticht nicht wirklich aus der Menge hervor: sie sind nicht, wie manche Geschichten vielleicht suggerieren würden, alle hochintelligent, oder hochbegabt. Und sie sind auch nicht alle sexsüchtig, oder von perversen Neigungen getrieben. Der durchschnittliche Psychopath ist also kein Hannibal Lecter (der bekannte Protagonist aus "Das Schweigen der Lämmer" von R. Harris), der unzählige Sprachen spricht, einen Medizin-Abschluss in der Tasche hat, hochmanipulativ ist und gerne seinem Hang zum Kannibalismus nachgeht.

Psychopathen sind also nicht, wie so oft - medial - behauptet oder angedeutet wird, in irgendeiner Weise "übermenschlich" bzw. in ihrer "Wesenheit" vollkommen anders als der Rest der Menschheit. Sie weisen jedoch einige, zum Teil stark ausgeprägte Defizite auf, die sich in manchen Fällen in erschreckenden und auch hochgradig kriminellen Verhaltenweisen widerspiegeln: so zeigen alle "echten" Psychopathen, als jene, bei denen eine klinisch-psychiatrische Diagnose durchgeführt wurde, physiologische Abnormitäten bei der Verarbeitung von Emotionen im Gehirn, oder anders ausgedrückt: sie können bestimmte Emotionen nicht in der selben Art und Weise fühlen und - während der Interaktion mit anderen Menschen - "nachfühlen", wie das bei Nicht-Psychopathen der Fall ist. Dies zeigt sich schon bei sehr simplen Tests: so zeigen Psychopathen eine geringere bzw. gar keine messbare physische Reaktion (wie eine Veränderung in der elektrischen Leitfähigkeit der Haut), wenn ihnen Filmaufnahmen von Folter u. chirurgischen Eingriffen gezeigt werden. Auch reagiern sie bei nicht angekündigten, plötzlichen lauten Geräuschen (wie einem Schuss) deutlich schwächer. Insgesamt scheinen sie also, sehr vereinfacht ausgedrückt, viele der bewussten und auch weniger bewussten emotionalen Reaktionen in deutlich schwächerer Form, oder gar überhaupt nicht wahrzunehmen. Dies gilt übrigens auch für die Wahrnehmung von Angst: viele Psychopathen scheinen echte, intesive Angst nicht wahrnehmen zu können - weswegen es auch unter Kampfpiloten, Polizisten, Feuerwehrmännern und sogar Chirurgen (für die es wohl nützlich ist, wenn sie "furchtlos" Patienten aufschneiden können) sehr viele von ihnen geben soll.

Das diese Defizite in der Verarbeitung von Emotionen in manchen Fällen zu furchtbaren Handlungen führen, ist, wenn auch kein Trost, wohl auch keine große Überraschung.

Quellen:

J. Ronson - The Psychopath Test

Psych. Times - Psychopathy & Antisocial Personality Disorder

The Telegraph - Psychopaths: how can you spot one?

Bild: Wikimedia Commons/State Arch. of FL/FL Memory Project #Gesundheit