Deutschland möchte unabhängiger werden von Erdöl- und Erdgaszulieferern wie Russland. Deshalb haben jetzt einige Politiker die umstrittene Fracking-Methode ins Spiel gebracht und wollen diese Fördertechnik gesetzlich erlauben. Beim Fracking oder Hydraulic Fracturing wird durch eine Bohrung unter hohem Druck eine Flüssigkeit („Fracfluid“) in den Boden gepresst. Das Fracfluid besteht aus circa 94,5 Prozent Wasser, fünf Prozent Sand und etwa 0,5 Prozent chemischer Zusätze.

Fracking-Boom in den USA führte wirtschaftlich in die Sackgasse


Seit dem Jahr 2000 haben die Amerikaner die Förderung von Erdöl und Erdgas (u.a. Schiefegas) mittels Fracking vorangetrieben. Der dortige Fracking-Boom sorgte auf dem US-Energiemarkt aber für einen erheblichen Preisverfall. Dies führte in den USA zu einer Debatte über die Rentabilität des Verfahrens. Die US-Regierung unterstützt daher seit etwa 2013 Bestrebungen zum Export von Flüssigerdgas nach Europa und Japan, unter anderem mit beschleunigten Genehmigungsverfahren.

Gesundheitliche Risiken sind nicht zu unterschätzen

Auch in den USA ist die Fracking-Methode mittlerweile nicht mehr unumstritten. Untersuchungen der Universität von Missouri in Columbia ergaben, dass beim Fracking eingesetzte Spülflüssigkeiten in das Grundwasser benachbarter Brunnen gelangten. Bei den eingesetzten Chemikalien handelte es sich in erheblichem Umfang um östrogenartig wirkende Substanzen, die Unfruchtbarkeit und Krebs fördern können.

Barbara Hendricks sorgt für Kopfschütteln


Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte das Fracking-Gesetz Anfang April ins Kabinett eingebracht. Im Vorfeld hatte sie sich aber verständnisvoll gegenüber Bedenken besorgter Bürgerinnen und Bürger gezeigt. Hendricks selbst erklärte, dass durch Fracking gefördertes Erdgas für die Energiewende nicht nötig sei. Ihre scheinbar widersprüchliche Haltung stößt bei vielen Kritikern auf Kopfschütteln. Zitat Barbara Hendricks : "Man kann in Deutschland eine Technologie nicht einfach pauschal verbieten."

Die Situation in Deutschland bedarf nun einer gesetzlichen Regelung. Demnach soll die Fracking-Technik an besonders sensiblen Orten wie Wasserschutzgebieten oder Talsperren  komplett verboten bleiben. Die Länder können den Einsatz von Fracking zusätzlich dort verbieten, wo Mineralwasser oder Wasser zur Herstellung anderer Getränke gewonnen wird; dasselbe gilt für Steinkohle-Regionen. Außerhalb dieser Gebiete wird Fracking grundsätzlich nur unterhalb von 3.000 Metern Tiefe erlaubt. Laut Bundesunweltministerin Hendricks gebe es kein Interesse unter diesen Vorgaben Fracking zu betreiben. "Insbesondere auch, weil es zu teuer ist." Und oberhalb von 3.000 Meter Tiefe – wo es sich vielleicht lohnt? Dort ist es verboten – aber nicht ganz. Es darf auf Probe gefrackt werden. Wer soll da noch durchblicken?

jh

Bildquelle: „Rig wind river“ von The Pinedale Field office of the BLM. - The cover of the "Pinedale Anticline DSEIS", a Federal DocumentÜbertragen aus en nach Commons durch Dmcdevit mithilfe des BetacommandBot.. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons


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