Konkurrenz für die Telekom

Das britische Telekommunikationsunternehmen Vodafone plant, weitere Anteile des US-Kabelriesen Liberty Global zu übernehmen. Darunter fällt auch das sich in Deutschland befindende Kabelnetz von Betreiber Unitymedia. Durch eine Übernahme könnte sich der Konzern die TV-Kabelnetze in mehreren Bundesländern sichern. Der Konkurrenzkampf zwischen der Deutschen Telekom und Vodafone um neue Kunden und schnelles Internet scheint sich so zuzuspitzen. Der Kaufpreis der Übernahme, der sich auch auf Kabelnetze in osteuropäischen Ländern bezieht, soll etwa 18,4 Milliarden Euro betragen.

Folgen für den Wettbewerb

Falls die noch ausstehende Zustimmung der Kartellbehörden erreicht wird, könnte Vodafone die TV-Kabelnetze in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen mitsamt schätzungsweise 7,2 Millionen Kunden übernehmen.

Weil Vodafone bereits in allen anderen Bundesländern aufgrund der Übernahme [VIDEO] von Kabel Deutschland eigene Kabelkunden besitzt, wäre Vodafone in Zukunft in jedem einzelnen Bundesland als einziger Kabelanbieter vertreten. Die daraus resultierende Konkurrenz wäre für die Telekom durchaus bedrohlich, da die Kabelverbindungen vielerorts eine weitaus höhere Breitbandgeschwindigkeit als die zumeist veralteten Kupferkabel in der berühmt berüchtigten ''letzten Meile'' erreichen.

Telekom warnt vor der Übernahme

Während Vodafone und Liberty Global erwarten, dass der Abschluss der Übernahme Mitte 2019 erfolgen wird, übte die Telekom scharfe Kritik am drohenden Szenario. Telekom-Chef Timotheus Höttges bezeichnete die geplante Übernahme als wettbewerbsverzerrend. Er prangert an, dass es zu einem unfairen Wettbewerb und einer Benachteiligung der Verbraucher kommen könne.

Tatsächlich aber wird darüber diskutiert, ob eine erteilte Genehmigung für die Übernahme Unitymedias positive oder negative Auswirkungen auf die Verbraucher haben könnte. Entweder gibt es die Möglichkeit, dass Vodafone im Konkurrenzkampf mit der Telekom die Preise senken könnte oder (was auch von vielen Experten befürchtet wird) dass sich zwei monopolartige Telekommunikationsriesen es nicht für nötig erachten, sich gegenseitig faktisch sichere Marktanteile wegzunehmen.

Diskussion um Glasfaser

Neben der Telekom beschwerten sich auch lokale Glasfaseranbieter über die Übernahme, da jegliche Konkurrenz durch eine Monopolstellung im Kabelfernsehmarkt verdrängt und der Glasfaserausbau ausgebremst werde. Allerdings dementierte Uwe Nickel, der Chef der Glasfaser-Holding, Veränderungen für den Wettbewerb bzw. den Glasfaserausbau im ländlichen Raum. Vodafone plant, rund 25 Mio. Haushalte mit Gigabit-Verbindungen bis 2022 zu erreichen, wofür Investitionen im Wert von 12 Mrd. Euro in die Hand genommen werden sollen. Sollte die Übernahme tatsächlich abgesegnet werden, wäre es der größte Deal der europäischen Telekommunikationsbranche in den vergangenen fünf Jahren.