Bundesgerichtshof verhandelt heute über das Daten-Erbe bei Facebook

Heute wird begonnen über den Fall einer Mutter zu verhandeln, die den Zugang zum Facebook-Konto ihrer verstorbenen Tochter verlangt. Der Bundesgerichtshof (BGH) prüft nun, wie es rechtlich mit dem digitalen Erbe bei Facebook [VIDEO] aussieht. Das Urteil wird am 12. Juli erwartet. Die Mutter erhofft mit der Einsicht in das Konto nähere Informationen über den Tod ihrer 15-jährigen Tochter zu bekommen, die bei einem ungeklärten U-Bahnunfall ums Leben kam.

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Es nagt die Ungewissheit, dass es sich um ein Suizid gehandelt haben könnte. Die Antwort auf diese Frage glaubt die Familie durch die Einsicht in das Konto und somit in die geführten Konversationen zu bekommen.

Der Konzern verwehrt aus Gründen des Datenschutzes den Zugang zum Account. Da sich das Konto im „Gedenkzustand“ befindet, kann es selbst mit vorhandenem Passwort nicht mehr eingesehen werden.

"Gedenkzustand" bei Facebook

Sobald jemand den Tod eines Nutzers meldet, wird das Konto in den Modus „Gedenkzustand“ gesetzt. Dabei bekommt die Seite das Etikett „In Erinnerung an“ und dient einem virtuellen Kondolenzbuch für die Bekannten des Verstorbenen. Je nach der Privatsphären-Einstellungen können die Kontakte Erinnerungen teilen. Die zuvor hochgeladenen Daten bleiben erhalten. Eine Anmeldung ist in diesem Modus unmöglich. Allerdings gibt es mittlerweile die Möglichkeit auf Facebook einen Kontakt für den Nachlass zu hinterlegen oder es nach dem Ableben dauerhaft zu löschen.

Der Nachlass von Daten

Gespannt wird auf das Urteil gewartet, da sich diese Nachlass-Situationen häufen. Das Sprichwort „Wer schreibt, der bleibt“ ist gerade in der heutigen Zeit berechtigt. Im modernen Datendschungel hinterlässt jeder, der etwas im Internet hochlädt, seine Spuren. Gerade deswegen sollte gut darüber nachgedacht werden, was für die Nachwelt hinterlassen werden soll. Weitere Themen sind online-Abos, laufende Online-Auktionen, Bitcoins, Tradings etc, von denen Hinterbliebende oft nichts wissen. Da das Internet global und unpersönlich ist, weiß nicht immer ein Anbieter über den Tod seines Kunden. Daher bleiben Profile online und Rechnungen laufen weiter. Während das analoge Umfeld recht übersichtlich ist, gestaltet sich das Internet um so unübersichtlicher. Es ist ratsam noch zu Lebzeiten darüber nachzudenken seine Konten, bei denen sich angemeldet wurde, mit Eingangsdaten und Passwörter strukturiert aufzulisten, um es den Angehörigen bei der Bearbeitung des Nachlasses nicht all zu schwer zu machen.