Die Welt wandelt sich rasant, vor allem die digitale. Dies betrifft auch den Bereich der Kunst, insbesondere die Malerei. Denkt der Laie an Gemälde, fallen ihm in der Regel Aquarelle, Ölgemälde und bestenfalls noch Acrylbilder ein. Doch die Kunstwelt [VIDEO] war schon immer reicher an Werkzeugen als dies der Allgemeinheit bekannt ist. Der künstlerischen Wert eines Werkes ergibt sich nicht aus der Technik, sondern aus der Kraft seiner Aussage und der Handwerkskunst. Schönheit ist dabei nebensächlich, denn diese liegt bekanntermaßen stets im Auge des Betrachters.

Neue Zeiten, neue Werkzeuge

Gegenwärtig erlebt die Kunstwelt den Beginn eines interessanten Umbruchs.

Gab es bis vor einiger Zeit entweder nur analoge oder digitale Kunst, so beginnen gerade jetzt im Moment diese beiden Bereiche miteinander zu verschmelzen. Möglichkeiten dafür gibt es viele und es werden jeden Tag mehr. Der Grund dafür ist, dass höchstwertige digitale Arbeitsinstrumente, die vor wenigen Jahren noch nicht existent oder unerschwinglich waren, heute für fast jeden Durchschnittsbürger bezahlbar geworden sind. Diese Werkzeuge haben eine spezifische Besonderheit: man kann mit ihnen malen und zeichnen wie auf Papier, Leinwand oder anderem Untergrund. Mit der klassischen Digitalkunst hat dies nicht mehr viel zu tun, vielmehr imitieren die neuen digitalen Gerätschaften mitsamt ihrer Software alle Möglichkeiten der analogen Kunst.

DCA–Gemälde als Paradebeispiel

Die so genannte DCA (Digital Canvas Art) Kunst ist hierfür exemplarisch.

Bei dieser noch sehr neuen Kunstrichtung arbeitet der Künstler sowohl auf einer digitalen Leinwand als auch auf einer klassischen. Wir haben es also mit einer echten Fusionskunst zu tun. Der Ablauf ist dabei in der Regel so, dass einige Elemente eines Gemäldes oder einer Zeichnung auf einer digitalen Leinwand mit den entsprechenden Arbeitsmitteln hergestellt werden, die allesamt analoge Werkzeuge zu imitieren in der Lage sind. Ist dieser Arbeitsschritt abgeschlossen, wird das Ergebnis des Schaffens mittels verschiedener Drucktechniken auf eine Leinwand transferiert, wo analog weitergearbeitet wird. Es handelt sich also um eine neue Transfertechnik, ein Prozedere, welches in der analogen Kunstwelt schon seit Jahrhunderten fest etabliert ist. Der einzige Unterschied bei der DCA-Kunst ist der Transfer aus der digitalen Welt heraus auf eine Leinwand, wo das Werk auf analoge Weise finalisiert wird.

Ja, das ist Kunst, Fusionskunst

Die Frage, ob es sich bei DCA–Gemälden um echte handgearbeitete Kunstwerke handelt, kann somit klar bejaht werden.

Würde man die Transfertechnik aus der Digitalsphäre auf die "echte” Leinwand anders bewerten als althergebrachte, analoge Transfertechniken, wäre dies unlogisch und würde dem technischen Fortschritt nicht Rechnung tragen. Im Übrigen hat der Künstler durch die Arbeit mit einem Digitalgerät nicht weniger Arbeit und Mühe, er muss seine Arbeitsweise auch nicht grundlegend verändern, da die neuen Kunstwerkzeuge das analoge Arbeiten fast perfekt imitieren. Entscheidend ist nur der Abstand zur klassischen digitalen Kunst, die eine Gattung für sich ist, mit eigenen Randbedingungen und Gütemerkmalen.