Als MTV Anfang der Woche ankündigte, man würde aus dem PayTV schon früher zurückkehren, quasi als Weihnachtsüberraschung, war das seltsam. Möglicherweise lag es auch an der immer größeren Konkurrenz. Von wegen Musikfernsehen ist tot. Denn neben dem niederländischen Musiksender XITE, kommen nun die Franzosen mit Trace nach Deutschland. Der Anbieter startete - was für ein Zufall - zeitgleich mit MTVs Rückkehr ins FreeTV. Trace speist über Amazon gleich acht Musiksender ein. Was sie taugen, checkte Autorin Susanne.

Trace Urban - Mainstream für alle

Zunächst besteht bei Trace, wie auch bei XITE, der Mehrwert gegenüber MTV darin, dass alle Sender wirklich 24 Stunden Musik bringen.

Trace Urban ist einigen sicherlich bekannt von BigTV, dem Angebot der Telekom bei Entertain. Der Sender bringt Hip Hop, aktuelle Charts und R&B Klassiker. Hier läuft auch Selena Gomez oder Justin Bieber. Am Wochenende gibt es den "Trace Video Mix", wo aktuelle Charts gemixt werden.

Afrika-Sender im Doppelpack

Trace Afrika gibt es zwei Ausführungen. Die erste Variante ist ein Channel in englisch. Dieser bringt die Stars aus Afrika mit ihren Songs in englischen Versionen. Dann kann man Trace Africa French in französisch sehen, wo die Musiker in dieser Sprache singen. Der Sender Trance Naja bringt Musik aus Nigeria und Ghana. Was wie nach Buschtrommeln klingen mag, hat es in sich. Krasse Tänzerinnen und flotter Beat, lassen den urbanen R&B-Fan aufleben. Ein wahnsinniger Sender, der mit seinen Clips europäische Videos von Boybands mit ihrem Gehampel in den Schatten stellt.

Top Videos des Tages

Hier tanzen die Afrikanerinnen aus Ghana und Nigeria in Clips hammermäßig! Trace Mziki hat ähnliche Inhalte, aber setzt vor allem auf Stars aus Ostafrika. Hier gibt es auch Dance-Versionen, die mit einem David Guetta locker mithalten können.

Wenn Heimweh nach Urlaub kommt

Trace Toca zeigt Stars aus Angola, Mosambik und Brasilien. Vor allem die urbanen Helden aus Brasilien, können mit amerikanischer Blackmusic mithalten. Die Musik aus Mosambik hat den Fokus mehr auf den Tanz. Das ist aus kultureller Sicht interessant, könnte aber so manchen Deutschen erstmal erstaunen lassen. Sowas sieht man bei MTV nicht. Trace Tropical ist der Mainstream für Musik aus den Tropen. Ein bunter Mix, wo auch schon mal Despacito von Luis Fonsi läuft. Wer seinem letzten Urlaub in der Karibik nachtrauert, wird den Sender lieben. Trace Gospel ist sehr speziell und zeigt nur Studio- und Liveaufnahmen aus der Musikrichtung. Wer das mag, kriegt das hier rund um die Uhr.

Perfekte Ergänzung und hart für MTV

Trace TV bringt uns bis auf Trace Urban vor allem Musik aus Lateinamerika und Afrika näher.

Das ist eine Nische, die es so in Deutschland beim Musikfernsehen noch nicht gab. Trace Urban hat viel Mainstream mit Fokus auf R&B und HipHop. Deutscher Hip Hop läuft hier allerdings kaum - es sind eher internationale Musiker aus dem Genre. So wird Trace TV mit seinen Kanälen nicht komplett Sender wie XITE oder DeluxeMusic ersetzen oder in direkter Konkurrenz mit ihnen stehen. Vielmehr ist der französische Anbieter eine ideale Ergänzung. Für MTV dürfte mit Trace die Konkurrenz verdammt hart geworden sein. Der einstige Marktführer hat den Trend völlig verschlafen und zuletzt aus Kostengründen seine Musik App abgespeckt. Trace TV führte hingegen eine Musikfernsehen-App ein und kooperiert ab sofort mit Amazon. Trace TV gibt es für 2,99 Euro pro Monat oder als Jahresabo für einmalig 29,99 Euro. Abrechnung über das Amazon-Konto.