Anime zu Videospielen sind meist eine Sache für sich. Selbst wenn sie überaus erfolgreich sind, wie zum Beispiel die beliebte Serie "Pokémon", bleiben sie qualitativ sowie inhaltlich meist weit hinter der Konkurrenz zurück. Ob das für den Titel "Code: Realize - Guardian of Rebirth", welcher für PlayStation Vita und Playstation 4 veröffentlich wurde, auch gilt, war der Casus Knacksus, den es zu erforschen galt.

Kritik zu "Code: Realize"

Inhaltlich werden wir in eine Steampunk-Version unseres Industriezeitalters geworfen, in welcher der Faschismus nur ganz knapp an einer Fassade der königlichen Demokratie vorbei schrammt.

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Schuld daran ist eine geheime Organisation innerhalb der royalen Führung in Großbritannien, welche im geheimen Bösartiges planen und dabei vor Mord und Entführung nicht zurückschrecken.

Oberstes Ziel dieser Vereinigung ist es in diesen Zeiten, das Mädchen Cardia in ihre Finger zu bekommen. Ein geheimnisvolle Frau, in deren Körper sich ein Gift befindet, welches alles vernichtet, was mit der Unglücklichen in Berührung kommt. Zu ihrem Glück und persönlicher Freude hat es sich der junge Dieb Arséne Lupin zur Aufgabe gemacht, Cardia zu beschützen.

Wer mit Aufmerksamkeit dabei ist, wird in diesem Anime so einige bekannte Figuren der britischen Literatur wiederfinden, nicht nur den weltbekannten Dieb. Wie es die Laune des Drehbuchautors halt so will, tümmeln sich allerlei Legenden aus englischen Sagen und Romanen in London des gleichen Jahres und irgendwie haben alle etwas miteinander zu tun. Dabei spielt der Charakter der originalen Figur kaum bis gar keine Rolle.

Frankenstein, Dracula, van Hellsing, Kapitän Nero ...

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Sie alle stehen lediglich mit ihrem Namen und einer groben charakterlichen Beschreibung Pate; werden in "Code: Realize - Guardian of Rebirth" stattdessen in schöne, junge Abbilder verwandelt, welche mit der psychologischen Tiefe der meisten Vorbilder nicht mithalten können. Diese Vorgehensweise macht nicht einmal vor der Queen halt.

Die Anime-Umsetzung braucht fast sechs der zwölf Folgen um seine Figuren etwas tiefer und interessanter zu gestalten, lässt sie bis dahin leidsam vor sich hin dümpeln. Erst zum Ende entfalten einige dann doch etwas mehr Tiefe und machen es ansatzweise tatsächlich möglich, sich rudimentär mit den Charakteren verbunden zu fühlen - vielleicht sogar mitzufiebern.

Die Geschichte um eine möglicherweise unendliche Energiequelle beginnt gleichfalls recht mager, beinahe unterdurchschnittlich. Auch hier ist es die Zeit, die etwas mehr Interesse wecken kann, sobald mehr und mehr Geheimnisse ans Licht gezerrt werden. Die Sprünge, welche die Serie dabei macht sind leider so irritierend wie sinnlos, reißen aus der Geschichte heraus und stören den Erzählfluss immens.

"Code: Realize" macht den Anschein, als sollte zu viel, ob storytechnisch relevant oder auch nicht, vom Spiel seinen Weg in den Anime finden. Letzten Endes macht es die Serie so keinem Recht, da weder das Original gut getroffen wurde, noch das Werk so eine Chance hätte, sich eigenständig zu entfalten; eine Daseinsberechtigung zu beweisen.

Der Stil macht´s

Um auf dem Weg zum Finale eine gewisse Sättigung zu garantieren, lockt der Anime mit einer wundersamen und gleichfalls interessanten Welt. Das stilistisch im Bronzeton gehaltene London verzaubert Herz und Sehnerv mit einer einfallsreichen Mischung aus industrieller Revolution, Steampunk der modernen Vorstellung und jeder Menge Liebe zum Detail.

Visuell muss sich "Code: Realize" vor niemandem verstecken, wenn auch manch eine Animation äußerst faul umgesetzt wurde. Unterm Strich gibt es hier jedoch wenig zu beanstanden. Die Hülle an guten Randeinfällen ist es am Ende, die für dieses Projekt spricht. Ist das Werk inhaltlich auch kein Überflieger, so hat es doch wenigstens fürs Auge so einiges zu bieten.

Flugmaschinen, fantastische Kleidungsstücke, Vampire, um nur einige Stichwörter zu nennen. Das alles im historisch herrlich inakuratem Stil. Abseits und natürlich auch im Anbetracht dessen, ist es halt eine Sache des eigenen Geschmacks, doch muss dieser Punkt von mir schon deswegen ein zweites Mal erwähnt werden, weil "Code: Realize" abseits davon eben wenig zu bieten hat.

Für Liebhaber des Stils, den harten Fankern des gleichnamigen Videospiels oder auch einfach nur Anime-Verrückten mit zu viel Zeit, so wie ich selbst eben auch einer bin. Wer seine Zeit jedoch lieber mit hochwertigen Produkten verbringt, die sich von der nur allzu breiten Masse abheben, ist bei "Code: Realize - Guardian of Rebirth" leider an der falschen Adresse.

Bewertung: 2/5**