Der 32. Godzilla-Film ist, man höre und staune, ein Anime, produziert von den namhaften Filmschmieden Polygon Pictures und Toho Animation. Der Auftakt zur Netflix-Trilogie geht dabei vollkommen eigene Wege, präsentiert sich gleichsam im ungewöhnlichem Look wie mit einer mutigen Herangehensweise.

Als erster Animationsfilm in diesem Franchise muss er das wohl auch, um sich einen Namen zu machen und stoische Kritiker weltweit von sich überzeugen zu können.

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Die Frage ist nur, wie sichtlich bemüht ein Werk bei einem solchen Versuch sein kann und darf.

Monster Planet - Eine Kritik

Ende des 20. Jahrhunderts wurden die Alpträume der Menschen war.

Überall auf dem Planeten Erde erschienen gigantische Bestien, welche Städte und Landschaften zerstörten. Millionen verloren ihr Leben. Unter ihnen erhebt sich auch eine mysteriöse Bestie, die von den Behörden als Godzilla bezeichnet wird.

Dieses Monster tötet alles und jeden, unabhängig ob mystische Kreatur oder Mensch. Keine menschliche Waffe konnte ihn verwunden und als selbst mehr oder weniger helfende Hände aus den Weiten des Alls nichts gegen das Ungetüm ausrichten konnten, entschied man sich zur Flucht vom blauen Planeten.

Zwanzig Jahre später, 11,9 Lichtjahre von der Erde entfernt, beginnt die neue Godzilla-Trilogie. Es konnte noch immer kein geeigneter Planet für die Überlebenden gefunden werden, die Vorräte sind am Ende, kurz: der Plan war ein Fehlschlag.

Aus der Sicht von Captain Haruo Sakaki erleben wir, wie die Menschheit zu ihrem Heimatplaneten zurückkehrt.

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Wie viel Zeit ist hier vergangen? Hat das Wesen überlebt? Und wenn ja: wie kommen wir darauf, dass wir es dieses Mal vernichten können?

Das sind die Fragen, mit welchen sich "Godzilla: Monster Planet" die meiste Zeit beschäftigt. Statt auf bloße Action und Konkurrenz zu "Pacific Rim" zu setzen, ist der Anfang dieser Filmreihe eher ruhig, bedrohlich und düster. Die pragmatische und dennoch flotte Erzählweise untermalt diesen Grundton nahezu einwandfrei.

Mit einem gewissen Gespür für die richtige Geschwindigkeit wird der Zuschauer an die Hand genommen und mit der Welt des Protagonisten vertraut gemacht. Dabei das richtige Feeling aufzubauen, war wohl der schwerste Akt in diesem Schauspiel, doch ist gerade dies wunderbar gelungen.

Schwaches Charakterdesign

Nichtsdestoweniger sind die Figuren in dieser Netflix-Produktion nicht halb so gut ausgearbeitet wie manch ein Verantwortlicher wohl gedacht zu haben scheint. Meistens in recht altbackene Klischee-Schubladen gesteckt, überrascht kein Charakter mit mehr Tiefe als in einem gewöhnlichem Actionstreifen der Marke Hollywood.

Schnell wird klar, dass diese Handlungsträger nicht eingebaut wurden, damit sich der geneigte Zuschauer mit ihnen verbunden fühlen kann, sondern viel eher als Pflastersteine auf dem Weg zu Godzilla - der unvermeidlichen Konfrontation mit ihm/ihr/es.

Tatsächlich sind es die beiden Abschnitte mit dem tierischen Antagonisten, ganz zu Beginn des Films und im letzten Viertel, die am meisten herausstechen und in Erinnerung bleiben. Der grundlegende Erzählstil mag stark sein, doch arbeiten die zweidimensionalen Figuren gegen ein möglicherweise aufkeimendes Interesse an allem, was nicht mit der Riesenechse zu tun hat.

Animation/Stil

Der stark an Cel-Shading erinnernde Look von "Godzilla: Monster Planet" hat seine Vor- und Nachteile. Weite Landschaften, große Objekte sowie Wesen ... gleichermaßen jede Art von Aufnahme aus weiter Entfernung sieht so wirklich beeindruckend aus. Außerdem wurden mit dieser Vorgehensweise viele Effekte im rechten, gefälligen Licht eingepflegt.

Was die genaue Darstellung von Details angeht ist dieser Animationsstil jedoch genauso nutzlos wie in Sachen guter Darstellung menschlicher Mimik. Leider verträgt sich diese lustlose Darbietung wunderbar mit den nun nicht nur platt entworfenen, sondern so auch dargestellten Figuren im Film.

Abseits davon ist der dargebotene Stil schlichtweg gewöhnungsbedürftig; ein Ziel, welches im Normalfall nach zehn bis fünfzehn Minuten erreicht sein sollte. Wer es schafft die auffälligen Kontrapunkte im Negativbereich zu ignorieren - oder diese gar nicht erst bemerkt - wird dafür mit einer gut ausgearbeiteten und wohl durchdachten Grundprämisse belohnt.

Fazit

"Godzilla: Monster Planet" ist ein guter, wenn auch nicht wirklich relevanter Anime. Er lässt das Godzilla-Franchise in einem neuen Licht erstrahlen, traut sich mutige, nur wenig abgenutzte Wege einzuschlagen und hat den richtigen Kurs in Sachen Storytelling. Die Ausarbeitung der Charaktere ist im Gegensatz dazu leider unterdurchschnittlich, die minimalistische Grafik der Tropfen, der manch eine Figur schwer erträglich macht.

Zwar dümpelt die Geschichte nicht vor sich hin - ganz im Gegenteil: ihr wird spannend sowie einfallsreich der Weg zum Finale geebnet -, doch hat sie unnötige Längen und manch fragwürdigen Fokus. Unterhaltender Streifen, der sich selbst leider etwas wichtiger nimmt, als die eigene Qualität überhaupt zulässt.

Bewertung: 3/5***