Drei Werbetafeln tief im Süden der USA – abgeblätterte Farbe, ein Mosaik aus verschiedenen, längst vergangenen Reklamen. Ein paar Tage später glänzen die Tafeln und tragen neue Slogans. Allerdings nicht für ein Produkt oder eine Dienstleistung… Stattdessen steht, in großen schwarzen Buchstaben auf rotem Hintergrund: „How come, Chief Willoughby? And still now arrests? Raped while dying“. Die provokanten Wörter stammen von Mildred Hayes, die ihre Tochter verloren hat – diese wurde vergewaltigt und ermordet, der Täter aber nicht gefunden. Die Schuld der Polizei, findet Mildred und will, dass etwas passiert, egal mit welchen Konsequenzen… Das ist die Ausgangssituation des Meisterwerks "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" (ganzer Titel) von Martin McDonagh, das am Wochenende fünf „Baftas“ gewann und auch ansonsten zahlreiche Nominierungen und Auszeichnungen erhielt.

Die perfekte Gradwanderung zum Ziel

Völlig verständlich bei der grandiosen Schauspielleistung von Frances McDormand und Sam Rockwell, die Mildred und den rassistischen und gewalttätigen Polizisten Jason Dixon verkörpern und auf einem schmalen Grad von schwärzestem Humor und tiefster Traurigkeit sicher balancieren, der an McDonaghs Vorgängerfilm „7 Psychos“ erinnert. Was McDonagh in diesem Film jedoch gelingt, ist seinen derben Humor als Mittel für die Auseinandersetzung mit elementarsten Problemen einzusetzen und so unglaublich starke und bewegende Emotionen im Zuschauer auszulösen, sodass einem die Bezeichnung als Komödie nur schwer über die Lippen kommt, einen aber gerade durch das Nicht-Moralisieren zum Nachdenken bringt. Das zentrale Thema des Films ist dabei die Wut und Enttäuschung, die Hass auslöst, hervorgegangen aus den verschiedensten Situationen und Erlebnissen.

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Über allem schwebt dabei Chief Willoughby, der Chef der Polizei, der die Liebe predigt.

Die Eleganz der Wahrhaftigkeit

Symbolisiert wird der Hass in „Three Billboards“ durch eine sich aufstauende verbale und physische Gewalt, die sich so elegant aufbaut, dass sie einen zwar stets schockiert, aber nie zurückstößt. Dem Film gelingt es, dass man hinschaut – Rassismus sieht, Aggressionen, aber durch den Humor so menschlich und dadurch wahrhaftig, vermischt mit wundervollen Momenten voller Liebe, die einen zu Veränderungen animieren. Großartig hierbei eine der letzten Szenen in der Bar (grandiose Liedauswahl!), in der McDonagh seine Methode der Vorhersagbarkeit anwendet, um sie später elegant zu brechen. Eleganz beschreibt diesen Film: Das Können der Spieler, die Anwendung der vulgärsten Ausdrücke, die härtesten Schläge und die unvorhersehbarsten Wendungen in einer öden, wie wunderschönen Kulisse.

Das andere Schwarz

Schade ist einzig und allein die Rehszene, in der Mildred genau die Worte ausspricht, die man von ihrem Gesicht ablesen kann und sollte und die letzte Begegnung mit ihrer Tochter – beide Szenen reichen nicht an die Vielschichtigkeit der restlichen heran, an die Komplexität, dass man sich nie für eine Seite entscheiden kann, dass es tausend Vor- und Nachgeschichten gibt, wie im Leben auch.

Martin McDonagh hat verstanden, dass man ein Thema nie neu erzählt, sondern anders. Und dieser Film ist anders, eine andere Definition von schwarzem Humor, Schwarz in seiner momentanen Verwendung, als Zeichen der Kritik. Eine Kritik, die ankommt und hoffentlich Spuren hinterlässt. Zumindest in der Filmgeschichte.