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Am 19. Februar startet auf Netflix die hauseigene Produktion "Fullmetal Alchemist" im Programm des VoD-Senders durch. Dabei handelt es sich um eine Realverfilmung zu der gleichnamigen und äußerst erfolgreichen Manga-, sowie Animereihe.

Die Geschichte des mehr als zweistündigen Fantasyfilms wird dabei im gröbsten Rahmen eingehalten, unterscheidet sich in gewissen Bereichen jedoch so stark von der Vorlage - inhaltstechnisch wie qualitativ -, dass die Frage im Raum steht, auf welches Zielpublikum dieses Werk eigentlich ausgerichtet sein soll.

Zur Handlung

Aber beginnen wir dort, wo es sich in aller Regel am leichtesten ansetzen lässt; am Anfang.

In einer Welt, in der Alchemie sehr viel mehr bewirkt als brodelnde Kessel und sich verfärbende Ampulleninhalte, verlieren zwei Jungs ihre Mutter.

Ganz auf sich allein gestellt, vom Vater schon vor vielen Jahren verlassen, fassen sie den Entschluss, ihre Mutter mittels Alchemie zurück ins Leben zu holen. Alles was sie ihres Wissens nach dazu benötigen, sind die Materialien, die den menschlichen Körper formen.

Und etwas vom eigenen Blut, als Seelencode. Lange Rede, kurzer Sinn: ihr Unterfangen ist nicht unbedingt von Erfolg gekrönt; der ältere Bruder verliert Arm und Bein, der Jüngere seinen ganzen Körper - fortan mit der Seele an eine alte Rüstung gebunden.

Von da an versuchen die Gebrüder alles, ihre richtigen Körper zurück zu bekommen, ihre Fehler ungeschehen zu machen. Dafür wird einer von ihnen sogar zum Staatsalchemisten, einer sogenannten Puppe der Regierung.

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Doch ihnen ist alles recht, um eine Lösung zu finden.

Diese könnte sich in Form des Stein der Weisen offenbart haben, einem Werkzeug, dem es möglich ist, unabhängig des äquivalenten Tausches zu erschaffen sowie zu zerstören.

Die Kritik

Die Geschichte der Realverfilmung hält sich im gröbsten Sinn an das Original in Mangaform. Von den beiden Animeserien, die es bereits zu "Hagane no renkinjutsushi" gibt, kann das Werk von Regisseur Fumihiko also am Besten mit "Fullmetal Alchemist: Brotherhood" verglichen werden.

In beiden Fällen - hier genannter Anime und Manga - haben wir es mit einer recht umfangreichen Geschichte zu tun, die erst durch das Zusammenführen einzelner Teilchen ihre komplette, komplexe Form erhält. Dies zu bewirken kostet Manga wie Serie vergleichsweise viel Zeit, wobei hier kaum eine Sekunde/Szene vergeudet oder gar unnütz erscheint.

Im Vorfeld war also bereits klar, dass ein einzelner Film niemals die komplette Handlung abdecken könnte, die selbst der Animeserie über 50 Folgen abgerungen hat.

Folglich waren Änderungen unabdingbar.

In welcher Form diese stattgefunden haben ist jedoch bedauer-, um nicht zu sagen ärgerlich. Wichtige Figuren, die für den Fortschritt, nein, teilweise den ganzen Aufbau der Geschichte von bedeutendem Faktor waren, wurden hier auf minimale Screentime reduziert oder ganz gestrichen.

Handlungsstränge werden auf andere Figuren verladen, was zu Verzerrungen des gesamten Ablaufs führt. Muss ja nicht unbedingt bedeuten, dass dies von negativer Natur ist; im Fall von "Fullmetal Alchemist" ist dem aber leider so.

Selbst einem Neuling der Geschichte, welcher weder mit Manga noch Anime vertraut ist, dürfte schnell klar werden, welche Szenen einfach eins zu eins dem Original entliehen wurden und welche Parts wir hier mal großzügig als 'Kompromiss' bezeichnen.

Sobald die Szenerie Regisseur und Drehbuchautoren ausgeliefert war, fiel das Niveau deutlich ab. Dies maximiert sich mit jeder neuen Änderungen und dem daraus resultierenden Fortgang der Handlung. Da sich diese erst nach und nach einschleichen, wird "Fullmetal Alchemist" zu einem geteilten Film.

Die erste Hälfte des Werks hat nämlich noch durchaus Stärken als Drama, was daher kommt, dass die Änderungen zum Original hier noch von minimaler Natur sind und leicht ignoriert werden können.

Es ist sogar so, dass Fumihiko Sori ("Dragon Age - Dawn of the Seeker") einige interessante Ideen eingebracht hat, um dem Zuschauer notwendiges Hintergrundwissen zu vermitteln, ohne den Film selbst in den Leerlauf schalten zu müssen.

Nichtsdestoweniger sind bereits hier die schwachen Ideen der Produzenten Dorn und Legostein in einem. Das beginnt bei der Wahl der Schauspieler, die ihren Rollen in keinem Fall wirklich gerecht werden und selbst Neulingen der Handlung hölzern, fast lustlos erscheinen dürften.

Ein weiterer, deutlicher Kontrapunkt ist die Belieferung der Fans, ohne diese wirklich zu beachten. Optisch so nah wie möglich an der Vorlage, voll gepackt mit Dingen, die Fan und Kenner ersichten und sich darüber freuen sollen. Und doch gleichzeitig Abänderungen, die einfach nur wütend machen.

Wie zum Beispiel wichtige Charaktereigenschaften. Aus den Veränderungen hier, im Spiel mit eingehaltenen Handlungssträngen und solchen, die eigens für diesen Film entworfen wurden, entstehen Unverständlichkeiten zwischen Zuschauer und Figuren.

Handlungen werden schwer nachvollziehbar, ergeben in manchen Szenen nicht einmal ansatzweise Sinn.

Gleichsam biedert sich Soris Film solchen an, die noch keinen Kontakt mit der Materie hatten, lässt diese dann nichtsdestoweniger weitgehend im Regen stehen. Ohne das Original zu kennen ist es nämlich äußerst schwer, der Handlung gut folgen zu können.

Zu oft verlässt sich das Drehbuch darauf, dass der geneigte Zuschauer bereits weiß auf was angespielt wird.

Gefolgt von einem wilden Mischmasch aus frühen wie späten Ereignissen der originalen Handlung, die das Werk zu einem äußerst unbefriedigenden Ende führen.

CGI war auch dabei

Auf den ersten Blick sieht "Fullmetal Alchemist" visuell deutlich besser aus als die meisten anderer Vertreter gleich budgetierter Filmproduktionen. Die Rüstung von Alphonse Elric beeindruckt beispielsweise durch einen hohen Detailgrad und der Art, wie gut sich das künstliche Objekt in der 'realen' Umgebung einfügt ... sofern sie sich nicht allzu viel bewegt.

Und wenn doch, dann nur in weiter Entfernung. Ein Ratschlag, welchem das Werk weitgehend folgt. Trotz dessen sehen viele Animationen, vor allem in der Nahaufnahme, wirklich schlecht aus, erinnern an Sequenzen aus über zehn Jahre alten Videospielen.

Zum Finale werden die Schwächen im Animationsstil dadurch deutlich, dass auf Klasse statt Masse, auf Action statt Gefühl gesetzt wird. Das Budget schien an dieser Stelle aufgebraucht.

"Hagane no renkinjutsushi" hinterlässt dadurch einen deutlich schlechteren Nachgeschmack beim Abspann, als der Film eigentlich verdient hätte.

So bewegt sich Soris Werk mit Fokus auf die CGI-Arbeit irgendwo zwischen mehr als ausreichend, wirklich gut und unterirdischem Mist. Sprünge zwischen diesen Extremen finden immer wieder statt, sind letzten Endes aber auch nicht das wirkliche Problem dieses Films, sondern nur eine beiläufige Erwähnung.

Bewertung: 2/5**