Eine Insel mit zwei Bergen… und schon sieht man sie vor sich: Lummerland, und nun nicht mehr umgeben von blauer Plastikfolie wie in der wunderbaren Verfilmung der „Augsburger Puppenkiste“, sondern in der Realverfilmung des Regisseurs Dennis Gansel, die 15 Jahre in Anspruch genommen hat. Dabei das Ensemble der liebenswerten deutschen Fernsehkomödien: Henning Baum als Lukas, Anette Frier in der Rolle der Frau Waas, Uwe Ochsenknecht gibt König Alfons sein Gesicht und Christoph Maria Herbst lupft als Herr Ärmel seinen Hut.

Nun wie mag die Insel heißen…

Die Geschichte von Michael Ende ist wohlbekannt: Eines Tages gelangt in einem Paket ein kleines schwarzes Baby auf die Insel Lummerland - Jim Knopf.

Es wächst bei Frau Waas auf und Lukas der Lokomotivführer ist sein bester Freund. Der muss eines Tages jedoch die Insel verlassen, weil seine Lokomotive Emma abgeschafft werden soll. Der mittlerweile zum Jungen herangewachsene Jim begleitet ihn, denn er möchte wissen, wo er herkommt. Als sie von der verschwundenen Prinzessin Lisi hören, beginnt eine abenteuerliche Reise...

Wie eine gut geölte Maschine

Der Film bleibt dicht beim Buch und gibt den Figuren liebliche Gesichter, der 13 jährige und englischsprachige Solomon Gordon und Henning Baum funktionieren auf rührende Weise als Team aus dem gescheiten Jim und dem stämmigen Lukas, der das Herz am rechten Fleck trägt. Henning Baum als bekanntes Gesicht fügt sich hervorragend in die populäre Rolle ein und gibt ihr doch neue Nuancen-vereint das Burschikose mit dem Herzlichen, sodass ein Ton auf Augenhöhe zwischen den beiden Hauptfiguren entsteht, die auf ihrer Reise jedes Hindernis meistern.

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Die Hindernisse an sich sind jedoch innerhalb des Films etwas zu gehäuft, auf jeder Etappe der Reise passiert etwas schrecklich Aufregendes, das sich innerhalb weniger Sekunden löst, als erwachsener Zuschauer nach einer Weile etwas amüsierend, jedoch eher der Geschichte an sich als der Umsetzung geschuldet.

Auf der Strecke geblieben

Die Umsetzung der Romanvorlage ist sehr detailtreu und der Film schafft bunte Bilder von dem Kaiserreich Mandala mit seinen Kindeskindern und Haarzählern oder den Macken der Lummerland Bewohner. Was der Film leider nicht ganz schafft ist durch diese zahlreichen Details an einen Witz heranzukommen, der Kinder wie Erwachsene mitnimmt. Die Macken beispielsweise wirken nicht absurd und als lebensnahe Parodie, sondern manchmal gar ein bisschen hölzern, wie die königlichen Portraits mit Uwe Ochsenknechts Gesicht auf jedem, egal ob Mann oder Frau, oder König Alfons Sprachfehler. Herrlich ist hier der von Michael Bulls Herbig gesprochene Halbdrache Nepomuk, der den Witz versprüht, von dem der Film ein Fünkchen mehr vertragen hätte.

Jeder sollte einmal reisen in das schöne Lummerland!

Denn zu erzählen hat Endes Geschichte einiges über Heimat, Hautfarben, Hilfsbereitschaft und Mut, Themen, die sich mit Humor noch leichter transportieren lassen, denn man merkt, dass Dennis Gansel viel vermitteln will, was jedoch schnell zu schwer werden kann bei einem Kinderfilm, in dessen Geschichte sowieso ständig Probleme auftreten. Doch der Film schafft es, durch seine Lieblichkeit und schönen Bilder nicht zu schwer zu werden. Sie hätten mit einem mehr zwinkernden Blick auf Lummerland blicken können, doch insgesamt fährt die Verfilmung auf sicheren und geraden Schienen mit der vielseits geliebten Geschichte und sorgt dafür, dass zur altbekannten Melodie die Insel mit den zwei Bergen vor unserem inneren Auge auftaucht und Jung und Alt und Alt vergnügt.