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Ab dem 30. März 2018 veröffentlicht Nipponart die klassische Liebesgeschichte "Kare Kano" neu, erstmals als Komplettbox auf fünf DVD´s im Digipack. Doch Tatsache ist, dass dieser Anime heute kaum noch jemandem bekannt ist; außer den harten Fans der Stunde. Grund genug, sich den Shoujo-Anime im School-Setting noch einmal zur Brust zu nehmen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht das äußerst beliebte Schulmädchen Yukino. Immer perfekt für den Schultag hergerichtet, schlau und mit quasi jedem beliebten Schüler der Einrichtung befreundet. Was jedoch kaum jemand weiß: ihr gesamtes Auftreten ist eigentlich nur Fassade.

Yukino ist voller Unsicherheiten, befürchtet, wenn die Mitschüler ihren wahren Charakter entdecken, würde ihre Beliebtheit sinken, ihr Leben zu einem Gefängnis der Einsamkeit werden.

So ist ihr der neue Schüler, Arima, anfangs ein Dorn im Auge. Der junge Mann sieht ebenfalls gut aus, hat hervorragende Noten, Charisma und ist schon bald der neue Star an der Schulspitze.

Doch es kommt, wie es in diesem Genre halt kommen muss. Die beiden sprechen sich aus, blicken hinter die Maske des jeweils anderen und kommen sich näher. Eine erste, zarte Romanze bahnt sich an, die voller Witz, liebevoll ausgearbeiteten Charakteren und einer feinfühligen Geschichte besteht.

Die Kritik

Die Zielgruppe ist klar? Wer nicht auf den altertümlichen Zeichenstil steht ("Kare Kano" ist aus dem Jahr 1998) oder mit dem Genre voller Herzschmerz nichts anfangen kann, darf sich die nächsten Absätze gerne schenken. Denn ohne diese Voraussetzungen bedeuten mein Pro- und Kontra-Argumente herzlich wenig.

Die Shoujo-Thematik wurde von Altmeister Hideaki Anno (führt bis Folge 18 Regie) ziemlich feinfühlig umgesetzt. Dramatik und Situationskomik der recht übertriebenen Sorte wurden hier geschickt miteinander verflochten. Dabei bleiben die Hauptfiguren spannend, ohne zu sehr in Klischees abzudriften.

Die ungewöhnlichen Eigenschaften der Protagonisten reißen aus dem Gefühl, realer Liebelei zu folgen, natürlich raus, gehören nichtsdestoweniger zu den Zutaten, die "Kare Kano" seinen Charme verleihen.

Bei den Nebenfiguren sieht die Sache ähnlich interessant aus. Obwohl diese Sub Storys deutlich weniger im Fokus stehen, wird den hier dargebotenen Charakteren genug Freiraum gelassen, um sich zu entfalten, Interesse seitens des Zuschauers aufzubauen.

Bei diesem Interesse bleibt es allerdings auch, da im Gegensatz zur Mangavorlage viele der Nebengeschichten ihren Weg nicht in den Anime gefunden haben.

Des Weiteren hören die Lobgesänge generell nach Folge 18 in gewissen Rahmen auf. Ab hier übernimmt Regisseur Kazuya Tsurumaki, welchem es deutlich schlechter gelingt, die Dramatik der Serie mit dem nötigen Feingefühl, vor allen Dingen jedoch der erforderlichen Tiefe zu dirigieren.

Den humoristischen Aspekt hält er zwar ähnlich gut auf hohem Niveau, wie es Kollege Hideaki Anno getan hat, abseits davon fällt es Tsurumaki jedoch sichtlich schwer, sein eigenes Werk und die damit verbundenen Kernaussage richtig zu fassen zu bekommen.

Zusätzlich darf meiner Meinung nach behauptet werden, dass das Finale der Serie dem hervorragenden Start sowie Mittelteil nur spärlich, aus gewisser Sicht vielleicht sogar gar nicht gerecht wird. Hier liegt das Problem ebenfalls an den enormen Abweichungen zum Manga, welcher deutlich länger geht und viel mehr Fragen beantwortet.

Die Animeumsetzung lässt uns nach circa zwei Dritteln ratlos zurück, bricht quasi mitten im Geschehen ab. Machen andere Serien auch, keine Frage. Jedoch stehen hier am Ende zu viele Fragen noch offen im Raum, die Befriedigung des Zuschauers mit einem nicht gewollten Cliffhanger zum Sterben zurückgelassen.

Der bereits als spärlich zu bezeichnende Zeichenstil verschlechtert sich zudem, was einen unangenehmen Geschmack auf der Zunge der Erinnerung hinterlässt, sobald das Werk zum Abschluss gebracht wurde.

Ein weiteres Kontra-Argument dürften die vielen, recht an den Nerven zerrenden Rückblenden darstellen, welche bei weiten mehr Zeit in Anspruch nehmen, als für den sauberen Erzählfluss der Geschichte ratsam gewesen wäre.

Beschwichtigend darf hier vielleicht trotzdem der Zeigefinger erhoben werden, bleibt der Erzählstil abseits dieser Missetat äußerst stimmig sowie gut gelungen. Eine ruhige, doch lebensfrohe Art, die Ereignisse darzustellen.

Der Zeichenstil

Ist die Geschichte des Anime [VIDEO] noch deutlich von dem Kontrast zwischen hervorragendem Erzählfluss und spartanischem Ende geprägt, ist der Zeichenstil gleich eine ganz andere Sache. Dieser ist durchgehend qualitativ unteres Mittelmaß, mit einigen schmerzhaften Abstürzen in noch tiefere Gefilden.

Der Zeichenstil ändert sich teilweise im Sekundentakt. In der einen Minute klare und deutliche Animationen, im nächsten Augenblick ein wildes Geschmiere aus Strichen und Farbklecksen. Das angestrebte Ziel ist die richtige Untermalung visueller Natur im gefühlstechnisch passendem Moment.

Wirklich funktionieren tut dies nur leider nicht, wirken die Szenen mit weniger Details einfach nur schlecht. Nicht so sehr, dass die Geschichte stark darunter zu leiden hätte oder Freunde der Erzählung dadurch die Sichtung von "Kare Kano" stoppen.

Doch in einem Rahmen, dass schon ein gehöriges Fanherz, zwei zugedrückte Augen oder auch pure Liebe zu genau dieser Art der Darstellung vorhanden sein muss, um das Gezeigte wirklich genießen zu können.

Fazit

Lässt man den äußerst fragwürdigen, nichtsdestoweniger billigen Zeichenstil einmal beiseite, bietet "Kare Kano" gut inszenierte, gefühlvolle Episoden mit viel Humor und dem Herz am rechten Fleck. Schön ausgearbeitete Figuren, die interessanter sind, als die erste Episode vermuten lässt.

Wer sich für das Werk interessiert sollte sich lediglich darüber im Klaren sein, dass es kein zufriedenstellendes Ende gibt, die Qualität der Serie sogar zum Ende hin immer stärker abfällt.

Bewertung: 3/5