Fans des Superhelden-Genre [VIDEO] haben dem Schauspieler Ryan Reynolds und seinen dauerhaften Bemühungen, "Deadpool" Wirklichkeit werden zu lassen, eine Menge zu verdanken.

Nicht nur haben wir so einen der interessantesten Filme seit Jahrzehnten in diesem Bereich erhalten, nein, zusätzlich hat das Werk von Regisseur Tim Miller eine ganze Welle aus ähnlich gestrickten Werken losgetreten.

Wer weiß, ob wir sonst in absehbarer Zeit mit einem Remake von "Spawn" hätten rechnen dürfen oder Serien wie "Happy", wie sie aktuell auf Netflix zu sehen ist, je realisiert worden wären.

Entsprechend hoch sind natürlich die Erwartungen an Teil 2, gleichwertig dürfte der Druck, unter welchem der neue Regisseur, David Leitch, zu arbeiten hatte, gigantisch gewesen sein.

Und da das Produktionsstudio nicht wirklich hinter dem Erfolg seines eigenen Werks stand, mussten zusätzlich viele Kompromisse eingegangen werden ...

Die Kritik

All diese Dinge haben sich am Ende negativ auf "Deadpool 2" ausgewirkt; ein Film, der eigentlich nicht viel verkehrt macht, doch gleichsam keine Chance hat, in geschichtlicher Zukunft mehr zu sein, als der Schatten seines Vorgängers.

Das Hauptproblem liegt erst einmal daran, dass Leitchs Werk sich nicht viel traut. Klar, Blut spritzt, anzügliche Witze schleudern im Dauertakt durch den Raum und die Worte und Taten des Protagonisten sind politisch so wunderbar inkorrekt wie im Vorgänger.

Doch abseits davon, folgt "Deadpool 2" strikt den Vorgaben, die laut Analysen der schlauen Köpfe zum großen Erfolg seines Vorgängers geführt haben.

Böse Zungen könnten sogar behaupten, wir bekommen hier den gleichen Film nochmal.

Was leider - und ich sage bewusst 'leider', denn an sich hat mir der Film durchaus gefallen - nicht ganz der Wahrheit entspricht, ist Teil 2 doch in gewisser Weise sogar schwächer. Und das in fast allen Belangen.

Die meisten Figuren, Josh Brolins Rolle bildet hier die erfreuliche Ausnahme, bleiben zweidimensional und haben keinerlei Charakterentwicklung erfahren. Weder zwischen den beiden Teilen, noch im nun kommenden Film selbst.

Sie werden auf das beschränkt, was sie von vornherein waren und sind. Hier und dort mit einer neuen, kleinen Anekdote versehen, abseits davon jedoch Mittel zum Zweck. Und dieser besteht darin, den Erfolg von "Deadpool", aus dem Jahr 2016, zu kopieren.

Gleichzeitig ist der Erzählstil ebenfalls um einiges schwächer. Aufbau und geschickte Verflechtung einzelner Bausteine musste für weitere Gags und unterhaltsame Nummern weichen. Nun folgt "Deadpool 2" einem schmaleren Grad der Darstellung, ist dafür jedoch mit noch etwas mehr Humor versehen.

Vielleicht ist dies ja auch der richtige Weg, um ein breiteres Zielpublikum erreichen zu können. Kalt wie Eisen betrachtet macht es den Film nur leider zu einem schwächeren Darsteller seiner Zunft. Etwas mehr Handlung hätte durchaus gut getan. Wer die Armut des ersten Teils in diesem Bereich anerkennt, kann sich vorstellen, was dies für die Fortsetzung bedeuten muss.

Stattdessen wird sich oftmals darauf ausgeruht, dass Deadpool selbst ja eh gerne die Vierte Wand durchbricht und sich durchaus im Klaren darüber ist, dass sein eigener Film nicht sonderlich gut durchdacht wurde. Witze über die eigenen Unzulänglichkeiten haben zwar durchaus etwas für sich, sollten aber nicht als Entschuldigung für jeden einzelnen Fehltritt herhalten müssen.

Hinzu kommt, dass das Verhalten des Antihelden selbst mittlerweile stärker vorhersehbar scheint. Da auch er sich kein bisschen entwickelt hat, wird seine einst undurchschaubare Art und Weise, Sprüche, Gags und Flüche im Dauertakt zu verteilen, zu einer Persiflage auf sich selbst.

CGI und Optik

Optisch schick in Szene gesetzt, mit vielen Einstellungen, die mehr oder weniger als ungewöhnlich bezeichnet werden dürfen. Kameramann und Regisseur beweisen auf jeden Fall das richtige Gespür dafür, den Zuschauer auch auf visueller Ebene zu unterhalten.

Die Action kommt natürlich nicht zu kurz, erlaubt beinahe keine Leerläufe, weswegen der zweistündige Film deutlich schneller vorbei zu sein scheint. Abzüge gibt es lediglich für einige wenige Szenen.

Manch rasante Sequenz wirkt, als wäre den Beteiligten das Budget ausgegangen, humpelt dem eigentlich hochwertig in Szene gesetzten Abenteuer meilenweit hinterher. Gerade weil die künstlich eingefügten Objekte/Charaktere [VIDEO] sich fast perfekt in den Film eingliedern, fallen diese Ausreißer um so deutlicher auf.

Fazit

"Deadpool 2" versucht zu verzweifelt, dem Erfolg des Vorgängers nachzueifern, hat sich seit dem jedoch kaum bis gar nicht entwickelt. Dadurch, dass auch Hauptfigur Wade Wilson, aka. Deadpool, keine charakterliche wie psychische Veränderung erlebt hat, ist seine Art, sein Humor deutlich vorhersehbarer, dadurch weniger spektakulär unterhaltsam.

Stilsicher inszeniert, nichtsdestoweniger zu versessen darauf, die einstige Erfolgsformel abermals brauen zu können. Für Fans des Söldners mit der losen Klappe trotz allem immer noch ein großer Spaß.

Bewertung: 3/5***

"Deadpool 2" läuft ab dem 17.05.2018 in den deutschen Kinos an.