"Mein Körper ist definierter als von Ausschwitzinsassen" - mit dieser Zeile lösten die Rapper Kollegah und Farid Bang eine Welle der Empörung aus, die kein Ende zu finden scheint. Während Kritiker absolut kein Verständnis für diese und weitere Zeilen zu haben scheinen, zeigen sich die Rapper unbeeindruckt und werden von Kollegen wie Bushido gar unterstützt, dies sei ein Teil der Kunstfreiheit, so der 1978 geborene Gangster-Rapper, der bürgerlich Anis Ferchichi heißt. Währenddessen wird zwischen beiden Lagern sehr hitzig diskutiert und keine Seite scheint die andere so richtig verstehen zu wollen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Laut der Staatsanwaltschaft sind im Zuge der umstrittenen Textzeilen nun sogar Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf eingegangen und gegen die Künstler wird wegen Volksverhetzung gemäß §130 StGB ermittelt.

Dabei wird nicht nur die konkret umstrittene Zeile unter die Lupe genommen, sondern mehrere Songs der beiden Rapper, die musikalisch und auch sonst gerne mal über die Stränge schlagen.

Bushido bei Maischberger

Gleichermaßen Diskussionsstoff war die zuvor genannte Zeile auch bei Maischberger, der Rapper Bushido äußerte sich auch zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und erklärte, dass Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in seinem Fall im Sande verliefen und man nicht zu viel interpretieren solle, wenn Ermittlungen laufen würden.

Auch sonst kamen die Parteien hinsichtlich der umstrittenen Zeilen zu keinem gemeinsamen Nenner. Bushido pochte letztendlich darauf, dass das Rap-Genre in der Öffentlichkeit auf zu viel Missverständnis stoße, da Kritiker sich nicht ausreichend mit der Rap-Kultur beschäftigen und sie somit nicht verstehen würden, Anabelle Mandeng äußerte hingegen, dass Kinder die Fiktion in den Rap-Texten nicht von der Realität trennen könnten.

Kollegah & Farid Bang legen nach

Derweil zeigen sich Kollegah & Farid Bang unbeeindruckt von der Diskussion um ihre Textzeilen und legen sogar nach: Am 3. Mai 2018 wurde ein Song mit dem Titel "Sturmmaske auf RMX" veröffentlicht, dort heißt es unter anderem: "Wenn ich dich Zeitung aufschlage, dann lese ich von einem Skandal, bei dem jeder über mich redet, aber keiner mich fragt" oder "Nur Boykotte und Zensur, keiner, der hinter uns steht". Im weiteren Verlauf rappt Farid Bang "Hau den Nazi und Ehemann von Carmen zum Pflegefall". Hintergrund dieser Zeile ist der Streit zwischen den Geissens und Farid Bang, bei dem Robert Geiss und Farid Bang sich unter anderem auf persönlicher Ebene angegriffen haben.

Fazit

Letztendlich scheint keine Seite wirklich nachgeben zu wollen, zwar entschuldigte Farid Bang sich öffentlich bei einer Holocaust-Überlebenden und kündigte eine Zusammenarbeit mit dem Zentralrat der Juden an einer KZ-Gedenkstätte an, aber die Diskussion scheint kein Ende zu nehmen: Konstruktive Diskussionen sehen anders aus. Durch ihren letzten Rap-Text schlagen beide Rapper zwar wieder über die Stränge, aber machen auch deutlich, dass sie sich missverstanden fühlen und man inzwischen nicht mit ihnen, sondern über sie redet. Es ist unumstritten, dass eine Verhöhnung von Holocaust-Insassen moralisch absolut untragbar und falsch ist, das aktuelle Diskussionsklima regt jedoch nicht zur Lösung des Problems an und wird in der Öffentlichkeit eher einseitig geführt. Ob dies bei der Bekämpfung von Rassismus und Antisemitismus helfen wird, ist fraglich.