Nicht schon wieder ein Zombiefilm, denkt man sich bei dem Titel "Cargo" auf Netflix. Der Film handelt zunächst wie häufig üblich von einem Virus, der die Menschen hinraffte. Eine Familie kämpft ums Überleben. Hat man alles schon gesehen. Hat man? Eben nicht. "Cargo" geht einen völlig anderen Weg. Der Film ist düster, aber durch seine zwei Protagonisten so liebevoll - und erst zum Ende hin grausam. Das macht den Streifen des Streamingdienstes so unfassbar fesselnd.

Es bleiben nur 48 Stunden

Der Plott ist schnell erzählt: Ein Virus hat viele Menschen in Australien verwandelt. Wer überlebte, flüchtet in Lager oder auf ein Floßboot, wie die Familie in "Cargo".

Wenn man gebissen wird, bleibt einem nur noch 48 Stunden. Wenn man jedoch zu stark blutet, bricht der Zombievirus sofort aus. So geschehen auch bei der Familie des Films. Die Frau wurde durch einen unglücklichen Zufall von einem Zombie gebissen. Nach einem Verkehrsunfall mit schwerer Verletzung wird sie sofort zum Zombie und beißt nun den Vater, gespielt von einem brillanten Martin Freeman (bekannt aus "Der Hobbit"). Nun bleiben dem Vater nur noch 48 Stunden, um für Tochter Rosie hoffentlich Menschen zu finden, die sie aufnehmen können.

Rosie riecht ihre tote Mutter

Und hier beginnt der traurige und ungewöhnliche Teil des Zombiefilms. Weit über eine Stunde begleitet "Cargo" seine Protagonisten auf eine verzweifelte Suche, wo man nicht nur auf Gutmenschen trifft. Dem Film gelingt es dabei, den Zuschauer derart zu berühren.

Das fängt bei Kleinigkeiten an. Rosie, das einjährige Mädchen, schreit viel, findet kaum Ruhe. Der Vater sprüht Parfum der Mutter, welches er noch hatte, an sich heran. Das Kleinkind schaut, erinnert sich an den Duft ihrer bereits toten Mutter. Absurd und doch so fürsorglich sind Szenen wie diese, wo der Papa das Kind mit Blick in die Kamera stellt. Danach sieht man verschwommen im Hintergrund, wie der Vater Zombies töten muss. Rosie sollte das nicht mit ansehen.

Dramatisches Ende mit SPOILER

"Cargo" spart bewusst explizite Gewaltszenen aus und deutet das Drama immer nur an. Das erklärt auch die Altersfreigabe ab 16 Jahren. Rosie wird häufig weinend gezeigt. Das zerrt an den Nerven der Zuschauer. Traurig werden die letzten Szenen des Films, wo sich der Vater blutdurstig von seiner Tochter Rosie verabschiedet. Was dann passiert, wollen wir euch nicht verraten. Nur soviel: "Cargo" bleibt bis zur letzten Minute großes Kino. Und es ist nicht schlimm, dass dabei selbst dem härtesten Horrorfan die Tränen kommen. "Cargo" ist einer der ungewöhnlichsten Horrorfilme, bei dem die kleine Rosie den Zuschauer bis zur letzten Szene tief berührt. Wer allerdings Splatter und untote Fressmaschinen erwartet, für den ist der Film nichts. Der Rest sollte unbedingt Taschentücher bereit halten.

"Cargo", ab sofort auf Netflix. Altersfreigabe ab 16 Jahren