Der Unberechenbare Kinski

Wer Klaus Kinski als Interviewpartner hatte, wusste nie wie das Gespräch ausging. Je nach Gefühlsschwankungen konnte seine Laune von einer Sekunde auf die andere in regelrechte Wutausbrüche umschlagen. Dann haute er Beleidigungen heraus, die sogar unter die Gürtellinie gingen. Vielleicht schalteten die Leute auch gerade deswegen den Fernseher ein, wenn der Namen Kinski auf der Gästeliste einer Live-Fernsehsendung stand.

Legendär war auch der Ausraster bei den Dreharbeiten zum Film „Fitzcarraldo“, der aufgezeichnet wurde und somit der Nachwelt erhalten blieb. Die Auseinandersetzungen beim Dreh waren so heftig, dass Indios Werner Herzog anboten, Kinski zu töten, wie der Regisseur später bei einem Fernsehinterview erzählte.

Zwischen Kinski und Herzog kam es oft zu Reibereien und ihre Beziehung entwickelte sich durch ihre gemeinsamen Arbeiten zu einer Art Hass-Liebe. Viele die ihn so erlebten, auch in seinem privaten Umfeld, werden nur wenige Differenzen zwischen privaten Verhalten und seinem schauspielerischen Auftreten einiger seiner Rollen bemerkt haben.

Der Werdegang

Klaus Kinski wurde als Klaus Günter Karl Nakszynski 1926 in der Freien Stadt Danzig geboren und starb 1991 in Kalifornien. Er sprach immer von einer entbehrungsreichen Kindheit in einer armen Familie, woran sich seine Geschwister allerdings nicht erinnern können, die als Kinder des Apothekers Bruno Nakszynski in einer gutbürgerlichen Umgebung aufwuchsen. Im Zweiten Weltkrieg geriet er an der Westfront in britischer Kriegsgefangenschaft. Im Kriegsgefangenenlager schnupperte er das erste Mal Theaterluft und stand in dem Stück „Pech und Schwefel“ auf der Bühne.

Nach seiner Freilassung suchte er sogleich die Nähe zum Theater und der Schauspielerei. Obwohl er keine klassische Schauspielausbildung genoss, bekam er die Chance an einigen Theatern zu spielen. Als er nach einem seiner Wutausbrüche , bei dem einiges zu Bruch ging, entlassen wurde, besuchte er die Schauspielschule. Seine erste Filmrolle erhielt er in „Morituri“. Gedreht wurde der Film zwischen September 1947 und Januar 1948.

Später wurde er zur eigenen Rolle und rezitierte auf kleinen Bühnen um 1960 Texte von Nietzsche, Tucholsky und aus dem Neuen Testament. Zu einem späteren Zeitpunkt wurden auch Werke von Brecht, Schiller und Goethe auf Sprechplatten aufgenommen. Einen großen Erfolg verzeichnete Kinski durch die Edgar-Wallace-Filme. Auch in einer Nebenrolle in „Doktor Schiwago“ konnte er 1965 überzeugen. Skandalös wurde der Auftritt als Jesus-Rezitator mit dem Titel „Jesus Christus Erlöser“. Nach einem Wortgefechten mit dem Publikum wurde die geplante Tournee abgeblasen. Da Kinski trotz seiner schwierigen Persönlichkeit als Schauspieler überzeugte, wurde ihm immer wieder Filmrollen angeboten, die ihn auch zum internationalen Durchbruch verhalfen.

Klaus Kinski starb 1991 im Alter von 65 Jahren an einem Herzproblem.

Kinski – Jeder sah ihn anders

Kinski schien eine Persönlichkeitsspaltung gehabt zu haben. Während ihn einige als einfühlsam beschrieben, sahen ihn andere als Tyrann. Sein Sohn Nikolai Kinski erzählte in einem Interview, dass sein Vater ein sehr sanfter Mensch war, der in seinem Beisein niemals ausfallend wurde. Dagegen erhebt seine Tochter Pola Kinski in ihrem Buch „Kindermund“ schwere Vorwürfe gegen ihren Vater wegen sexuellen Missbrauchs. Bis zu ihrem 19. Lebensjahr soll sie Opfer der Übergriffe ihres Vaters gewesen sein.

Als Schauspieler hat er seinem Publikum eine gute Arbeit präsentiert. Wie er als Mensch war, können nur die Personen in seinem engsten Umkreis beantworten.