Mit "Ant-Man and the Wasp" startet am 26. Juli der letzte Film des Marvel Cinematic Universe in den deutschen Kinos. Die Regie übernimmt dabei, genau wie im ersten Teil, Peyton Reed ("Ant-Man", "Der Ja-Sager", "Girls United").

Der US-amerikanische Regisseur überrascht im Zusammenspiel mit einem fünf-köpfigen Autorenteam mit frischen Ansätzen, gelungenem Erzählstil und interessanten Wendungen.

Zur Handlung

Nach den Ereignissen in "Captain America: Civil War" hat Scott Lang, gespielt von Paul Rudd ("Vielleicht lieber morgen", "Gottes Werk und Teufels Beitrag", "Anchorman"), erst einmal Ärger mit der Regierung bekommen.

Dafür, dass er den Captain in Deutschland unterstützte, wurde der ehemalige Kleinkriminelle zu zwei Jahren Hausarrest verurteilt.

Fast täglich durchsuchen Agenten sein Haus, auf der Suche nach Scotts Mentor, Dr. Hank Pym (Michael Douglas).

Von ihm und Tochter Hope (Evangeline Lilly) fehlt jedoch jede Spur. Erst als Scott sich in einer Art Vision an die Ereignisse im Mikrokosmus erinnert, nimmt der originale Ant-Man Kontakt zu ihm auf.

Dieser ist nämlich davon überzeugt, dass seine Frau, Janet Vyn Dyne (Michelle Pfeiffer), noch immer am Leben ist, irgendwie gerettet werden kann. Auf der Suche nach einer Lösung stellen sich dem Trio dabei neue Widersacher in den Weg ...

Zur Kritik

Der Dreh- und Angelpunkt in "Ant-Man and the Wasp" besteht aus seinem Humor. Glücklicherweise ist dies auch die größte Stärke des Films. In allen Bereichen, welche die Lachmuskeln kitzeln sollen, bewegt sich Reeds Werk auf selbstsicherem und clever zu Nutze gemachtem Terrain.

Sei es die Situationskomik, die auf der hervorragenden Chemie zwischen den verschiedenen Figuren aufbaut. Oder auch selbstironische Anspielung auf Charaktere und Handlungsdetails, geschickt als Ablenkung von Logiklöchern im Drehbuch platziert.

Zwar ist es in gewissen Szenen nur mit einem zugedrückten Auge möglich, den vielen technischen Nonsens zu ignorieren, welcher stets dann Pate stehen muss, wenn etwas erklärt wird, doch gleicht der Witz des Films diesen Umstand gekonnt aus.

Generell überrascht "Ant-Man and the Wasp" mit einer Vielzahl an guten Ideen, die eingebaute Wendungen deutlich weniger vorhersehbar gestalten. Die Ausnahme bildet hier der Spaß mit den sich verändernden Größen.

Das dürfte letztendlich kaum eine Überraschung sein, ebenso wenig die Tatsache, dass solche Gags eine Menge der Screentime einnehmen. Schließlich braucht jede(r) Held(in) etwas, das seine/ihre Filme einmalig macht.

Der Bösewicht

Neben den genannten Punkten besticht "Ant-Man and the Wasp" jedoch vor allen Dingen noch im Spiel mit dem eigenen Antagonisten.

Streng genommen gibt es diesen nämlich nicht.

Der Film von Peyton Reed setzt stattdessen auf eine Ansammlung von Stolpersteinen, welche in den verschiedensten Formen auftreten und nur gemeinsam eine richtige Gefahr für die Helden darstellen.

So ist die Superschurkin [VIDEO] Ghost (Hannah-John-Kamen) zwar ein harter Brocken im Zweikampf, dafür jedoch kein echter Bösewicht. Gangster Sonny Burch (Walton Goggins) hingegen deckt den Part des Fieslings, stellt andererseits aber auch die geringste Gefahr dar.

Dann ist da noch der neue Prototyp des Ant-Man-Anzugs. Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass dieser der stärkste Widersacher von Scott ist ... Wo andere Superheldenfilme in der Vergangenheit oft bewiesen, dass ein ordentlicher Antagonist unersetzlich ist, beweist "Ant-Man 2" das Gegenteil.

Dank gutem Erzählstil, ausdrucksstarken Figuren und pfiffigen Wendungen, fällt dieser Umstand nicht einmal auf. Es ist eher so, dass der Film davon profitiert und Plot Twists noch ein wenig unvorhersehbarer gestaltet.

Aus technischer Sicht

In Sachen visueller Darstellung lassen sich kaum bis keine negativen Worte finden. Für kritische Menschen gibt es höchstens ein/zwei Szenen, die sauberer aussehen könnten. Abseits davon gleicht der Film einem Rausch für die Sehnerven. Wie bereits zuvor, beherbergt "Ant-Man and the Wasp" auch hier eine reichliche Ansammlung an guten Ideen.

Hiervon profitierten nicht nur die weiter oben erwähnten, humorvollen Szenerien, sondern vor allen Dingen die actiongeladenen Sequenzen. Es ist erstaunlich, mit welch scheinbarer Leichtigkeit hier Szenen aus dem Ärmel geschüttelt werden, die so nie, beziehungsweise nur selten bereits im Kino zu sehen waren.

Gleichsam ist die schauspielerische Leistung aller Beteiligten auf hohem Niveau, lässt keinen Ansatz zum Meckern übrig. Zumindest nicht für ein solches, der reinen Unterhaltung dienliches Werk.

Zum Fazit

"Ant-Man and the Wasp" ist eine Superheldenkomödie [VIDEO] erster Güte. Die Geschichte selbst befindet sich erwartungsgemäß auf Popcornkino-Niveau, alle anderen Bereiche bestechen dafür mit einer Vielzahl an frischen Ideen. Ich behaupte an dieser Stelle schamlos: Wer Teil 1 mochte, wird "Ant-Man 2" lieben.

Bewertung: 4/5****