Dieser Film lässt sogar die Dinosaurier hinter sich: Nach fünf Wochen an der Spitze der deutschen Kinocharts muss sich „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ dem Horror-Streifen "The First Purge" geschlagen geben und Platz eins abgeben. Den vierten Teil der Horrorreihe sahen am Wochenende nach Start mehr als 150.000 Cineasten. Ist der Hype um den neuen Streifen von Regisseur Gerrad McMurray gerechtfertigt? Wir finden: Nur bedingt.

Film setzt vor den Ereignissen der Vorgänger an

Als "Prequel" der ersten drei Purge-Filme entwickelt "The First Purge" die Serie weiter: Während der erste "Purge" ein Home-Invasion-Thriller war, haben seine Fortsetzungen eine stärkere Betonung auf politische Aspekte gelegt.

The First Purge geht dabei noch direkter vor, als seine Vorgänger und hat keine Berührungsängste, sich ganz explizit auf reale Ereignisse und Menschen zu beziehen; selbst das Plakat des Films referenziert überdeutlich auf die "Make America Great Again"-Mützen von US-Präsident Donald Trump.

"The First Purge" geht ins Jahr 2014 zurück, einige Jahre nachdem die US-Wirtschaft eine lähmende Rezession durchlief. Da die demokratischen und republikanischen Parteien nicht in der Lage sind, die Dinge zu ändern, ist eine Partei namens "New Founding Fathers of America" (NFFA) an die Macht gekommen und hat seitdem ein höchst umstrittenes "Experiment" vorgeschlagen, das auf den Theorien von Dr. May Updale (Marisa Tomei) basiert: alle Verbrechen für einen Zeitraum von 12 Stunden legalisieren, um es Zivilisten zu ermöglichen, sich von ihrem Ärger und Stress zu "reinigen".

Nachdem die NFFA die öffentliche Zustimmung für diesen Plan erhalten hat, wählt sie den Bundesstaat "Staten Island", der von einem geringen Einkommensniveau geplagt ist, als Schauplatz für die erste Purge Night.

Doch als die Purge Night beginnt, wird schnell klar, dass die meisten Bürger dem Plan der US-Regierung sehr misstrauisch gegenüberstehen und wenig Lust verspüren, sich selbst zu "säubern". Die NFFA weiß, dass ein Scheitern keine Option ist, wenn sie die Macht im Griff behalten wollen. Es dauert daher nicht lange, bis alle, vom jungen Isaiah (Joivan Wade) und seiner Schwester Nya (Lex Scott Davis) bis hin zu Nya's Ex-Freund Dmitri (Y'Lan Noel), um ihr Leben kämpfen müssen.

Geschrieben von James DeMonaco, lässt sich "The First Purge" von seinem Genre-Ursprung am ehesten als "Survive-the-Night-Thriller" bezeichnen. DeMonaco strebt dabei nicht danach, das Rad neu zu erfinden, sondern bleibt bei seiner vertrauten Mischung aus Charakterdrama, blutiger Horrorgewalt und klaren sozialen Kommentaren.

Der Film ist sicherlich etwas einfacher und direkter in der Art und Weise, wie er politische Referenzen einbaut, aber der Film ist dabei nicht geschickter in der Art und Weise, wie er diese Kommentare mit Horror/Thriller-Unterhaltung verwebt:

Die Handlung und die Charaktere von The First Purge bleiben zumeist sehr oberflächlich. Die meisten Helden des Films sind statisch und ohne Tiefe gezeichnet. Ebenso sind die Bösewichte größtenteils überzeichnet, sei es Patch Darragh als NFFA Stabschef oder Rotimi Paul als "Skeletor". Sie erfüllen ihren Zweck im Film, aber es ist schwierig, eine wirkliche emotionale Bindung aufzubauen, da sie im Laufe der Geschichte dem blutigen Spektakel zunehmend untergeordnet werden.

Eine gute Fortsetzung - aber kein Meisterwerk

The First Purge ist in dieser Beziehung seinen Vorgängern ähnlich, auch wenn ein neuer Regisseur in Gerard McMurray das Sagen hat, und nicht DeMonaco. Am Ende des Tages hat The First Purge das gleiche grundlegende Problem wie die drei vorangegangenen Purge-Filme - nämlich, dass er selbst nicht clever genug ist, das Potenzial seiner Prämisse zu realisieren. Während der Mut des Filmes, sich großer Themen anzunehmen, Anerkennung verdient, muss man feststellen, dass die Verknüpfung mit Horror-Elementen nicht geeignet ist, wirklich Antwort auf diese Fragen zu liefern.

Aus diesen Gründen ist “The First Purge” nur eine bedingt empfehlenswerte Fortsetzung der Serie. Durch seinen Prequel-Charakter kann er aber insbesondere Kinofreunden empfohlen werden, die bisher noch nicht in die Horror-Serie eingestiegen sind. Fans, die die Vorgänger unterhaltsam fanden, werden auch in diesem Fall die Kinos nicht enttäuscht verlassen.

Die Messlatte für das Horror-Genre als solches legt der Film aber nicht höher.