Oftmals ist ein Film nur so gut wie seine Schauspieler – bei diesem Film von Thomas Stuber ist er jedoch genau wie seine Schauspieler: Große Kunst und dabei so rührend unaufdringlich, dass er einem umso mehr ans Herz geht. „In den Gängen“ gehört wie „Toni Erdmann“ zu einer neuen Art des deutschen Films [VIDEO]mit wenigen Worten, großen Bildern und grandiosen Schauspielern, die ihr Handwerk verstehen - wie Sandra Hüller und Franz Rogowski.

„In den Gängen“ beginnt mit majestätischen Klängen und tanzend wirkenden Gabelstaplern in den Gängen eines Großhandels. Und gibt so den Takt für die Welt hinter den Kassierern vor. Geradlinig, in festen Strukturen, ohne viele Worte, aber gerade in dieser Schlichtheit gefüllt mit simpler Schönheit.

Stubers Bilder beweisen ohne große Effekte und zusätzlichen Farben, dass es überall Dinge gibt, die uns begeistern oder den Atem nehmen können. Zeigt, dass wir vielleicht wieder hinschauen müssen, auf die ganz kleinen Dinge. Thomas Stuber zeigt eine Welt, für die sich möglicherweise niemand von uns interessiert und die deshalb ihre eigenen Regeln hat: Die Welt in den Gängen. Der Film öffnet die Augen, dass in jedem Beruf ein Zauber steckt und für andere Menschen Musik erklingen und Gabelstapler für uns tanzen lassen kann.

Gabelstapler, die nicht jeder fahren kann

Der Gabelstapler wird zum Symbol im Leben von Christian, der im Großhandel in der Getränkeabteilung bei Bruno anfängt und sich in Marion aus der Süßwarenabteilung verguckt. Ein Gabelstapler, den er zuerst nicht fahren kann, der zurück fährt, wenn er nach vorne möchte.

Den er gegen die Wand fährt, bis Bruno sich seiner annimmt und er unter Beifall der anderen Mitfahrer den Führerschein erlangt. Ein Gabelstapler, von dem man träumt, den nur Aufsteiger fahren dürfen. Ein Gabelstapler, auf dem er Marion gerne mitnehmen möchte, auch wenn die Beförderung anderer darauf verboten ist. Und Marion verheiratet.

Um diese drei Personen spinnt sich die Geschichte und durchläuft im Großhandelsalltag Höhen und Tiefen. Die Höhen warm wie die Südsee mit Palmen, die auf einer Tapete im Mitarbeiterzimmer klebt. Warm wie heißer Kaffee und süß wie geklauter Kuchen aus dem Mülleimer. Und tief wie dunkle Nächte in siffigen Bars, grausam wie Schläge vom Ehemann und trostlos wie die leeren Alkoholflaschen in Brunos Bauernhof. Am Ende war mir der Film zu tief, hatte sich zu sehr gestapelt mit Problemen, die nicht mehr die Normalität eines Berufes in den Gängen zeigte. Sondern sich in eine Richtung zu sehr festgefahren hatte, auch oder gerade, weil es Stück für Stück darauf hinauslief.

Kosmos Großhandel

Bildtechnisch fielen Christians Besuch bei Marion, sowie eine weitere Szene auf dem Friedhof hinaus, ich persönlich hätte es aussagekräftiger gefunden, in den Gängen zu bleiben. Denn alleine an diesem Ort kann das gesamte Leben spielen. Das ganze Leben hat Stuber in diesem Film verpackt wie die Pakete des Großhandels. Und das Leben ist bekanntlich wie eine Packung Pralinen. Man weiß nie was man kriegt. Manchmal träumt man sich hinfort, wie am Aquarium des Großhandels, dem sogenannten „Meer“ oder lacht beim weihnachtlichen Zusammensitzen am Feuer mit geklauten Würstchen. Manchmal schmerzt es, als würde einen die fallende Palette treffen, die der Gabelstapler nicht halten kann. Und manchmal, wenn man ganz genau hinsieht und hört, entstehen wunderschöne Filme und aufsteigende Gabelstapler klingen wie das Rauschen der Wellen.