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Die einstigen Anime-Nächte auf dem Free-TV-Sender VOX waren schon eine Sache für sich. In einem Moment lief ein inhaltstechnisch wie visuell höchst beeindruckendes Werk, im nächsten Augenblick ist das Gesehene kaum besser als ein Softporno. Manchmal war es sogar einer ...

Gleichsam wurden alle Spektren zwischen diesen beiden Extremen abgedeckt. Neben Klassikern wie "M.D. Geist" und ""Project A-Ko" gab es entsprechend auch die eine oder andere Folge von "AIKa" zu sehen.

Nipponart erinnert sich an die Fans der damaligen Tage und spendiert diesen nun die komplette Serie auf DVD, inklusive zehnminütiger Bonusepisode. Grund genug sich das am 29.

Juni erscheinende Werk noch einmal zu Gemüte zu führen.

Agent Aika - Eine Kritik

Für solche, die das Glück nicht geteilt haben, um ein Uhr Nachts vor dem Fernseher zu hocken, nicht zu wissen, ob sich der nächste Anime [VIDEO] lohnt oder eben nicht und jedes Mal einen Schreck zu bekommen, wenn Großmütter in den Werbepausen aggressiv verlangt haben, dass man sie anruft: hier eine kleine Zusammenfassung.

"AIKa" spielt in einer nahen Zukunft in welcher Naturkatastrophen das Bild der Welt nachhaltig verändert haben. Der steigende Meeresspiegel ließ viele Teile Japans im Wasser untergehen.

Dies ist die Zeit von speziell ausgebildeten Agenten, die sich ihren Lebensunterhalt damit verdienen, Wertgegenstände aus dem Meer zu bergen. Aika ist eine solche Agentin und zusammen mit ihrer Partnerin Rion gerät sie, in bester James-Bond-Manier, in verschiedene, höchst gefährliche Situationen.

Ich könnte jetzt behaupten, dass dabei die Action an vorderster Front steht, doch wäre dies nur die halbe Wahrheit. Gleichsam ist "AIKa" nämlich eine Pantyshot-Parade höchster Güte. Hier vergeht wortwörtlich maximal eine Minute, bevor der nächste Rock gehoben, der nächste Schlüpfer entblößt wird.

So ist es zwar nicht völlig falsch wenn ich behaupte, es würde eine große Zahl an actionlastigen Szenen geben, doch ist diese Serie vordergründig dafür bekannt - und dies völlig zurecht -, dass die Frauen hier zeigen, welchen Modegeschmack sie untenrum bevorzugen.

Die eigentlich recht komplex angesiedelte Hintergrundgeschichte hat so von der ersten Minute an keine Chance. Von einem weiß blitzenden Höschen zum nächsten gerät die Story mehr und mehr ins Hintertreffen, bis sie zu einem gewissen Zeitpunkt kaum mehr als an den Haaren herbeigezogener Bockmist ist.

Wer sich also auch nur auf das kleinste bisschen mehr als Popcornkino gefreut hat, wird hier bitterlich enttäuscht.

Der deutlich auf jüngere Jahre ausgerichtete Anime setzt stattdessen auf einige gut inszenierte Kampfszenen, eine unglaubliche Wand aus Ideen, wie der nächste Schlüpfer eingebaut werden kann, ein wenig Situationskomik, die sich aus der speziellen Chemie zwischen den Figuren ergibt.

Und einen Funken Mystery-Anteil, der aus Agentin Aika auch schon einmal eine Superheldin macht, bei der Sailor Moon vor Neid erblassen würde. Dieser Stil, wenn wir ihn denn mal so nennen möchten, zieht sich durch alle OVAs, bestimmt von vornherein den Grundton.

Wer sich also für "AIKa" entscheidet sollte schon ein Liebhaber speziell dieses Genre sein oder schlichtweg in Nostalgie zu ertrinken drohen. In diesen beiden Fällen macht das Werk von Katsuhiko Nishijima nichts falsch.

Ganz im Gegenteil, für das, was "AIKa" sein möchte, erledigt diese Serie ihren Job wirklich gut, präsentiert sich in einer gesunden Mischung aus allen Zutaten. Zwar mag die Anzahl an entblößten Schlüppis jede Norm sprengen, doch ist gerade dies der Grund, warum "AIKA" so schnell Kultstatus erreicht hat. Es sollte halt mit einer gehörigen Portion Humor genommen werden.

Letztendlich gibt es wohl keine Szene - und ich freue mich hier über jeden, der mir das Gegenteil beweisen kann - in welcher nicht mindestens eine anzügliche Situation gezeigt wird. Dabei werden all diese Shots mit einem Schulterzucken und teilweise einer ganz natürlichen Gewohnheit verarbeitet, dass es dem Zuschauer schwer fällt, "AIKa" seine geringen Moralvorstellungen vorzuwerfen.

Zusätzlich entsteht genau durch diese Art Aneinanderreihung versauter Gedanken der größte Teil an humoristischem Gold, welches dieser Anime zu bieten hat. Jedoch nicht ausschließlich.

Selbst die Kampfszenen werden mit jeder fortschreitenden Minute mehr und mehr zu einem ganz eigene Faktor in Sachen Comedy. Da jede actionlastige Einlage darauf aus ist, noch mehr Unterwäsche zu entblößen, Kleidungsstücke zu zerfetzen und tiefe Einblicke zu gewähren, laufen diese Einstellungen meist nach einem solchen Schema F ab, dass die krude Verbindung zum ungewollten Humor der 60er/70er B-Movies hergestellt werden kann.

Es ist quasi alles so schlecht, dass es schon wieder gut ist. Zumindest, wenn euer Humor am rechten Fleck sitzt und ihr die alte, europäische Kunst beherrscht, das Gehirn für längere Zeit auf Sparflamme arbeiten zu lassen.

Die OVAs sind zudem recht gut gealtert, funktioniert der Grafikstil doch selbst jetzt, zwanzig Jahre später, noch immer. Ein wenig arm im Detail und mit der einen oder auch anderen Problematik im Bereich der flüssigen Bewegungsanimationen, unterm Strich jedoch deutlich über Mittelmaß.

Wirklich und aus tiefstem Herzen kann ich mir nur in Sachen Charakterdesign beschweren. Hier wurde der Reizwäsche der Damen zuliebe nicht subtil gebastelt, sondern schlichtweg die Arbeit verweigert.

Keine Figur ist mehr als ein Abziehbild einer blöden Idee. Dies mag hier und dort nicht weiter ins Gewicht fallen, doch ist es schon fast frech, dass selbst die Protagonistin ein zweidimensionales Etwas darstellt, dessen Persönlichkeit und Charakterentwicklung einer Kartoffel gleicht.

Fazit

"AIKa" ist eine dieser Anime-Reihen, über welche nicht viel gesagt werden muss. Mögt ihr Höschen im Sekundentakt, Action, blöde Sprüche und eine Hintergrundgeschichte, die sich ganz sicher niemals in den Vordergrund drängen wird? Dann seid ihr mit diesem Werk goldrichtig. Sollte eure Antwort negativ ausgefallen sein solltet ihr euch ernsthaft fragen, warum ihr überhaupt soweit gelesen habt.

Bewertung: 2/5***