21. September 1998

Inwiefern dieser Tag für Ihr eigenes Leben wichtig ist, kann hier nicht beurteilt werden. Vielleicht haben Sie an jenem Tag etwas Denkwürdiges erlebt? Vielleicht haben Sie geheiratet, falls Sie schon etwas erfahrener sein sollten. Möglicherweise wurden Sie damals erst geboren? Wer weiß das schon? Nun, für diesen Artikel ist es eh kaum relevant.

Was immer Sie getan haben, an diesem Tag geschah etwas Außergewöhnliches. Gut, so außergewöhnlich nun wieder auch nicht, immerhin erscheinen in den USA jährlich Dutzende Serien. Doch war es im Grunde keine gewöhnliche Serie, die auf dem Sender CBS "debütierte".

Warum? Werden Sie vielleicht fragen. Denn schließlich gab und gibt es doch genug herausragende US-Sitcoms, werden Sie mitunter einwerfen. Gerade in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Was ist mit Seinfeld? Zählt doch zu den besten Sitcoms aller Zeiten. Dort war Jerry Stiller übrigens auch dabei. Friends? Oder Home-Improvement, eine der beliebtesten Serien der Dekade, nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Später, so um 2000 herum, kamen neue Formen hinzu, wie zum Beispiel Malcolm in the Middle oder Scrubs. Heute ist die Sitcom-Landschaft extrem facettenreich, und nicht alle sind sie von Chuck Lorre, dem Michael Bay der Sitcoms. Also was zur Hölle war dran an KoQ?

3121 Aberdeen Road, Queens, NY

Tja, die Adresse, die den Wohnort der Heffernans darstellt, wird Ihnen leider nicht helfen können, wenn es darum geht, die Frage nach der Besonderheit von KoQ zu beantworten.

Zumal Sie das bekannte Haus dort gar nicht finden werden, dieses steht nämlich nicht in Queens, sondern in New Jersey. Eigenartig, oder? Nun zur eigentlichen Frage.

Etwas, das die Serie mit Sicherheit ausgemacht (und geprägt) hat, sind hervorragende Darsteller und die erfahrenen Kreativen hinter den Kulissen gewesen. Einer der Schöpfer, Michael J. Weithorn, konnte bereits lange vor KoQ Erfahrungen im Sitcom-Bereich sammeln, u.a. bei Family Ties (dt. Titel: Familienbande, aus den 80ern mit einem noch etwas jüngeren Michael J. Fox). Oder was ist mit Nick Bakay? In Sabrina sprach er noch den Kater Salem, für KoQ schrieb er u.a. Drehbücher. Doch das ist nichts gegen Jerry Stiller, für viele der geheime Joker der Show. Zum Zeitpunkt der ersten Staffel war dieser schon ein "alter Hund" gewesen, verfügte über massenhaft Erfahrung in Fernsehen, Spielfilm und auf der Bühne, ein erfolgreicher Komiker. In KoQ blüht er noch einmal so richtig auf, das Zusammenspiel mit den anderen Darstellern läuft in der Tat hervorragend.

In vielen Episoden tritt seine Langzeit-Ehefrau Anne Meara auf, ebenso wie Tochter Amy und Sohn Ben. Humor dürfte bei den Stillers generell in der Familie liegen.

Der Star der Show, Kevin James, ist dennoch der Lustigste am Set, was vor allem im englischen Originalton klar wird. Auch er ist damals kein Neuling gewesen, wenn auch weitaus weniger erfahren als so manch anderer vor Ort. Er war bei Everybody loves Raymond dabei, außerdem Standup-Komiker. Und er bringt ebenfalls die Familie mit hinein. Genau: Bruder und Ehefrau. Vielleicht ist es u.a. eben jene Familienbande, die zum Erfolg beigetragen hat. Die Chemie zwischen den Mitwirkenden ist ein entscheidender Faktor, wenn es um den Erfolg einer Serie geht. KoQ bot ein äußerst starkes Kollektiv.

Anything else?

Sieht man von Darstellerwechseln, Logiklücken und ulkigen Wiederholungsfehlern ab, dann ist KoQ eine wirklich gute Sitcom geworden. Witzig ist sie auch. Wie die meisten dieser Art voller Klischees, voller Stereotype, nur allzu US-amerikanisch. Große Wagen und große Portionen. Wenn man aufpasst, springt einem überall Produktwerbung entgegen, selbst im bekannten Vorspann, ab der zweiten Staffel, zu entdecken. Darsteller verschwinden einfach so – und waren nie mehr gesehen. Doch was soll's? Ist ja nur eine Sitcom.

Von der Struktur her steht KoQ genau in der Mitte, genau auf dem schmalen Grat zwischen klassischen und modernen Sitcoms, denn hier findet man irgendwie beides. Obwohl keine altmodische Familien-Show, hat doch die Familie eine zentrale Bedeutung. Kinder tauchen nicht wie allgemein gewohnt auf, sie sind hier eher beim befreundeten Pärchen oder im Keller in Form eines alten Mannes zu finden. Auch bezeichnend: Die Frau des Hauses mag gar keine Kinder ("Immer wenn Leute sagen, Kinder seien unsere Zukunft, sage ich: wenn du meinst!"). Wie so häufig dreht sich alles um die Beziehung zwischen Mann und Frau, das wahrscheinlich ursprünglichste Element in anglo-amerikanischen Sitcoms.

Sie erfolgsorientiert und ins schicke Manhattan strebend, er im weitläufigen Queens an der Peripherie verankert, Lastwagenfahrer, nicht die hellste Kerze auf der Torte. Aber das kümmert ihn nicht, er ist mit sich selbst im Reinen. 555-Nase im Keller, schrullig und liebenswert zugleich. In der ersten Staffel ist das alles noch sehr moderat, ist durch Zurückhaltung gekennzeichnet. Die 90er-Jahre sind in vielerlei Hinsicht zu spüren. Das Tempo ist eher langsam und unaufdringlich. Später wird das dann hektischer, ausgeflippter, teilweise unwirklich.

Des Königs Krone

Nun feiert die erste Staffel ihr 20-jähriges-Jubiläum. Genau genommen wurde die Pilotfolge, in der Arthur sein Haus niederbrennt, bereits 1997 gedreht. Ein Jahr darauf ging die Show dann an den Start, zumindest in den USA. Im deutschsprachigen Raum geschah dies erst knapp drei Jahre später, wie damals noch üblich. Für jüngere Semester wohl kaum vorstellbar. Heute ist vor allem Kevin James ein Star. Mittlerweile hat er schon wieder eine eigene Show, die allerdings stark hinter dem Original zurückbleibt, wenn auch das Geschmackssache ist. Die erste Staffel KoQ geht nach wie vor gut "rein", sie verfügt nach wie vor über einen besonderen Charme. Wie das halt oft so ist am Start, am Anfang eines Projektes, wenn das Budget zwar kleiner, der Hunger aber umso größer ist, wenn die Ideen nur so fließen und die Darsteller frisch und unverbraucht wirken. Die Frage lässt sich also leicht beantworten. Still King? Ja.