Dieser Artikel soll einen Einblick in die wahrscheinlichen Vorstellungswelten von Daniel Küblböck kurz vor seinem tragischen Sprung von der AIDAluna geben. Aus der Sicht von seinem Vater Günther Küblböck, aus Sicht von Psychiater Dr. Manfred Lütz, Psychiatrieleiter in Köln, aus Sicht von Klaus Gauber, einem schizophrenen Buchautor und aus meiner Sicht, einer Gerichtsreporterin, die erlebt hat, wie hunderte von psychisch kranken Menschen vor Gericht ihre Lebensgeschichte [VIDEO] und ihre Krankheit schilderten und als eine Journalistin, die Daniel Küblböck bei einem intensiven Interview persönlich erlebt hat.

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Wir alle glauben: Daniel Küblböck könnte noch froh und munter unter uns sein, wenn paranoid schizophrenen Patienten gegen ihren Willen geholfen werden dürfte.

Daniel Küblböck als charmanter Interviewpartner

Es war ein Gespräch, an das ich mich immer sehr gerne erinnern werde.

Daniel hatte gerade ein Konzert gegeben und kam in Begleitung von einer Mitarbeiterin seines Managements. Er war sehr offen, freundlich, lustig, optisch und sehr erwachsen mit seinem Bart, aber von einer fast naiven Herzlichkeit. 15 Minuten waren bewilligt worden und nach Ablauf dieser Zeit wurde darauf immer energischer von seiner Begleitung hingewiesen. Daniel Küblböck ließ sich allerdings überhaupt nicht beirren und unser Gespräch dauerte mehr als doppelt so lange. Und gute 30 Minuten Interview sind nicht ohne. Da wird ja nicht über das Wetter geredet. Das ist sehr intensiv. Mein Fazit: Daniel war auf keinen Fall schon immer "verrückt", wie es teilweise in sozialen Medien behauptet wird. Er war anders als der Mainstream, aber geistig ganz sicher völlig bei sich.

Günther Küblböck hätte seinen Sohn so gerne geschützt

Bei "Stern TV" auf RTL wurden Einspieler gezeigt, in denen Günther Küblböck ausführlich seinen Kampf aufzeigt.

Und der Vater von Daniel Küblböck ist demnach wirklich alle Wege gegangen, hat unzählige Ämter und Behörden abgeklappert. Am Ende stellte Günther Küblböck für sich fest, dass der Tod seines Sohnes eine politisch gewollte unterlassene Hilfeleistung sei.

Diese Aussage möchte ich aus meiner Sicht untermauern. Der Hintergrund für die unterlassene Hilfeleistung ist natürlich die grauenhafte Vergangenheit der Psychiatrie. Und das nicht, wie heute gerne suggeriert wird, nur in der NS-Zeit, sondern auch noch viele Jahrzehnte länger. Ich selbst habe während meinem Studium 1985 eine Wohngemeinschaft der sogenannten "Irren-Offensive" besucht. Das waren Menschen, die der Psychiatrie entkommen waren und sich zusammen getan hatten, um sich und anderen zu helfen. Was sie über Quälereien, Zwangsmedikation und Elektroschocks zu berichten hatten, war grauenvoll.

Daniel Küblböck: Gut gemeint und tödlich

Natürlich müssen wir Menschen davor schützen, dass sie in Psychiatrien festgehalten und zwangsbehandelt werden.

Vor allem, weil es am Ende ganz leicht politische Gegner treffen könnte. Aber es gibt nun einmal auch diese grauenhafte Krankheit, die paranoide Schizophrenie, die alles auf den Kopf stellt. Wer sich einen schrecklichen Horrorfilm vorstellt, der ist schon auf der richtigen Spur. Die Erkrankten erschaffen in ihrem Kopf eine ganz eigene Welt. Ungeheure Konstrukte, bei denen sie zum Beispiel den Auftrag haben die Welt zu retten und von grauenhaften Mächten verfolgt werden. Der Verfolgungswahn macht ihre engsten Angehörigen zu Feinden, den Nachbarn zu Spionen und den Busfahrer zum Profi-Killer. Die gesamte äußere Realität wird in das Wahnsystem eingebaut. Wer kranke Menschen dort alleine lässt, überlässt sie einem furchtbaren Grauen. Und genau das passiert im Moment.

Die letzten Minuten von Daniel Küblböck

Daniel Küblböck dürfte in der schrecklichen Nacht [VIDEO] auf der AIDAluna vor allem Angst, schreckliche Angst, gefühlt haben. In dieser Nacht vom 8. auf den 9. November soll Daniel randaliert und sich dabei am Arm verletzt haben. Wenn jemand mit Verfolgungswahn randaliert, dann oft aus Panik. Die Verletzung dürfte Daniel kurzzeitig wieder halbwegs auf den Boden der Realität zurückgeholt haben. Verhängnisvoll: Angeblich wurde Daniel ins Schiffshospital geschickt und habe dort niemanden vorgefunden. So eine ganz normale Situation kann bei einem Menschen mit paranoider Schizophrenie die schlimmsten Gedanken explodieren lassen: Warum will mir keiner helfen? Wurde von meinen Verfolgern angeordnet, dass mir nicht geholfen wird? Suchen sie nach mir?

Laut Günther Küblböck ist Daniel von dem Schiffshospital wahrscheinlich noch einmal kurz in seine Kabine zurück gekehrt. Dann habe er sich auf den Weg zu Deck 5 gemacht und habe dort noch drei Alarmknöpfe gedrückt.

Für Daniel dürfte das der pure Horror gewesen sein, dass ihm aus seiner Sicht niemand helfen wollte, obwohl er verletzt war. Das gesamte Schiff samt Besatzung dürfte er mit großer Wahrscheinlichkeit in sein Wahnsystem eingebaut haben. Keine Hilfe im Hospital, keine Reaktion auf den Alarm, daraus dürfte Daniel geschlossen haben, dass seine Verfolger das Schiff unter Kontrolle haben. Daniel Küblböck ist mit großer Wahrscheinlichkeit über Bord gesprungen, um sich zu retten und nicht, um sich umzubringen. Dabei hätte ihn vielleicht eine einzige schnöde Pille am Tag retten können.

Dunkle Gedanken und kein Ende? Hier gibt es Hilfe rund um die Uhr:

0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 und 116 123