Vor 14 Tagen hat die ARD überraschend das Aus für die TV-Serie "Lindenstraße" verkündet. Man werde den Dauerbrenner im März 2020 nach dann fast 35 Jahren aus Kostengründen beenden. Laut Sender stehen die Produktionskosten in keinem Verhältnis mehr zur Quote. Zweifellos: Die in den letzten Jahren gesunkenen Quoten sind der Defragmentierung des TV-Marktes geschuldet - es gibt eben immer mehr Sender - aber auch "Das Erste" ist an der Entwicklung keineswegs unschuldig: Die "Lindenstraße" wurde nicht erst seit gestern wie ein ungeliebtes Kind behandelt.

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Immer öfter wurde sie auf den Spartensender "One" verschoben, dann fiel sie wegen Wahlberichterstattungen oder Sportereignissen etc. aus. Auch Trailer im Programm des Ersten suchte man vergeblich.

Zuletzt wurden sogar Folgen eingespart, um die Produktionskosten zu senken. Seit mehreren Jahren gibt es deswegen auch eine mehrwöchige Sommerpause. Alles Tatsachen, die für eine Serie wie die "Lindenstraße" nicht förderlich sind - sie lebt von Kontinuität. Die Meldung der Absetzung verbreitete sich umgehend wie ein Lauffeuer durch das Internet und war ein echter Schock für die immer noch große Fangemeinde.

Fangruppen formieren sich

Genau diese Fangemeinde will sich aber nicht mit dem Ende des Klassikers abfinden und wurde aktiv - hier vor allem auf Facebook. Es wurde sofort eine Petition zum Erhalt der "Lindenstraße" ins Leben gerufen (openpetition.de/!Lindenstrasse). Damit aber nicht genug. Mehrere Facebook-Fangruppen, die zusammen fast 15 000 Mitglieder haben, schlossen sich sofort zusammen und planten weitere Schritte.

Man wollte und will die Entscheidung des Senders nicht akzeptieren. So wurde durch die mittlerweile offizielle Protestbewegung, einem Zusammenschluss mehrer Admins und Moderatoren der diversen Gruppen, als Sofortmaßnahme eine Briefaktion ins Leben gerufen. Mitglieder der Fangruppen wurden dazu aufgerufen, regelmäßig Briefe an die Programmdirektion in München zu schicken um ihren Unmut über die Absetzung zu äußern.

Schon diese Aktion schien Erfolg zu haben, denn schon nach wenigen Tagen sah sich Volker Herres, Programmdirektor des ARD-Gemeinschaftsprogramms "Das Erste", scheinbar dazu gedrängt, in einem Statement nachzulegen. Plötzlich sollen es inhaltliche Gründe sein, die das Aus der "Lindenstraße" zu verantworten hätten. Die Serie sei also aus der Zeit gefallen. Eine sehr fragwürdige Aussage: Der TV-Klassiker ist nach wie vor der einzige, der immer wieder aktuelle Themen anpackt: Aktuell den türkischen Präsidenten Erdogan, zuletzt eine Transgender-Story um den Charakter "Sunny" und, und, und.

Diese Liste könnte man endlos fortsetzen. An der Aktualität hat sich also nichts geändert. Davon abgesehen, schleppt die ARD viele andere Formate durch ihr Programm, die kaum Quote bringen und auch nicht kostenlos zu bekommen sind. Damit ist der Protest der Fans aber noch nicht beendet.

Demos in Köln und München

Aktuell formiert sich ein breiter Widerstand gegen die Absetzung, mit der die ARD sicher so nicht gerechnet hat. Derzeit organisiert man von Seiten der Fans mehrere Demos in Köln und München. Weitere Städte könnten dazukommen. So ist die erste Demo für Samstag, den 19. Januar 2019 um 14 Uhr in Köln auf dem Roncalliplatz angesetzt, München folgt am 2. Februar und Köln dann wieder am 23. Februar. Weitere Demos sollen folgen. Zur ersten Demo haben sich bereits mehrere hundert Besucher eingetragen. "Wir wollen der ARD zeigen, wie wichtig die 'Lindenstraße' auch heute noch ist in der TV-Landschaft, und dass wir Fans nach wie vor voll hinter der Serie stehen. In all den Jahren ist das Ensemble so etwas wie persönliche Freunde geworden, fast wie echte Nachbarn. Wir möchten, dass das so bleibt und dafür kämpfen wir", so Jörg Flöttl, Mitorganisator des Fan-Protests.

Auch eine Webseite wird in Kürze online gehen, um die geplanten Aktionen und Informationen an einem zentralen Ort zu bündeln.