Hans-Jürgen Bäumlers Bericht über seine Kindheit und Jugend im SWR "Nachtcafé" ließ den Atem stocken. So grausam war das, worüber der zweifache Weltmeister und sechsfache Europameister im Eiskunstlauf berichtete. Er habe diese Erfolge keineswegs aus eigenem Antrieb erreicht, sondern aufgrund seiner "Eislaufmutter", die ihren Willen auf unfassbar grausame Weise durchgezogen habe.

"Ich glaube, dass sie sich einen Traum erfüllen wollte, aus mir etwas Besonderes zu machen. Und das hat sie gnadenlos, gnadenlos durchgezogen, mit allem, was man einem Kind antun kann, vom Prügeln angefangen bis eingesperrt werden." Sein ganzes Leben habe aus einem knallharten Programm bestanden.

Werbung

Marika Kilius war die Erlösung

Hans-Jürgen Bäumler: "Ich bin morgens um 6 Uhr aufgestanden. Ich habe zwei Stunden trainiert, bevor ich dann später ins Gymnasium gegangen bin." Täglich habe er zwei Teller von einem Gemisch aus Orangen und Bananen essen müssen, obwohl er Bananen hasse. "Ich hatte weder eine Kindheit, ich hatte auch keine Jugend, es war ein kleines Straflager." Der Drill sei auch bei Krankheit durchgezogen worden. "Ich bin auf die Eisbahn gekommen und sagte zu meinem Trainer: Ich kann nicht, ich habe Fieber.

Da sagte der: Ja gut, dann brauchst du dich nicht warmlaufen, los geht's."

Die schlimmsten Jahre habe er als Einzelläufer verbracht. Als seine Eislaufpartnerin Marika Kilius dazu gekommen sei, wäre das eine Erlösung gewesen. "Ich hatte jemanden mit dem ich sprechen konnte und jemanden, der ein ähnliches Schicksal teilte." Auch Marika habe unter ihrer "Eislaufmutter" gelitten. Bäumler: "Übrigens, das Wort Eislaufmutter ist weltweit ein gefürchtetes Wort."

Das Training sei nachmittags und abends fortgesetzt worden. Und sogar nachts, wenn das Geld für die Beleuchtung gereicht habe. Kontakt zu den Schulfreunden habe es nicht gegeben.

Werbung

"Ich habe sie ja außerhalb der Schule nie gesehen."

Keine Mutter-Sohn-Beziehung

Ein Mutter-Sohn-Verhältnis habe nie bestanden, berichtet Bäumler. "Wir lebten fünf Jahre in einem Zimmer, weil meine Mutter mit mir nach Garmisch-Partenkirchen gegangen ist." Dort habe es die Möglichkeit gegeben in einem amerikanischen Offiziersclub zu trainieren. Seine Mutter habe wirklich alles für seine Eislaufkarriere getan. "Wir waren ja Amateure und durften keinen Pfennig mit dem Sport verdienen." Auch Sponsoren habe es damals nicht gegeben.

Die Mutter habe zwar alles für seinen Erfolg getan, aber sie sei ihm keine Mutter gewesen.

"Ich war ein Objekt." Und Bäumler berichtet von regelrechten Foltermethoden: "Wenn es nicht mehr ging, dann kniete ich auch mal eine Viertelstunde auf einem Holzscheit, weil meine Mutter das entschieden hatte."

Die Enkel wollte sie gar nicht sehen

Auch nach der Karriere sei das Verhältnis zerrüttet gewesen. Jetzt habe der Mutter nicht gepasst, dass Bäumler geheiratet habe, dabei habe er ihr einen Bungalow neben seinem Haus gebaut. "Wir dachten, das wird schön, Oma in der Nähe, wenn wir mal Kinder haben", berichtet Bäumler.

Werbung

"Es führte zu nichts. Meine Mutter war dermaßen eifersüchtig, dass sie nicht mehr die erste Frau in meinem Leben ist, dass sie es abgelehnt hat, später die Enkelkinder zu sehen." Die Mutter habe jegliche Besuche verweigert und selbst auf dem Sterbebett ihrem Sohn mit ihren letzten Worten noch einmal klargemacht, dass sein Erfolg vor allem ihr Erfolg sei. "Zum Weltmeister habe ich dich gemacht und wir haben die Weltmeisterschaft gewonnen."