Michail Bakunin

Am 30. Mai 1814 wurde einer der bedeutendsten russischen Philosophen und Vordenker des 19. Jahrhunderts geboren. Michail Alexandrowitsch Bakunin war ein Sprössling einer alten russischen Adelsfamilie. Zu ihren Besitztümern zählten rund fünfhundert Leibeigene. Als Kind genoss er eine westlich orientierte und liberale Erziehung. Er war Artillerieoffizier und Lehrer für Mathematik. In Moskau fing er an Philosophie zu studieren. Bei seinem Aufenthalt in Westeuropa, traf er auf viele revolutionäre Persönlichkeiten die als Funken in ihm das revolutionäre Feuer der politischen Philosophie entfachten. Bakunin war nicht nur ein Gefangener seiner eigenen Theorien, wie Karl Marx, sondern legte selbst Hand an und stieg persönlich auf die Barrikaden des Schlachtgetümmels.

Seine Philosophie der Freiheit und Gleichheit verteidigte er an den verschiedensten Orten Europas, wie zum Beispiel bei der Pariser Februarrevolution 1848 in Prag oder im April 1848 in Baden, als Aufständische die Monarchie stürzen wollten. Im Mai 1849 war er in Dresden zur Mairevolution, wo er auf den Komponisten Richard Wagner [VIDEO] traf, der damals auf der radikaldemokratisch-revolutionären Schiene fuhr. Auch mischte er in Polen und dem neugegründeten Italien mit. Verfolgung, Haft, Todesurteile, Verbannung, Flucht, Revolution, Philosophie, all das zog sich durch Bakunins Leben wie ein roter Faden bis er am 1. Juli 1876 in Bern starb.

Bakunin und seine Philosophie

Bakunins gelebtes Leben ließ ihm Freiräume seine Gedanke zu revidieren und durch aktuelle Analysen zu ersetzen.

Während Karl Marx ein reiner Theoretiker war, der niemals der arbeitenden Klasse angehörte, nicht einmal einen einzigen Tag in der Fabrik an einer Werkbank stand und seine Analysen aus der Theorie aufbaute und dann im Raum ließ ohne maßgeblich an der Umsetzung in die Praxis beteiligt sein zu wollen, setzte Michail Bakunin auf die Theorie, die er auch mit eigenen Taten umsetzen wollte .

Die Evolution seines Denkens führte den praktischen Philosophen zum Vordenker und Mitbegründer des kollektivistischen Anarchismus. Die Idee verbreitete er erstmals im Jahr 1866. Dabei geht es um größtmögliche Autonomie auf gleicher Ebener aller Individuen innerhalb eines kollektivistischen Gemeinwesen. Er lehnte den Staat und die Religion als autoritäre Formen ab. Er unterscheidet zwischen künstlicher Autorität, die durch Menschen ausgeht um andere Menschen einzuschränken oder zu unterdrücken, und der natürlicher Autorität als Unterwerfung durch die Naturgesetze. Da es keinen Grund gäbe die künstliche Autorität zu akzeptieren, griff er die Idee von Karl Marx an, da dieser auf eine „Diktatur de Proletariats“ als Vorstufe zum Kommunismus setzte, die jegliche Rechte und Freiheiten des Individuums einschränke.

Der Traum einer egalitären Gemeinschaft, in ihrer wirtschaftlichen und sozialen Gleichheit, könne nur durch das Zusammenspiel zwischen Sozialismus, Föderalismus und Freiheit gewährleistet werden. Er versteht den Aufbau einer Föderation von der Basis zur Spitze. Es ist wie beim Hausbau, der mit dem Keller begonnen und beim Dach beendet wird. Die Föderation bestehe aus freien Assoziationen der Individuen, Kommunen und Produktionsgemeinschaften.

Anarchismus

Anarchismus hat keine klar definierten Doktrinen, weshalb es viele verschiedene anarchistische Gruppierungen gibt, die ihre Prioritäten verschieden setzen. So gibt es unter anderem den Individual-Anarchismus, Sozialen Anarchismus, Kollektiven Anarchismus, Kommunistischen Anarchismus oder Anarcho-Syndikalismus. Jede dieser Gruppen kann sich zusätzlich in weitere Formen mit weiteren Prioritäten aufspalten. Doch alles haben diese Strömungen gemeinsam - den Anarchismus ohne Adjektiv: Die Ablehnung der Hierarchie in jeglicher Form und die Einschränkung der Freiheit durch Autoritäten.