Die Beliebtheit von Krimiserien wie „Bones“, „Criminal Intent“, „Rizzoli and Isles“ und dem „Tatort“ zeigen vor allem eines: Die zunehmende Faszination, die die Arbeit von Kommissaren, Pathologen und Profilern auf den Otto-Normal-Bürger ausübt. Packende Fälle und spannende Handlungen geben dem Zuschauer die Möglichkeit, tief einzutauchen in die Abgründe des Bösen. Oder etwa nicht? Bei aller Faszination für Verbrechen, Täter und ihre Motive sollte man eines nicht vergessen: Nämlich die Tatsache, dass es sich bei allen Fällen fiktiver Krimiserien um Geschichten handelt, die sich ein Autor ausgedacht hat.

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Dafür, dass die TV-Fälle der Autoren nah an der Realität bleiben, sorgen fachkundige Berater. Sie sind es, die wirklich wissen, wie Täter ticken. Von der Qualität ihrer Beratung hängt es ab, wie lebensnah Filme oder Serien schlussendlich sind, wenn sie über unsere Mattscheibe flimmern. Zu bekannten Beratern des deutschen Krimi-Genres zählen unter anderem Axel Petermann und Jo Bausch.

Fiktive Fälle, echte Profiler

Axel Petermann

Der bekannte Kriminalist, Autor und Profiler Axel Petermann setzt sich schon seit Ende der 1990er Jahre kritisch mit den FBI-Methoden des Profilings auseinander.

Jahrhunderthalle Frankfurt: Suzanne Grieger-Langer, 27.04.2019 20:00 - jahrhunderthalle.de
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Petermann vertritt einen interdisziplinären kriminalistischen Ansatz. Seiner Meinung nach liegt der Schlüssel zur Klärung eines Tötungsdelikts in der Interpretation der Spuren am Tatort und der Analyse der Opferpersönlichkeit. Da die Auswahl des Opfers und die Tatortspuren auf Entscheidungen des Täters basieren, wird dadurch das Motiv der Tat deutlich, was wiederum Rückschlüsse auf dessen Profil zulässt. Sowohl die Auswahl des Opfers als auch die Tatortspuren basieren auf Entscheidungen des Täters.

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Dadurch, so Petermanns Überzeugung, wird das Motiv der Tat deutlich und lässt Rückschlüsse auf das Profil des Täters zu.

Petermann ist seit 2011 ständiger Berater des Frankfurter „Tatorts“ und unterstützt die Serienautoren mit seinem kriminalistischen Fachwissen. Dieses teilt er zudem als Dozent für Kriminalistik an der Hochschule für Öffentliche Verwaltung mit Studierenden. Petermann ist Mitbegründer der Interdisziplinären Forums Forensik (IFF), die die Kommunikation zwischen den forensischen Wissenschaften und der Praxis sowie zur Interpretation von Täterverhalten fördern will.

Als Autor hat er es zudem mit seinen Büchern auf die Spiegel-Bestsellerlisten geschafft.

Die Operative Fallanalyse

Axel Petermann hat die Dienststelle Operative Fallanalyse (OFA) aufgebaut, deren Leiter er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2014 war. Die OFA wird von Fallanalytikern der Polizei bei ungeklärten Verbrechen eingesetzt, um neue Ermittlungsansätze zu bekommen. Sie dient außerdem dazu, ein Täterprofil zu erstellen und Serienstraftaten zu erkennen.

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Die operative Fallanalyse kommt in aller Regel nur bei schweren Straftaten zum Einsatz. Dazu zählen etwa Tötungs- und Sexualdelikte, Brandstiftungen oder Terroranschläge. Die Ermittler greifen dann auf die OFA zurück, wenn sie bei ihren Ermittlungen der Polizei nicht zu eindeutigen Informationen zu Täter, Tatablauf, Opferverhalten oder weiteren relevanten Tatelementen geführt haben.

Bei der OFA werden die objektiven Daten der Tat neu bewertet, um Hypothesen zu ihrem Hintergrund aufzustellen.

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Die Fallanalyse findet deshalb unabhängig von den eigentlichen polizeilichen Ermittlungen statt. Sie kann also bei Bedarf auch begleitend zu den Ermittlungen angewendet werden.

Jo Bausch

Der Arzt, Autor und Schauspieler Jo Bausch war seit 1986 Anstaltsarzt in der Justizvollzugsanstalt Werl. Seine Erfahrungen und Erlebnisse in dieser Position als Leitender Regierungsmedizinaldirektor beschreibt er in seinem Buch und Spiegelbestseller „Knast“. Seit 1985 war Bausch zudem in verschiedenen Episoden der Serien „Tatort“ oder „Der Fahnder“ zu sehen, wo er unter anderem an der Seite von Götz George spielte. Ab 1997 war er schließlich regelmäßig als Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth an der Seite von Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär und Ulrich Tukur im „Tatort“ zu sehen. Zudem war Bausch Gast in vielen Sendungen, die sich mit den Themen „Verbrechen“ oder „Gesundheit“ befassen – darunter die WDR-Serie „Kriminalzeit“ und „Die Ärzte – der Medizintalk im ZDF“.

Schreibende Spezialisten: Wahre Fälle, wertvolle Tipps

Wer könnte besser von Verbrechen, Tätern und Motiven berichten als Kriminalisten selbst? Die Bücher von Europas führendem Kriminalpsychologen Thomas Müller, von Serienmordexperte Stephan Harbort und des legendären Mordermittlers Josef Wilfing tauchen tief ein in die Abgründe echter Menschen, die zu Tätern wurden. Sie zeigen anhand konkreter Fälle der Kriminalgeschichte, welche Motive hinter den Taten steckten, offenbaren Geheimnisse der Vernehmungskunst und heben die Bedeutung hervor, die Profiler bei der Aufklärung von Verbrechen haben. „Jeder kann zum Mörder werden“, lautet zudem die Überzeugung der forensischen Psychiaterin Dr. Nahlah Saimeh, die in Büchern und bei Vorträgen über ihre Arbeit und Erkenntnisse berichtet.

Die Arbeit der Kriminalisten ist für den Leser nicht nur spannend, weil sie einen Blick hinter die Fassade von Verbrechern ermöglicht. Vieles von dem, was Fallanalytiker, Vernehmungsspezialisten und insbesondere Profiler über ihre Arbeit berichten, lässt sich auch auf den Alltag beziehen: Wer weiß, wie Menschen ticken, kann sich auch im Umgang mit Kollegen und Chefs oder in der Beziehung zu Freunden und Partnern besser durchsetzen. Wer die Methodik von Profilern kennt, hat ein Instrumentarium an der Hand, das seine Wahrnehmung schärft und es ihm ermöglicht, mit klarem Blick Krisen zu bewältigen und richtige Entscheidungen zu treffen.

Menschenkenntnis kann man lernen

Das Geheimnis erfolgreicher Ermittlungen ist es, mehr über sein Gegenüber zu wissen, als er oder sie über sich selbst preisgibt. Das gilt ebenso für menschliche Beziehungen. Und zwar unabhängig davon, ob es sich um private oder geschäftliche handelt. Profiler wissen: Die Menschen lügen insgesamt weitaus häufiger, als man dies vielleicht annehmen würde. Eine gute Menschenkenntnis ist deshalb das A & O erfolgreicher Profiler.

Informationen über Partner, Kollegen oder Freunde bekommt man auf vielfältige Weise. Wer treffsicher einschätzen will, was sein Gegenüber wirklich meint, sollte zunächst einmal die Augen und Ohren offen halten. Die meisten Menschen neigen dazu, von ganz allein viel über sich preiszugeben. Man muss ihnen aber die Zeit geben, die sie brauchen. Der größte Fehler ist es, mit Worten um sich zu schießen wie mit einer geladenen Waffe. Generell sollte man nie unüberlegt in eine Situation hineinrennen und sein Pulver nicht vorschnell verschießen. Das nämlich führt nicht zum schnellen Sieg, sondern zum schnellen Untergang. Um im Gespräch an mehr Informationen zu kommen, sollte man sich eher wie ein Scharfschütze verhalten als wie ein Fußsoldat: Ruhig bleiben, beobachten, ohne sich einzumischen, auf den richtigen Augenblick lauern, sorgfältig zielen und einen einzigen gut gewählten Argumentations-Schuss abgeben, lautet der Expertentipp. Prinzipiell kann jeder zum Profiler werden – mit der richtigen Anleitung und ein bisschen Übung.

Pseudowissen vs Fachkompetenz

Die hohe Frequenz von Crime-Themen in der aktuellen TV- und Literaturlandschaft führt zunehmend dazu, dass sich der ein oder andere Zuschauer gleich selbst als Experte auf dem Gebiet der Verbrechensaufklärung wähnt. Da wird im Gespräch mit Kollegen mit vermeintlichen Fachbegriffen um sich geworfen – oder es wird mit Freunden über Täter und ihre mutmaßlichen Beweggründe diskutiert. Wer wissen will, ob er es tatsächlich mit einem Experten zu tun hat, sollte sich die Fachbegriffe anschauen, die der vermeintliche Fachmann verwendet. So wissen Experten beispielsweise ganz genau, wann sie von Verhör und Vernehmung, Pathologen oder Rechtsmediziner sprechen.

Trickser greifen häufig auf immer die gleichen Maschen zurück, um Kompetenz zu heucheln. Besonders beliebt ist das Slangdropping, bei dem an entscheidender Stelle ein richtiges Fachwort (Slang) fallen gelassen wird. Nicht selten gibt der Blender dabei zu verstehen, dass er Bescheid weiß, indem er einen Satz anfängt, den er in der Schwebe lässt, oder indem er schweigend mit dem Kopf nickt.

Wer im Gespräch mit echtem Fachwissen punkten soll, sollte sich folgende drei Expertentipps merken:

  1. Eine Frage der Ethik: Rechtsmediziner und Kriminalisten sprechen von Verstorbenen, nicht von Toten oder Leichen.
  2. Eine Frage des Berufsbildes: In der Verbrechensaufklärung arbeiten Rechtsmediziner, nicht Pathologen.
  3. Eine Frage der Begrifflichkeit: Zeugen und Verdächtige werden „vernommen“, nicht „verhört“.
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