Laut gängiger Definition verspricht die Immunität den Schutz vor einer viralen, bakteriellen Erkrankung oder den giftigen Stoffwechselprodukten von Bakterien, so dass das Individuum keine Krankheitssymptome entwickelt. Als Maß wird in der praktizierenden Medizin bis heute der Antikörper-Titer gegen einen bestimmten Erreger angewandt. Dabei wird kein Unterschied gemacht, ob er nun durch den Nestschutz der Mutter, nach natürlichem Kontakt mit dem Erreger und evtl. einer überstanden Erkrankung oder auch durch eine Impfmaßnahme aufgebaut wurde. In den letzten Jahren mussten jedoch die Vorstellungen über unser Wissen des Immunsystems überarbeitet, verworfen oder komplett neu definiert werden, da dieses in seiner Komplexität bis heute nicht vollständig geklärt und verstanden ist.

Sprach man noch zu Pasteurs Zeiten von Zauberkugeln, so sind heute zwölf verschiedene Immunzelltypen und ca. 50 Botenstoffe bekannt und es werden stetig mehr.

Die unspezifische Immunantwort, auch als konstitutionell oder genetisch bezeichnet, besteht aus unterschiedlichen physikalischen Barrieren wie der Haut, den Schleimhäuten (insbesondere im Darm) und der Magensäure. Sind diese Barrieren intakt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Erkrankung manifestiert, gering. An der Aufrechterhaltung dieser Barrieren sind eine Menge biologischer Mechanismen wie antimikrobielle Enzyme und Substanzen in Zellen, Geweben und Schleimhäuten beteiligt (z.B. Dendritische Zellen, Komplement-System, etc.).

In den ersten Monaten nach der Geburt wird die unspezifische Immunantwort durch den Nestschutz unterstützt.

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Diese sogenannte Leihimmunität oder angeborene Immunität besteht aus Antikörpern, die von der Mutter während der Schwangerschaft über Nabelschnur und Plazenta in den Blutkreislauf des Kindes gelangen, sowie Antikörpern, die in der Muttermilch enthalten sind. So können viele Erkrankungen im Säuglingsalter verhindert werden.

Nach Lehrmeinung wird die spezifische Immunantwort ab dem Tag der Geburt aufgebaut. Erst ab dem 4. Lebensjahr kann das Immunsystem fehlerfrei und angemessen auf aufgenommene Fremdpartikel (Antigen) reagieren.

Die spezifische Immunantwort wird selektiv über Antikörper in Körperflüssigkeiten (humorale Immunität) oder über spezifische weiße Blutkörperchen, den T-Lymphozyten, Fresszellen und weitere immunkompetente Zellen (zelluläre Immunität) ausgeführt. Zudem gilt für die weißen Blutkörperchen die Gesamtheit aller Fremdpartikel, die in unseren Körper gelangen, als Trainingslager. Insbesondere die Darmbakterien spielen eine entscheidende Rolle, da hier der größte Kontakt zu Fremdpartikeln (Antigenen) stattfindet und deren Aufbau studiert wird.

[5] So lernt unser Immunsystem die sogenannten Antigene auf deren winzigste Bausteine genau kennen und entscheidet, ob die Fremdpartikel gesundheitsförderlich, neutral oder potentiell krankmachend sind. Dieses Erkennen verläuft nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Antikörper oder spezielle Bindestellen (Rezeptoren) auf den Lymphozyten definieren Strukturen schon als fremd oder entartet (z.B. Krebszelle), wenn sie sich nur geringfügig von den körpereigenen, gesunden Strukturen unterscheiden oder fremde Signale aussenden.

Das Erkennen eines Partikels als körperfremd dient dem Immunsystems auch dazu, ein immunologisches Gedächtnis aufzubauen. Nach Erstkontakt oder Wiedererkennen bildet eine andere Klasse von weißen Blutkörperchen, die B-Lymphozyten, die für die Antigene spezifischen Antikörper aus und es verbleiben Gedächtniszellen im Organismus. Bei einem Zweitkontakt können die Antikörper die Fremdpartikel schnell erkennen, die Produktion weiterer Antikörper veranlassen und die ausführenden Zellen des Immunsystems wie die Fresszellen aktivieren. Hier kann man bereits erkennen, dass nicht das alleinige Vorhandensein von Antikörpern für einen sicheren Schutz vor Erkrankung hilft. Es muss insgesamt eine Immunkompetenz des Körpers vorliegen, also die Fähigkeit des Organismus, die Partikel zu differenzieren, alle Akteure des Immunsystems zu aktivieren und in angemessener Weise zu reagieren. Neuere Forschungsergebnisse verlangen eine Korrektur der vorhandenen gültigen Lehrmeinung der Schulmedizin.

Immer mehr Bedeutung kommt dem „Mikrobiom“ zu. Es scheint sich dabei um ein komplexes mit Mikroorganismen vernetztes Zellorgan zu handeln, das in einer Art Dialog mit dem Immunsystem kommuniziert.

Deswegen kommt der Pflege der Bakterienbesiedlung des Darmes besondere Aufmerksamkeit zu, da sich bekannter Weise ca. 80% des Immunsystems im Darm befindet. Wir begegnen unserer Außenwelt – Nahrung – zuerst mit der Mundhöhle, die den Eingang zu unserem Verdauungskomplex bildet, einschließlich unseres Darmes mit seiner Länge von 8 Metern und mit einer Oberfläche von der Größe eines Fußballfeldes. Die Pflege dieses „vielfältigen Rasens“ ist Grundvoraussetzung für ein Geschehen des glatten Spiels = Gesundheit.

Um eine Immunität aufrechtzuerhalten, also das Immunsystem in schlummernder Alarmbereitschaft zu halten, bedarf es jedoch immer wieder eines Kontaktes mit diesen Fremdproteinen (immunologische Boosterung). So wird das immunologische Gedächtnis permanent aktualisiert und weiter geschult. Hat der Körper über längere Zeit (einige Jahre) keinen Kontakt, lässt auch die Immunität nach.

Offen bleiben hingegen Fragen wie

  1. warum es gesunde Träger und Ausscheider von in anderen Fällen krankmachenden Fremdpartikeln gibt,
  2. warum erkranken nicht alle im gleichen Maße unter gleichen Einflüssen,
  3. warum bekommt ein Kind die Masern und das Geschwisterkind beispielsweise nicht,
  4. was bewirkt, dass Herpesbläschen aufblühen oder nicht,
  5. warum übertragen geimpfte Mütter keinen effektiven Immunschutz an ihre Kinder,
  6. wo sind die Grippeviren im Sommer,
  7. warum erkranken auch Menschen trotz hoher Antikörpertiter. Vermitteln zirkulierende Antikörper wirklich Schutz?

Vielleicht ist die Immunität ein rein individueller Schutz zu einem bestimmten Zeitpunkt. Lässt allgemein die Immunkompetenz des einzelnen durch Stress, Mangelernährung oder einer Erkrankung nach, kann der den Körper besiedelnde Erreger überhand nehmen und krank machen.

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