Früher glaubte man, das PANS-Syndrom sei eine Erkrankung, die lediglich Kinder sowie Jugendliche betreffe und sich mit dem Ende der Pubertät von selbst erledige. Doch weit gefehlt! Aus der Praxis und einer großangelegte Studie (2012 bis 2017) durch Mediziner der Stanford University in Kalifornien, gemeinsam mit Kollegen anderer renommierter Institutionen, gelangte die Forschung zu einer traurigen Erkenntnis: PANS kann eine lebenslange Krankheit sein, die meist ab dem vierten Lebensjahrzehnt wieder verstärkt Symptome zeigt.

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Außerdem erkrankten erwachsene PANS-Patienten chronisch, weniger fluktuierend, stattdessen progredient - also mit einer steten Zunahme der Symptome. Als ob das noch nicht reichte, erkannte man, dass PANS keineswegs “nur” eine neuroimmunologische Erkrankung ist, sondern eine systemische.

PANS ist eine systemische Erkrankung!

In der Medizin verstehen wir darunter Krankheiten, die den gesamten Organismus betreffen können. PANS, das ist nun klar, gehört leider zu dieser Kategorie. Weiterhin dominieren zwar die neurologischen und neuropsychiatrischen Symptome, doch wird die Liste an Symptomen, die das PANS-Syndrom provoziert quasi jeden Tag länger. Dies gilt ganz besonders für erwachsene PANS-Patienten. Zudem ist es logisch: der Pathomechanismus, also das krankmachende biologische Geschehen im Körper, ist im Immunsystem lokalisiert. Da nun das Immunsystem den ganzen Körper betrifft, ist es wenig verwunderlich, dass PANS auch jedes Organ und jedes Gewebe betreffen kann. Es wäre im Gegenteil sogar verwunderlich, wenn das PANS-Syndrom dies nicht täte.

Beim PANS-Syndrom exakt hinschauen!

Besonders häufig sind neben Symptomen an Gehirn und "zentralem Nervensystem" (ZNS) die Haut, die kleinsten Äderchen, die Leber, die Nieren, die Nebennieren, die Augen und das Herz betroffen.

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Bei männlichen Patienten fand man in Fallstudien sogar Hinweise auf stattgefundene entzündliche Prozesse der Testikel im Sinne von postinfektiösen Gewebsveränderungen. In Panik verfallen muss man dennoch nicht. Das PANS-Syndrom ist, wie man jetzt weiß, oft eine lebenslange Erkrankung, aber sie verläuft bei Erwachsenen offenbar linear-progredient und nicht exponentiell. Das bedeutet, man hat als Patient einiges auszuhalten, aber PANS selbst bringt niemanden um.

Dennoch äußerste Vorsicht bei PANS!

Was jedoch niemand vorhersehen kann ist die Frage, ob sekundäre Symptome, die durch das PANS-Syndrom ausgelöst wurden, gefährlich werden. Histologische Zeichen einer Schädigung der Testikel durch eine überwundene subklinische Entzündung brauchen wohl niemanden zu bekümmern. Führt PANS jedoch zu Veränderungen an den Zellen des Herzens oder zur plötzlichen Einblutung in ein Gewebe, kann den Ausgang niemand genau vorhersagen. Dass das PANS-Syndrom beispielsweise Petechien auslöst, ist erst seit einer Studie aus dem Jahr 2017 bekannt.

Was, wenn diese Einblutungen nicht nur am Gaumen und den Gliedmaßen geschehen? In einem solchen Fall ist äußerste Vorsicht geboten.

Die ärztliche Kunst ist gefragt!

Ärzte jeder Fachrichtung, die PANS-Patienten behandeln - vor allem jene im Erwachsenenalter - sollten dem oft sehr volatilen Krankheitsgeschehen angstfrei begegnen und ihre am PANS-Syndrom erkrankten Patienten “auf Sicht” behandeln, sich dabei nicht nur am Lehrbuchwissen zu bestimmten Symptomen festhalten. Denn wenn ein “klassisches” Symptom wie etwa ein zu hoher Blutzucker durch PANS getriggert wird (über das Adrenalinsystem), ist ärztliche Kunst gefragt und nicht die Standardbehandlung für “normale” Diabetiker. Regelmäßige Kontrollen im Bereich der Neurologie, der Immunologie, der inneren Medizin, der Nephrologie, der Hepatologie, der Ophthalmologie und der Urologie sollten daher zum Standardprogramm einer PANS-Behandlung gehören.

Keine Kräuter! Keine Selbstmedikation!

In ihrer Not wenden sich viele PANS-Patienten an Naturheilkundler oder versuchen sich in Selbstmedikation. Dies ist brandgefährlich. Denn selbst vermeintlich harmlose Kräuter können im Falle des PANS-Syndroms verheerende Folgen haben, da das Immunsystem von Menschen mit PANS oft völlig anders auf Reize reagiert. Nichts gegen alternative Heilmethoden per se, jedoch nicht im Falle des PANS-Syndroms. Was hilft, sind Schulmediziner mit etwas Grundwissen bezüglich PANS, die sich auch nicht zu schade sind, ein Konsil mit PANS-erfahrenen Kollegen zu halten.