Die medizinische Welt entdeckt derzeit die volle Dramatik einer Erkrankung, die man zunächst für ein seltenes neurologisches Geschehen in der Pädiatrie hielt, was schlimm genug wäre. Seit einer groß angelegten epidemiologischen Studie (2012 bis 2017) und den PANS-Guidelines (2017) weiß man über das PANS-Syndrom:

  • Un- oder falsch behandelt kann PANS im Erwachsenenalter wiederkehren und verläuft dann chronisch fortschreitend, teils mit schwersten Verläufen (vgl. u.a. PPN Guidelines). Eine richtige Diagnose des ersten Schubs und seine adäquate immunologische Behandlung an einem Kompetenzzentrum sind daher von unschätzbarer Bedeutung, um das Risiko einer späteren Schwerbehinderung zu reduzieren.
  • PANS ist, vor allem bei erwachsenen Patienten, kein rein neuropsychiatrisches Syndrom. Vielmehr entpuppt es sich immer mehr als ein systemisches Krankheitsgeschehen, das jedes Organsystem immunologisch (v.a. über das inerte Immunsystem) aus dem Takt bringen kann. Insbesondere erwachsene Patienten bedürfen daher - zusätzlich zu ihrer neurologischen Behandlung - einer regelmäßigen internistischen, ophtalmologischen und dermatologischen Begleitung.
  • PANS ist zu vielen ärztlichen Kollegen noch unbekannt, obwohl es inzwischen ausreichend Ressourcen gibt, und zwar von solch erstklassigen Quellen wie der Universitätsmedizin von Stanford, Harvard, South Florida, dem PANS PPN Network und dem altehrwürdigen National Institute of Mental Health (NIMH) der Vereinigten Staaten von Amerika.

Wissen über PANS muss in die Köpfe!

Böse Zungen behaupten, in Deutschland werde in der Praxis nur umgesetzt, was im Ärzteblatt stehe.

Alles andere existiere einfach nicht. Ganz so schlimm ist es um die deutsche Medizin zwar ganz sicher nicht bestellt, doch es besteht eine profunde Tendenz in der hiesigen Ärzteschaft, englischsprachige Ressourcen zu meiden. Die PANS-Forschung, inklusive der inzwischen vorliegenden Guidelines, existieren bislang allerdings nur auf Englisch. Der Grund: alle führenden Forscher wie etwa Professor Kiki Chang (PANS-Clinic Stanford), Professor Frankovich, Dr. Murphy, Dr. Swedo, Professor Jenike und viele weitere führende PANS-Experten publizieren als Amerikaner auf Englisch. Noch hat kaum eine deutsche medizinische Publikation das Thema aufgegriffen.

PANS-Symptome? Sehr vielfältig!

Dabei ist längst bekannt, dass PANS zwar eine seltene Erkrankung ist, aber keine exotische. Da sie jedoch mehrere Fachgebiete umfasst, wird das Gesamtbild der PANS-Erkrankung von nicht weitergebildeten Medizinern immer noch allzu oft übersehen.

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In der Folge werden die Patienten segmentiert behandelt. Dass zum Beispiel Denkstörungen, Einblutungen, Nierenschwäche, Probleme mit dem Augendruck, Wutausbrüche, Verlust des Geruchssinns und Blasenbildungen der Haut Ausdruck eines der vielen komplexen Symptombilder eines Patienten mit PANS-Syndrom darstellen können, ist den meisten Medizinern noch unbekannt. PANS kann als Erkrankung des Immunsystems an jeder Stelle des Körpers “zuschlagen”, vor allem die sekundären Symptome können dabei extrem variabel sein. Wird die Multiple Sklerose (MS) als “Krankheit der tausend Gesichter” bezeichnet, so ist PANS die “Krankheit der grenzenlosen Symptomkomplexe”, die sich zu allem Überfluß auch noch wandeln und “wandern” können, da das Immunsystem kein statisches Geschehen darstellt. So werden die PANS-Patienten meist unkoordiniert bei zahllosen Fachärzten separat behandelt, ohne dass das Gesamtbild erkannt wird - ein gravierender Fehler.

Diagnose PANS. Was tun?

Umso wichtiger ist eine korrekte Diagnosestellung, bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen entsprechend der PPN Guidelines.

Eine den Leitlinien entsprechende Behandlung von Kindern und Jugendlichen kann die Krankheit weitgehend in eine Regression bringen. Erwachsenen Patienten kann derzeit nur symptomatisch geholfen werden, durch Medikamente und regelmäßige Kontrollen. Denn gerade erwachsene Patienten leiden häufiger als Jugendliche auch an internistischen, dermatologischen und ophtalmologischen Problemen. In allen Altersklassen dominieren jedoch Symptome der Neurologie und neuropsychiatrische Krankheitszeichen.

Als Arzt fit für PANS werden!

Alle Mediziner sollten sich daher über PANS informieren, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sie PANS-Patienten in der Sprechstunde sehen werden, ist hoch. Natürlich ist PANS keine simple Grippe. Man kann sich das wichtigste Wissen, dennoch schnell aneignen. Informationen gibt es aus den verlässlichsten Quellen, welche die medizinischen Welt zu bieten hat. Angefangen von der PANS-Clinic der Stanford University über das National Institute of Mental Health (NIMH) bis zur Universitätsmedizin von Harvard und dem PPN PANS Network. Top ausgebildete und wissenschaftlich sattelfeste Kollegen arbeiten an diesem Thema. Ist es zuviel verlangt, sich wenigsten kurz einzulesen? Es kann das Schicksal von Patienten zum Besseren wenden.