Gleich vorweg eine kalte Dusche: Das PANS-Syndrom ist nach wie vor unheilbar. Vor allem bei chronifizierten Fällen im Erwachsenenalter besteht wenig Hoffnung, abgesehen von einer symptomatischen Behandlung. Doch die Forschung in den USA läuft auf vollen Touren, so dass ein beständiger Strom neuer Studien die Fachwelt erreicht. Eine gerade in 2018 publizierte Arbeit aus dem weiteren Forscherkreis der Stanford University und der dortigen PANS-Clinic des Universitätshospitals hat wichtige Erkenntnisse bestätigt und neue Entdeckungen herausgearbeitet (Denise Calaprice, Janice Tona, PhD, Tanya K. Murphy: Treatment of Pediatric Acute-Onset Neuropsychiatric Disorder in a Large Survey Population. Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology, Volume 28, Number 2, 2018, Mary Ann Liebert, Inc. Pp. 92–103).

Dafür wurden Daten von 698 gesichert diagnostizierten PANS-Patienten im Alter von zwei lbis 38 Jahren ausgewertet.

Dies sind die wichtigsten neuen Erkenntnisse der Studie in stark komprimierter Form:

  • Gravierende immunologische Behandlungen wie IVIG, Plasmapherese, hochdosierte Kortisonkuren sowie Antibiotika sind vor allem bei neu erkrankten Kindern am wirksamsten und können vielleicht sogar eine Chronifizierung vermeiden, wenn die ersten Schübe “erwischt” werden.
  • Psychopharmaka, vor allem SSRI, werden von PANS-Patienten - anders als von psychisch Erkrankten - sehr schlecht vertragen und sind bei PANS auch nicht nennnswert wirksam. Allenfalls in niedrigen Dosierungen haben sie offenbar bei einigen wenigen Patienten einen kleinen Nutzen. Dies gilt für alle Altersgruppen. Hierbei handelt es sich um eine wichtige Erkenntnis, da viele Ärzte auch bei PANS-Patienten reflexhaft SSRI verordnen.
  • Antiinflammatorische (entzündungshemmende) Medikamente aus der Klasse der nichtsteroidalen COX-Hemmer sowie potente und hirngängige Antihistaminika aus der Klasse der H1-Blocker der ersten Generation haben in allen Altersklassen, also auch bei erwachsenen PANS-Patienten, eine höhere Wirksamkeit als bislang angenommen.

Trotzdem noch kein Durchbruch?

Noch ist den Forschern des PANS-Forschungs-Consortiums ein Durchbruch noch nicht gelungen, auch wenn die Forschung in den USA unter Hochdruck läuft.

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Vermutlich könnte die ganze Angelegenheit noch beschleunigt werden, würden Pharmakonzerne PANS als Möglichkeit für eigene Forschungsbemühungen entdecken. Denn bislang kommen beim PANS-Syndrom nur altbewährte und damit patentfreie Substanzen und Verfahren zum Einsatz. Da die Ätiologie (Ursache/n) von PANS zwar in ihren Grundzügen bekannt ist, wichtige Detailfragen jedoch noch ungeklärt sind, wird sich erfahrungsgemäß kein Pharmakonzern mit PANS beschäftigen wollen. Zu komplex ist der Pathomechanismus und zu unklar die weltweite Zahl an PANS-Patienten.

Forschung dank Wetteifer der Universitäten!

So ist es dem amerikanischen Universitätssystem mit dem Eifer um den besten Ruf - und damit die höchsten Studiengebühren - geschuldet, dass die PANS-Forschung seit 2012 so große Schritte voran macht. Hinzu kommt das unermüdliche Engagement der Erstentdeckerin des Syndroms, Frau Professor Swedo vom National Institute of Mental Health (NIMH), die schon in den frühen Achtzigerjahren den Verdacht dokumentierte, dass es eine Krankheit wie PANS geben könnte.

Sie sollte, wie wir heute wissen, recht behalten.

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Warnung: Wenn Sie glauben krank zu sein, gehen Sie bitte direkt zum Arzt. Ein Zeitungsartikel ist weder zur Diagnose noch zur Therapie von Krankheiten geeignet.