Von der sogenannten Schizophrenie haben die meisten schon gehört. Die Menschen denken, dabei handle es sich um Halluzinationen, also Einbildungen. Früher sprach man auch von wahnsinnig oder irre sein. Dabei steckt noch viel mehr hinter diesem spannenden Thema. Im Folgenden werde ich über die Diagnose bis hin zur Therapie berichten und versuchen das Thema etwas näher zu bringen.

Schizophrenie: Definition/Diagnose

Schizophrenie wird als Gefühl, Stimmen zu hören oder verfolgt zu werden definiert. Es betrifft die vollständige Persönlichkeit und verändert sie. Schizophrenie ist eine Störung des Denkens, Fühlens und Wahrnehmens.

Darüber hinaus ist der Bezug zur Realität gestört. Früher wurde auch von Wahnsinn oder Irresein gesprochen. Es gibt zahlreiche Erscheinungen von Schizophrenie, welche als Gruppe schizophrener Formen bezeichnet wird. Diese sind Phasen und gehen ineinander über. Jeder Hundertste erkrankt im Laufe seines Lebens an einer schizophrenen Episode.

Schizophrenie: Ursachen

Die Ursachen einer Schizophrenie sind sehr vielfältig und mehrere Faktoren wirken zusammen. Schizophrenien können genetisch bedingt sein. Laut Familien- und Zwillingsstudien tragen Kinder und Geschwister einer Person, die Schizophrenie hat oder hatte, die Veranlagung einer Schizophrenie mit einer Wahrscheinlichkeit von 10% in sich. Bei eineiigen Zwillingen liegt die Wahrscheinlichkeit bei 30-80%. Wichtig zu beachten ist, dass nicht die Schizophrenie vererbt wird, sonder eine Vulnerabilität, also eine Krankheitsbereitschaft.

Eine Schizophrenie kann auch teilweise durch perinatal erworbene Hirnschädigungen bedingt sein - zum Beispiel, wenn Sauerstoffmangel im Gehirn des Säuglings auftritt. Es gibt auch eine neurobiochemische Ursache, nämlich eine Störung der Dopaminwirkung. Die Veränderung der Dopaminwirkug führt zu Störungen der Informationsverarbeitung, sodass Betroffene zum Beispiel nicht wichtige von unwichtigen Informationen trennen können. Es gibt keinen Nachweis von sozialen oder psychologischen Ursachen, allerdings wirken sich diese Faktoren erheblich auf den Verlauf aus. Belastende Lebensereignisse im zwischenmenschlichen Bereich tragen zur Auslösung einer Schizophrenie bei.

Zusammenfassend lässt sich folgern, dass die Ursachen für eine Schizophrenie ein Zusammenspiel von auslösenden Faktoren und einer Krankheitsanlage ist. Dies wird auch als Vulnerabilitäts-Stress-Modell bezeichnet.

Schizophrenie: Symptome

Die Schizophrenie beinhaltet eine Vielzahl von Symptomen. Der deutsche Psychiater Eugen Bleuer (1857-1939) hat die Symptome in zwei Kategorien eingeteilt.

Die erste Kategorie bezeichnet Bleuer als die Grundsymptome. Diese sind eine Störung des Denkens, der Affektivität* und der Ambivalenz*. Die hinzutretenden Symptome bilden die zweite Kategorie, sie beinhalten Wahn, Halluzinationen und katatone Störungen*. Das Denken eines Betroffenen wirkt zusammenhanglos und ist nicht nachvollziehbar. So redet dieser unverständlich. Es können Sprachstörungen, wie Dysgrammatismus*, bei dem Betroffenen auftreten. "Ein Patient ist zum Beispiel mit seinen Turnschuhen gelaufen und erzählte später, er habe "gelaufsohlt"." Somit ist das Hauptsymptom Zerfahrenheit*.

* Affektive Störung: Störung des Gefühlslebens, Ambivalenz: Nebeneinander gegensätzliche Gefühle und Gedanken, katatone Störungen: psychomotorisches Syndrom, unnatürlich stark verkrampfte Haltung des Körpers, Zerfahrenheit: Auflösung des logischen Denkens

Schizophrenie: Verlauf

Eine Schizophrenie tritt frühestens in der Pubertät auf, vorher hat der Betroffene einen normalen Realitätsbezug. Normalerweise beginnt die Schizophrenie bei Frauen mit 20-25 Jahren und bei Männern mit 25-30 Jahren. Neuerkrankungen können aber auch mit 40-50 Jahren noch auftreten. Der Beginn der Schizophrenie ist schleichend und beinhaltet unverständliche Verhaltensweisen des Betroffenen. Es dauert oft Monate oder Jahre bis die Störung eindeutig durch, zum Beispiel Halluzinationen, erscheint. Je schleichender der Verlauf ist, desto schwerer ist die Behandlung. Der Verlauf der Schizophrenie ist phasenhaft.

Die sechs Phasen nennen sich:

  • Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie
  • Hebephrene Schizophrenie
  • Katatone Schizophrenie
  • Schizophrenia komplex
  • Zönästhetische Schizophrenie
  • Schizophrene Residuen

Bei 20% der Schizophrenen kann die Krankheit nach der ersten Phase geheilt werden. Je mehr Phasen der Betroffene durchläuft, desto höher ist die Gefahr auf bleibende Folgen. Die einzelnen Episoden dauern ungefähr drei Monate an. Nach der sechsten Phase erschöpft die Schizophrenie, sodass es keine wesentlichen Verschlechterungen mehr gibt. Bei 20% der Erkrankten entstehen bleibende Veränderungen. Zehn Prozent benötigen eine Heimunterbringung und 60% können in ein normales Leben zurückkehren. Das Suizidrisiko liegt bei zehn Prozent, welches relativ hoch ist.

Schizophrenie: Therapie

Da es vielfältige Ursachen und Beeinflussungsfaktoren gibt, gibt es keine einzelnen Therapieformen. Darum werden eine medikamentöse Therapie, eine Soziotherapie und eine Psychotherapie immer zusammen eingesetzt. Es werden Neuroleptika eingesetzt, da sie das Rückfallrisiko von 80% auf 20% senken. Weil diese oft über Jahre eingesetzt werden, spricht man auch von einer neuroleptischen Langzeittherapie. Neuroleptika* betreffen aber auch andere Bereiche des Gehirns. Bei starken Angstzuständen werden zusätzlich Tranquilizer* eingesetzt. Oft gib es unangenehme Nebenwirkungen, weswegen Patienten die Medikamente absetzen. Dies hat natürlich negative Folgen. Wissenschaftler suchen aus diesen Gründen Medikamente, die weniger Nebenwirkungen beinhalten und gleichzeitig gezielter wirken.

*Neuroleptika: Antipsychotika, Medikamente mit realitätsverlustbekämpfender Wirkung, Tranquilizer: Beruhigungsmittel

Manchmal wird auch Hypnose eingesetzt. Das Hauptproblem der Therapie ist, dass die Betroffenen keine Krankheitseinsicht zeigen, da sie ihre Störung nicht wahrnehmen. Außerdem erfordert eine Therapie viel Einfühlungsvermögen. Für ein Gelingen der Therapie muss auch das soziale Umfeld viel Einfühlungsvermögen zeigen, weil Wiedererkrankungen möglich sind, wenn die Angehörigen sich zu gleichgültig oder zu überfürsorglich verhalten.

Ein Beispiel aus der Praxis: www.thieme.de