Mail Online, eine gar nicht so unbedeutende Nachrichtenseite, hat aktuell einen Aufschrei bei älteren Menschen verursacht. Denn in einem Artikel berichtet sie, dass Ärzte in Australien gedrängt werden sollten, ältere Autofahrer, die sie für ungeeignet halten, mit dem eigenen PKW zu fahren, der Polizei zu melden, damit dort ein Fahrsicherheitstest durchgeführt werden kann. Nicht ganz freiwillig, und das stößt bitter auf.

Mit bitterem Beigeschmack in die Rente

Weniger als eine Woche nach Ende seiner Amtszeit als Victorias Hauptverkehrsleiter, hat ein Mann namens Stephen Leane Ärzte aufgefordert, ältere Fahrer zu melden, die Sicherheitsrisiken darstellen könnten, damit sie erneut geprüft werden könnten.

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Doch Rentnergruppen haben diese altersbedingte Wiederholungsprüfung mit dem Vorwurf der Altersdiskriminierung heftig von sich gewiesen.

Herr Leane meint jedoch, dass Gesetze, welche die Prüfung älterer Fahrer zur Pflicht machen, der einzige Weg seien, um die Zahl der Verkehrstoten zu verringern.

“Wenn ich einen Unterschied machen will, muss ich mehr tun, als nur mehr vom Gleichen zu liefern", sagte er der Zeitung Herald Sun. Als eine von mehreren Initiativen fordert er daher die Ärzte auf, wachsamer bei der Überweisung älterer Fahrer zu sein, die nicht mehr in der Lage scheinen, als Motorist am Straßenverkehr teilzunehmen. Ältere Autofahrer litten schließlich oft an langsameren Reaktionen, einem schlechteren Sehvermögen oder gar an einer geistigen Behinderung durch Demenz.

Es wird schon getestet

Die australische Provinz New South Wales hat sogar bereits eine obligatorische praktische Fahrprüfung für Senioren im Alter von über 85 Jahren, während die Provinz Victoria derzeit keine altersbedingte Verlängerung vorschreibt. Dennoch haben die beiden Landesteile fast die gleiche Kollisionsrate älterer Fahrer auf der Straße.

Ist ein obligatorischer Fahrtauglichkeitstest für Senioren also wirklich sinnvoll und mehr als nur ein klug klingender Ratschlag?

Rentnerverbände sagen, dass alle diese Ansätze eine Altersdiskriminierung darstellten, weil die Senioren sehr wohl selbst "wissen, dass sie fahren können". “Was für eine Zeitverschwendung. Ich weiß, dass ich fahren kann und ich denke, dass ich dabei ziemlich gut bin", ließ die 85-jährige ehemalige Ärztin Dr. Shirley Bains den Sydney Morning Herald und andere Medienhäuser wissen.

New South Wales ist eine von nur zwei Provinzen auf der Welt, die obligatorische, altersbedingte Wiederholungsprüfungen durchführen. Die andere ist Illinois in den Vereinigten Staaten. Der angegebene Grund dort: Fahrer über 75 Jahre hätten ein höheres Risiko, bei einem Unfall getötet zu werden als jede andere Altersgruppe.

Es gibt auch gegenteilige Sichtweisen

Doch es gibt auch völlig andere Ansichten zu diesem Thema. Laut Statistik, sagt Dr. Patricia Feehily vom "Limerick Leader", seien ältere Fahrer die sichersten Verkehrsteilnehmer auf der Straße und verursachten nur in Ausnahmefällen einen Unfall.

Einige von ihnen führen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit dem eigenen Auto durch die Gegend und andere mussten nie eine Fahrprüfung in ihrem Leben ablegen, da sie schon vor der Einführung der Fahrprüfung in ihrem jeweiligen Heimatland auf der Straße waren. Sie seien im Allgemeinen einwandfrei unterwegs, aber der Anblick einer älteren Person am Steuer eines Autos reiche offenbar aus, um bei Jüngeren einen Anfall von Wut gegen Senioren im Schneckentempo zu provozieren.

In Deutschland wird das Thema übrigens gar nicht erst ernsthaft angefasst. Senioren und “Baldsenioren” sind eine immer wichtigere Wählergruppe, und wer möchte diese schon verärgern?