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Hungern müsse in Deutschland niemand! Dies meinte Jens Spahn im März 2018 mit dem Verweis auf die Tafeln in Deutschland und ob der Hartz IV Regelsatz wirklich ausreichend sei. In der bitteren Realität sieht das jedoch häufig anders aus.

Welthungerhilfe: Einteilung der Arten von Hunger

Die Welthungerhilfe teilt hierbei den Hunger in drei Kategorien auf: Der akute Hunger, der im Zusammenhang mit Krisen einhergeht und die Unterernährung eines Menschen über diesen gewissen Zeitraum beschreibt; der chronische Hunger, der die dauerhafte Unterernährung eines Menschen durch bestimmte Gründe (meist Armut) beschreibt; der verborgene Hunger, eine Form des chronischen Hungers, bei dem aufgrund einseitiger Ernährung des Menschen, diesem zentrale Nährstoffe fehlen, was langfristig gesehen zu einem Nährstoffmangel und zu Krankheiten führt.

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Verhungern ist nicht das Problem, aber...

Sicher, hier in Deutschland muss niemand verhungern. Unser Sozialsystem ist so ausgelegt, dass jeder satt wird, d.h. dass es erst gar nicht zu dem beschriebenen akuten und chronischen Hunger kommen kann, der das Leben des Einzelnen bedroht. Und doch ist das Leben des Einzelnen (langfristig) bedroht, obwohl er kurzfristig satt ist und sich auch so fühlt, denn: Auch die Gesundheit spielt eine Rolle! Gesunde Lebensmittel sind (für arme Menschen) in Deutschland teuer. Daher wird häufiger lieber zu günstigen Lebensmitteln gegriffen, die aber sehr zucker-, salz-, und fetthaltig sind, aber nichtsdestotrotz erst einmal gut satt machen. Langfristig gesehen führt jedoch solch eine Form der Ernährung in den beschriebenen verborgenen Hunger der Welthungerhilfe.

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Das sieht auch der Ernährungswissenschaftler Hans Konrad Biesalski von der Uni Hohenheim so. "Viele Deutsche leiden unter verstecktem Hunger", berichtete er Anfang 2015 dem Tagesspiegel. "Dabei geht es nicht nur darum, satt zu werden, sondern darum, gesund zu bleiben."

Folgen des Hungers in Deutschland

Dieser verborgene oder versteckte Hunger, wie ihn Biesalski nennt, werde laut Tagesspiegel auch in Deutschland ein wachsendes Problem: "Ein Mangel an wichtigen Nährstoffen kann zu Konzentrationsschwächen, Wachstumsstörungen und Krankheiten führen. Die körperlichen und geistigen Folgen sind oftmals unumkehrbar." Dabei müssten nicht nur Erwachsene vor den Auswirkungen dieser Art des Hungerns geschützt werden, sondern auch deren Kinder.

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Viele Grundschulen versuchen dem bereits nachzukommen, indem in den Frühstückspausen den Kindern Obst angeboten wird. Doch oftmals reicht diese Form der Prävention nicht aus. Es werden lediglich die Symptome der Armut versucht zu bekämpfen. Das grundlegende Problem wird nicht angegangen.

Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung

Laut BR gibt es ein solches in Frankreich und Tschechien bereits. Gemeint ist das hierbei ein Gesetz, welches die Supermärkte dazu verpflichtet, noch genießbare Lebensmittel zu spenden und diese nicht einfach in den Müllcontainern zu entsorgen. Das "Retten", auch "Containern" genannt, von Nahrungsmitteln ist derzeit in Deutschland immer noch ein Verbrechen, welches auch im Jahre 2019 laut BR strafrechtlich verfolgt wird. Aber eben jenes Gesetz könnte versuchen, die Ausweitung des versteckten Hungers in Deutschland zumindest ansatzweise einzudämmen. Zurzeit ist diese Debatte durch die Verurteilung zweier junger Frauen aufgrund ihres "Containerns" neu entbrannt.