Nichts ist so wertvoll wie ein vollwertiges, gesundes, sattmachendes Lebensmittel - so könnte man meinen. Der auch in Deutschland bestehende Hunger (hierzulande vorwiegend verborgener Art) sollte dies eigentlich nur noch unterstreichen. Leider ist die Realität oft eine andere: Das "Containern", also das "Retten" noch genießbarer, aber bereits abgelaufener Lebensmittel aus den Containern beispielsweise großer Supermärkte, ist laut BR in Deutschland verboten und wird strafrechtlich verfolgt.

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Erst seit Kurzem - so BR - ist die Debatte um die Lebensmittelverschwendung und generell um den Umgang mit Lebensmitteln durch die Verurteilung zweier Studentinnen in München aufgrund ihres "Containerns" wieder neu entbrannt.

Das fordern die Aktivisten

Eben jene verurteilte Studentinnen galten als Aktivistinnen gegen die Lebensmittelverschwendung. Mit ihrer Petition "Containern ist kein Verbrechen!" sammelten sie bereits laut BR 97.000 Unterschriften (Stand 01.02.2019).

Frisch auf den Müll – Lebensmittelverschwendung ist in Deutschland leider (noch) alltäglich! (Quelle: viciente.at)
Frisch auf den Müll – Lebensmittelverschwendung ist in Deutschland leider (noch) alltäglich! (Quelle: viciente.at)

Benötigt wurden 100.000 Unterschriften. Anhand der Überschrift wird jedoch zugleich auf ihre Forderung hingewiesen: Die Entkriminalisierung des Rettens noch essbarer Lebensmittel, welches auch noch im Jahre 2019 ein Verbrechen darstellt.

Des Weiteren verweisen die Aktivisten auf bereits bestehende Gesetze zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung in Tschechien und Frankreich und fordern ein solches auch in Deutschland einzuführen. BR zufolge verpflichtet Frankreich nämlich alle Händler mit einer Verkaufsfläche von über 400 Quadratmetern per Gesetz dazu, eine Vereinbarung mit einer gemeinnützigen Organisation zu treffen und selbst Lebensmittel, die nicht mehr genießbar sind, sollen nicht weggeworfen, sondern im besten Fall für die Energiegewinnung bereitgestellt werden.

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Ebenso soll Tschechien die 400 Quadratmeter Verkaufsfläche als Maß übernommen haben, wodurch Supermärkte abgelaufene Lebensmittel spenden müssen. Das tschechische Verfassungsgericht bekräftigte diese Haltung mithilfe der dortzulande geltenden Grundrechte-Charta, die besagt, dass Eigentum verpflichtet.

Lebensmittel-Verschwendungsgesetz in Deutschland?

Nach BR lehnt Deutschland jedoch die Forderung der Aktivsten zur Entkriminalisierung entschlossen ab, indem auf die Arbeit der Tafeln verwiesen wird, die für die Verteilung noch genießbarer, unverkäuflicher Lebensmittel zuständig sei.

Diese täte eine ernstzunehmende, wichtige Arbeit - ohne Frage. Dennoch setze man auf die Freiwilligkeit der Händler: Man könne sie nicht zwingen - dazu bedarf es ein spezielles Gesetz.

Auf die Frage, ob ein solches in Zukunft geplant sei, antwortet laut web.de das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) folgendermaßen: "Die Bundesregierung sieht derzeit keine Notwendigkeit für eine gesetzliche Regelung." Stattdessen wolle sie "im Rahmen der Ausarbeitung der Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung sowohl freiwillige Initiativen als auch rechtliche Regelungen wie in Frankreich und anderen europäischen Ländern mit Interesse beobachten." So werde es auch in Zukunft erst einmal kein Gesetz im Umgang mit Lebensmitteln und deren Verschwendung geben.

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Ebenso wurde der Entkriminalisierung des "Containerns" eine Absage erteilt. In naher Zukunft werde es wahrscheinlich keine Änderung im Strafgesetzbuch geben. Laut BR schätze das Bundesjustizministerium eine solche als gering wahrscheinlich ein. Ebenso wurde erst im Juni 2017 ein in den Bundestag von den Linken initiierter Vorstoß abgelehnt. In bestimmten Einzelfällen handele es sich nämlich um "schweren Diebstahl", in welchen Container beispielsweise extra für die Rettungsaktionen aufgebrochen werden.

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Handlungsbedarf bestünde in Deutschland

Trotz alledem bestünde dennoch Handlungsbedarf in dem Bereich der (gesetzlich geregelten) Lebensmittelverschwendung. Laut Tagesspiegel bezifferte die WWF im April 2018 nach Berechnungen des Instituts für nachhaltige Ernährung der Fachhochschule Münster das jährliche Ausmaß des Lebensmittel-Wegwerfens auf 18 Millionen Tonnen. Dabei fänden 60 Prozent der Verschwendung in der Wertschöpfungskette statt, 40 Prozent kämen jedoch ebenso vom Verbraucher selbst, welcher die Lebensmittel kauft und schließlich entsorgt.

Gerade letzteres legt nahe, dass das Thema Lebensmittelverschwendung gesamtgesellschaftliche Relevanz besitzt. Das Verhalten und Handeln jedes Bürgers und jeder Bürgerin ist gefragt, um diese 40 Prozent entsprechend einzudämmen und einen wichtigen Beitrag für eine neue Wertschätzung von Lebensmitteln zu leisten.

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