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Wenn man heute etwas günstiger als im Geschäft erwerben möchte, ist die erste Anlaufstelle für viele Menschen offensichtlich: Sie suchen auf der Plattform Ebay nach einer günstigeren Alternative. Noch schneller jedoch geht es meist bei eBay-Kleinanzeigen zu, da hier regional attraktive Angebote zu finden sind, die mit meist wenig Anfahrtzeit abgeholt werden können. Und das zu Preisen, die man meist nirgendwo in einem herkömmlichen Laden erhalten würde. Doch in den letzten Jahren konnten immer mehr Käufer und Verkäufer die folgende Erfahrung machen: Der Gegenüber wird von Jahr zu Jahr immer dreister und unverschämter! Statt Freude auf den neuen Artikel beziehungsweise auf einen möglich anstehenden Verkauf triumphiert letzten Endes der Frust, die Enttäuschung und zuweilen auch die Wut über den jeweils anderen.

Die unberechenbaren e-Bay-Kleinanzeigen-Käufer

Bento-Redakteurin Nike Laurenz stellte folgende Thesen über eBay-Kleinanzeigen-Käufer zusammen, die sie selbst mit Beispielen aus ihrer gemachten Erfahrung der letzten Monate und Jahre untermauert.

Demnach sind eBay-Kleinanzeigen-Käufer:

  • Unzuverlässig und Kommunikationsverweigernd: Viele täuschen erst äußerstes Interesse vor und melden sich dann einfach nicht mehr. Abgemachte Termine werden nicht eingehalten. Die Käufer erscheinen nicht trotz Herausgabe der eigenen Adresse und Uhrzeitvereinbarung. Fast niemand sagt ab und gibt Bescheid.
  • VB (Verhandlungsbasis) - unfähig: Sie handeln nicht mehr, sondern stellen unverschämte Preisanfragen.
  • Moralisch verwerflich: Sie rufen zu äußerst unsittlichen Tageszeiten (nach Mitternacht) bei Angabe einer Telefonnummer an und begründen dies mit unverständlichen Gründen oder entschuldigen sich manchmal gar nicht dafür.
  • Frech: Trotz im Nachrichtenverlauf verhandelten Preis handeln manche Käufer noch an der Wohnungstür nach aufgrund von subjektiver Mängel und nicht aufgrund von Mängeln am Artikel. Viele wollen Dinge einfach nicht mehr bezahlen, sondern nur für geschenkt nehmen und das, obwohl diese oft auch neu und ohne Gebrauchsspuren sind.

Zu allen diesen Punkten führt Nike Laurenz persönliche Beispiele an, die sie lebendig beschreibt:

"Der Badezimmerspiegel war gerade gekauft, da stellte ich zu Hause fest, dass er viel zu groß war.

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Ich hatte falsch ausgemessen – und den Kassenbon längst vernichtet. Umtausch nicht möglich.

Das originalverpackte Teil bot ich an, für 10 Euro weniger als noch vor 20 Minuten im Baumarkt. 15 Euro sollte der Spiegel kosten.

[...]

Drei Menschen schrieben mich an.

  • Interessent 1 fragte: "Sorry, aber würdest du den Spiegel auch für 4 Euro verkaufen?"
  • Interessent 2 schrieb kurz darauf: "Wären 2,50 Euro okay?"
  • Der dritte Interessent wollte wissen, ob ich mich noch einmal melden könne, falls sich kein Käufer finde – er würde den Spiegel nehmen, "aber nur für geschenkt".

Ich schluckte. Ihnen allen schrieb ich dasselbe: "Überleg doch mal, was du jetzt antworten würdest, wenn das dein Spiegel wäre."

Nicht nur die Käufer, auch die Verkäufer auf eBay-Kleinanzeigen fallen negativ auf!

Die Tatsache, dass sich viele Menschen über unverschämte und freche Käufer mit einem Verlust jeglichen Realitätssinns aufregen, stellt keine Neuigkeit dar. Folgende jedoch schon, denn neuerdings fangen auch Verkäufer an, in den Verhaltenskodex der Käufer einzutreten und diesen zu übernehmen.

Vor ein paar Wochen begann ich meine Suche auf eBay-Kleinanzeigen. Ich wollte demnächst bald umziehen und suchte kostengünstig Möbel für die neue Wohnung. eBay-Kleinanzeigen schien mir hier eine gute Wahl zu sein. So würde ich meine Möbel auch gleich zu einem geeigneten Termin abholen können. Ich suchte eine Wohnwand beziehungsweise Schrankwand, eine kleine Küche, einen Kleiderschrank und diverse andere Schränke wie Sideboards oder Kommoden für mehr Stauraum. Die viefältigen, tollen Angebote überraschten mich sehr. Viele Dinge in einem Top-Zustand zu einem unschlagbaren Preis. Ich begann mich zu fragen, warum denn nicht jeder seine Möbel so suchte und warum viele immer noch das Möbelgeschäft bevorzugten. Heute weiß ich es!

Bereits bei der Artikelbeschreibung wurde ich stutzig. Manchmal existierte nur ein Satz. Gerade bei Möbel und einem Kleiderschrank empfinde ich es als wichtig, die Maße des Möbelstücks in der Beschreibung zu nennen, damit der neue Besitzer auch messen kann, ob es auch in die Wohnung passt. Bei geschätzt achtzig Prozent der Anzeigen, die mich interessierten, waren diese jedoch nicht genannt. Hier begann ich mich bereits ernsthaft zu fragen, ob diese Menschen ihre Möbelstücke auch immer auf gut Glück ohne Maße kauften und hofften, dass diese dann in ihre Wohnung passten.

Viele Verkäufer nannten darüber hinaus weder Zustand, noch Gebrauchsspuren oder bestehende Mängel der Möbelstücke. Bei Nachfrage zu diesem kam entweder gar keine Antwort oder die schlichte Antwort, dass man sich ja die Möbel anschauen könnte, wenn man das wissen wolle. Zusammengefasst: Keine ertragreichen Antworten.

Generell kamen viele Antworten in nur einem Satz - manche antworteten bis heute nicht und dies bei einer höflichen und meiner Ansicht nach sinnvollen Frage.

Ebenso wird sich nicht an Absprachen gehalten. Nach einiger Zeit hatte ich meine Traum-Schrankwand gefunden. Sie war als "zu verschenken" ausgeschrieben, da der Verkäufer sie schnell loswerden wollte aufgrund eines Umzugs. Dennoch war sie in einem perfekten Zustand. Die Vorfreude, so eine tolle Wohnwand zu bekommen, stand mir ins Gesicht geschrieben. Es war alles organisiert: Der Abholtermin stand am Montag um 18 Uhr fest, ein Transporter für die Abholung war herangeschafft worden und genügend Männer zum Abbau der Wohnwand und Abholung herbeigesucht. Es schien nichts mehr schief laufen zu können. Der Verkäufer meinte, er melde sich den nächsten Tag noch einmal. Um circa 14.30 Uhr kam dann die Nachricht von ihm: "Die Wohnwand ist weg", schrieb er. Als ich ihn fragte, ob das jetzt sein Ernst sei, weil ja alles abgesprochen war, meinte er: "Ja, tut mir leid, aber da war wohl einer schneller als Sie".

Nach all dem fragte ich mich wirklich, ob die Menschen nicht immer egoistischer wurden und nur noch an sich selbst und nicht mehr an ihre Mitmenschen dachten. Wie selbst konnte man es sich erklären, dass Leute bei einem Fernseher, der für 50€ eingestellt ist, fragen, ob sie diesen für 10€ abholen könnten und das gleich in der ersten Nachricht! Kein Hallo oder Guten Tag, kein Gruß am Ende der Nachricht. Oder würden Sie einen Interessenten die Wohnwand abbauen und abholen lassen, obwohl Sie wüssten, dass 2 Tage später ein Mensch kommt, der bereits einen Termin mit Ihnen ausgemacht hat und schon alles Notwendige gekärt und organisiert hat, nur um Ihre Schrankwand abzuholen? Ich würde diesem zweiten Interessenten sagen: "Entschuldigung, aber die Schrankwand ist bereits reserviert" und nicht "Ja klar, kommen Sie vorbei, denn wer zuerst kommt, malt zuerst und mir ist es letzten Endes schnurzegal, wer die bekommt und was derjenige dafür schon alles gemacht und organisiert hat."

Ich persönlich würde mich da zu den Menschen zählen, die das Erstgenannte sagen würden. Aber weil eine Vielzahl der Menschen nur noch zu der zweiten Gruppe von Menschen gehören, die eine 20€ - Anzahlung wollen, nur um einen Artikel zwei Tage gegenüber von anderen Interessenten zu reservieren, eine Vergütung quasi verlangen, um nicht "Wer zuerst kommt, malt zuerst" anzuwenden; Menschen, die kurz oder gar nicht antworten und sich nicht an Absprachen und Vereinbarungen halten, werde ich wohl auch, wie die meisten vernünftigen Menschen, meine Möbel wieder da kaufen, wo man die meiste Sicherheit hat: Im herkömmlichen Offline-Möbelgeschäft!