Ganze 20 Jahre des besessenen, teilweise besinnungslos wirkenden Herum-Reformierens seiner Regionalligen inklusive Aufstiegsregelungen wird der Deutsche Fußball-Bund (DFB) demnächst gebraucht haben, um endlich auch für Regionalliga-Touristen ein sichtbares Format präsentieren zu können. Eines, das eine einigermaßen logische Struktur unterhalb des eingleisigen Profifußballs etabliert. Keine sportlich an der Grenze zur Absurdität stehenden Aufstiegsspiele soll es mehr geben für die Regionalliga-Staffelsieger. Wer Erster ist, darf rauf!

Atemberaubende Idee: Jede Staffel spielt einen Aufsteiger aus

Das Konzept, das dem DFB vorschwebt: Es soll vier Regionalligen geben.

Selbstredend wird sich in diesem Zuge die Zahl der Absteiger aus der 3. Liga von drei auf vier Teams erhöhen. Eine atemberaubende Idee angesichts der Tatsache, dass es schon von 1994 bis 2000 vier Regionalligen gab.

Der Unterschied zu damals besteht in der Höhe der Spielklasse; zu jener Zeit war die Regionalliga die viergleisige dritte, ab 2020 soll sie die viergleisige vierte Liga sein. Das Elite-Denken nebst landesweiter Vermarktung der Fußball-Ligen nach britischem Vorbild hat längst zur eingleisigen 3. Liga geführt, sodass an dieser Stelle gefragt werden sollte, ob man in Deutschland wieder Jahrzehnte benötigen wird, um auch eine vierte Liga samt eines sinnvoll strukturierten Unterbaus eingleisig zu reformieren?

Gleichwohl ist die finale Fassung noch nicht fix. „2019 muss die Zukunft der Regionalliga final geklärt werden.

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Hoffentlich im Konsens. Aber wenn das nicht möglich sein sollte, muss es eben eine Abstimmung beim Außerordentlichen Bundestag geben“, sagte DFB-Vize Rainer Koch im Rahmen des jüngsten Außerordentlichen Bundestages in Frankfurt am Main.

Keine unkomplizierte Regel ohne komplizierte Übergangsregel

Dort stimmte eine sehr große Mehrheit der mehr als 250 Stimmberechtigten einer mit den 21 Landesverbänden ausgehandelten Übergangsregelung für die nächsten beiden Spielzeiten zu. Die krude daherkommende Aufstiegsregelung darin ist wieder durch die Kräfteverhältnisse im Verband gekennzeichnet – nicht das erste Mal.

Die fünf Regionalligen (Nordost, Nord, West, Südwest, Bayern) kämpfen um vier Tickets, da ab der Saison 2018/19 vier Mannschaften aus der 3. Liga absteigen. Kurzum bekam die Regionalliga Südwest, seit Jahren das Lieblingskind der Aufstiegsregelung, einen festen Platz zugesichert. Die anderen Vier müssen sich die drei übrigen Drittliga-Startberechtigungen aufteilen.

Fest steht: 2018/19 trifft dies nicht auf den Ersten der Regionalliga Nordost zu.

So etwa könnte ein Team wie der derzeit in der 3. Liga hinterherhinkende FC Rot-Weiß Erfurt im Falle eines Abstiegs in dieser und postwendenden Staffelsiegs in der kommenden Saison ohne Umschweife wieder in die 3. Liga zurückkehren. Der nächste playoff-freie Aufsteiger 2018/19 wird indes ausgelost. Wäre es zum Beispiel der Vertreter Bayerns, würden die Vertreter des Nordens und des Westens in Aufstiegsduellen den vierten Neu-Drittligisten ausspielen. Dafür bekämen der Westen und der Norden in der Saison 2019/20 jeweils einen freien Aufstiegsplatz, während dann die Vertreter aus Bayern und des Nordostens in die Playoffs gingen.

Wer hat Vorrang? Die Besten oder der Südwesten?

Dass Fußball heutzutage oft mehr Geschäft als Sport ist, haben WM-Vergaben, Auslegungen der Financial Fairplay-Regeln oder Verschiebungen lukrativer TV-Deals in Vergangenheit und Gegenwart längst bewiesen. Der sportliche Aspekt spielt auch bei der neuerlichen Bevorteilung der Südwest-Vertreter in den beiden Jahren der Übergangsregelung keine Rolle. Ebenso wenig wie in den (mit dieser) sechs Spielzeiten, in denen sechs Regionalliga-Vertreter in Playoffs jeweils drei Aufsteiger ausspielen und ausspielten. Im Gegensatz zu allen anderen Staffeln bekam der Südwesten Spielzeit für Spielzeit zwei Playoff-Plätze. Nur: Von den bisher zehn Duellen der Südwest-Vertreter gingen sieben verloren. Umgekehrt: Etwa der Nordost-Vertreter hat vier seiner fünf Aufstiegsduelle gewonnen.

DFB-Logik: Erst drei, dann fünf, dann vier, dann...

Mit der Einführung der eingleisigen 3. Liga in der Saison 2008/09 hatte man eigentlich im Unterbau alles geklärt. Drei Regionalligen gab es, in denen drei Aufsteiger ausgespielt wurden. Womöglich hätte man es auch mit vier Staffeln probieren können; zumindest erschien alles erstaunlich logisch. Dann aber stach der Hafer zu: Statt in einer Reform auf vier Regionalligen und vier Drittliga-Absteiger zu wechseln – wie es aller Wahrscheinlichkeit nach ab 2020 geschehen wird – schuf letztlich der DFB-Vorstand mit Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball für die Spielzeit 2012/13 und folgende fünf Regionalligen mit sechs zu Aufstiegsspielen berechtigten Teams; eben jeweils einen sowie je zwei aus dem Südwesten. Nach Jahren des Kopfschüttelns haben die Verantwortlichen nun wohl doch entdeckt, dass der schlüssigste Weg jener zwischen drei und fünf Staffeln zu sein scheint.

Man darf auf die nächsten Reformen gespannt sein.

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