Die evangelische #Kirche in Deutschland (EKD) ist in der Flüchtlingskrise nun wahrlich nicht mit Passivität aufgefallen: Flächendeckend wurden Deutschkurse, Unterkünfte und Spendensammlungen von den evangelischen Gemeinden mitorganisiert und unterstützt. Daran, dass das Gros der Flüchtlinge muslimischen Glaubens ist und oftmals aus Ländern stammt, in denen Christen verfolgt werden, nahm man keinen Anstoß.

Unter den Flüchtlingen dieser und auch der vergangenen Flüchtlingswellen der letzten dreißig Jahre waren immer auch christliche Flüchtlinge, die in Deutschland eine Zuflucht suchten. Die syrisch-orthodoxen Christen etwa sind im nordrhein-westfälischen Ahlen schon seit Jahrzehnten beheimatet: Die ersten kamen im Jahr 1964 in die 50.000-Einwohner-Stadt im Münsterland, berichten die lokalen "Westfälischen Nachrichten".

Gottesdienste in marodem, schimmelnden Gebäude

Heute sind 170 Familien in ihrer Gemeinde St. Georg organisiert, die momentan in einem maroden Gebäude mit Schimmelbefall ihre Gottesdienste feiern müssen. Damit sollte nun Schluss sein: Auf einem Ackergrundstück am Stadtrand sollte ein Gemeindezentrum mit Platz für 400 Personen entstehen. Doch schnell regte sich Widerstand: Die Freien Wähler wollen einer Änderung des Flächennutzungsplans und der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans nicht zustimmen. Die (wohl mehrheitlich christliche) Anwohnerschaft befürchtet Belästigungen in Form von Baulärm und mehr Verkehr. Gut möglich, dass das Ansinnen auf den letzten Metern scheitert.

EKD vor Ort trotzdem gegen Kirchenneubau: Sie fürchtet um ihr Osterfeuer

Anwohnerbeschwerden, die sich auch in der kommunalpolitischen Entscheidungsfindung niederschlagen, sind an sich nichts ungewöhnliches, mögen sie auch bei einem christlichen Sakralbau in Deutschland höchst ungewöhnlich erscheinen.

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Skandalös ist jedoch, dass auch der Lokalableger der EKD in Gestalt des Fördervereins der Paul-Gerhardt-Kirche den in einem schimmeligen, aus allen Nähten platzenden Gemeindezentrum praktizierenden Glaubensschwestern und -brüdern die neue Heimstätte verweigert. In einem Schreiben an den Bürgermeister begründet der Förderverein gemeinsam mit Anwohnern die Ablehnung. Neben den bereits angesprochenen "Belästigungen" durch das Gebäude und die dortigen Feiern fürchtet die Kirchengemeinde um das derzeit brachliegende Gelände, auf dem bislang immer das Osterfeuer brannte.

Ein Armutszeugnis für die Nächstenliebe

Was für ein Armutszeugnis: Das reine Symbol der Nächstenliebe und des Glaubens in Gestalt des Osterfeuers muss als Grund dafür herhalten, dass anderen Christen das dringend benötigte Gemeindehaus verwehrt bleibt. Natürlich begründen sowohl der Förderverein als auch die Anwohner ihre Ablehnung nicht mit einer Feindseligkeit gegenüber den syrisch-orthodoxen Christen an sich, aber es ist doch immer wieder bezeichnend, wie sehr Toleranz, Nächstenliebe und Offenherzigkeit für alle und jeden gepredigt wird, aber im Kleinen sie ausgerechnet für die eigenen Glaubensgeschwister just dann fehlt, wenn man selbst dafür einen Nachteil in Kauf nehmen muss.

#Religion