Gerechtigkeit

Was bedeutet überhaupt Gerechtigkeit? Ist die Welt erst dann gerecht, wenn alle Menschen gleich sind, gleich aussehen, die gleiche Intelligenz und den gleichen Besitz haben? Wenn das nun die absolute Gerechtigkeit wäre, leben wir dann nicht zur Zeit in einer starken Ungerechtigkeit?

Auch John F. Kennedy stellte sich die Frage nach der Gerechtigkeit, wobei er feststellt, dass das Leben ungerecht ist: „Es gibt im Leben keine Gerechtigkeit. Manche Menschen fallen im Krieg, andere wieder werden verwundet, und wieder andere kommen niemals aus ihrer Heimat hinaus. Es ist sehr schwer, im militärischen wie auch im privaten Leben völlige Gerechtigkeit zu finden.

Das Leben ist un­fair. Manche Menschen sind krank und andere sind ge­sund.“

Der Mensch wird in die Welt hineingeworfen, ob er nun will oder nicht. Er kann nicht bestimmen, mit was für Voraussetzungen er geboren wird, ob er arm oder reich, dunkelhäutig oder hellhäutig, gesund oder krank ist. Doch dies sind schon die Vorraussetzungen, die einen Menschen erheblich von anderen Menschen unterscheiden. Es ist nicht so, dass ein Mensch aus ärmlicheren Verhältnissen die gleichen Möglichkeiten wie ein reicher Mensch hat. Der arme Mensch muss hart arbeiten, beispielsweise um sich und seine Familie am Leben zu erhalten und hat aus diesen Gründen oftmals keinerlei Chance auf eine Ausbildung, ein Studium oder eine grundlegende Bildung, was ihm einen Aufstieg in der Gesellschaft deutlich erschwert.

Und was tut eine Familie, wenn plötzlich ihr Haupternährer im Krieg gefallen ist? Die Familie verschuldet sich, bricht auseinander und die Kinder müssen eventuell schon arbeiten gehen, womit ihnen oftmals ihre erhoffte Karriere verwehrt bleibt.

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Was können denn Menschen dafür, wenn sie in Afrika in einem Slum geboren werden oder aufgrund einer Umweltkatastrophe in einen solchen geraten? Nichts, sie können nichts dagegen tun, niemand sucht sich aus, wo er geboren wird oder was ihm vom Schicksal her widerfährt.

Und was sagt Platon?

Kennedy behauptet, das Leben sei unfair, es gäbe keine Chancengleichheit und das schlimme Schicksal treffe oftmals die Falschen, während andere Menschen ein sorgenfreies Leben führen. Auch wenn Kennedy hauptsächlich auf die militärische Sichtweise eingeht, kann man dennoch seine Aussage auf jedwede andere Sichtweise beziehen, sei es soziale Ungerechtigkeit, finanzielle oder politische.

Auch der Philosoph Rawls bezieht sich auf diese Ungerechtigkeit in der Welt aufgrund einer unfairen Verteilung von natürlichen Gütern sowie eine soziale und wirtschaftliche Ungleichheit. Er sieht als Voraussetzung für Gerechtigkeit eine Gleichheit der Grundrechte sowie die Gleichheit der Grundpflichten. Doch wäre die Welt dann gerecht?

Laut Kennedy und meiner Meinung nach nein, da selbst wenn alle Menschen die gleichen Rechte und Pflichten haben, dennoch manche krank und andere gesund geboren werden oder manche im frühen Alter sterben, während andere ein langes Leben führen.

Und wo ist dann die Gerechtigkeit? Es ist nicht ausreichend, nur die Rechte und Pflichten gleichzuschalten, wenn es nicht möglich ist allen Menschen auch die gleichen physischen Merkmale und die gleiche Intelligenz zu geben.

Eine andere Theorie zur Bewältigung der Ungleichheit, die diesem Punkt näher kommt, stammt von Platon, die Eugenik. Diese garantiert eine Chancengleichheit, keine Diskriminierung ebenso wie eine angeborene Gerechtigkeit. Doch auch sie kann weder den plötzlichen Tod noch Verletzungen ausschließen oder bestimmen, wem ein solches Schicksal widerfährt.

Locke hat einen anderen Ansatz zur Gerechtigkeit gewählt, der Ansatz der endlosen Möglichkeiten. Er behauptet, Gott habe den Menschen die Erde gegeben und das was man sich mit seinen eigenen Händen erarbeitet habe, das gehöre mir. Dies wäre insofern gerecht, als da die Menschen scheinbar die gleichen Voraussetzungen und Möglichkeiten haben, jedoch garantiert auch sie nicht die absolute Gerechtigkeit. Auch hier gibt es das Problem des Schicksals oder Zufalls, durch die manche Menschen sterben oder geboren werden, krank oder gesund sind, weiß oder dunkelhäutig, schön oder hässlich, intelligent oder dumm. Diese Verteilung ist rein arbiträr, solange man die Religionen und den Glauben außer Acht lässt.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich deswegen sagen, dass all diese Gerechtigkeitstheorien nichts nützen, in einer Welt, die einerseits eine Chancengleichheit aller Menschen nicht ermöglichen kann, was viele Gründe hat, von der Hautfarbe über die Vegetation des Ortes an dem man lebt, und die andererseits die unberechenbare Schicksalsschläge nicht ausschließen kann, welche Jeden treffen können. Aus diesem Grund stimme ich Kennedy bei seiner Aussage zu, dass die Welt durch und durch ungerecht ist. Doch die eigentliche Frage ist doch, ob eine absolute Gerechtigkeit in dieser heutigen Welt überhaupt möglich wäre oder ob eine perfekt gerechte Utopie an diese Gerechtigkeit herankommen könnte. Der Mensch hat zwar einen freien Willen und ihm stehen viele verschiedene Möglichkeiten offen, doch ebensoviele sind ihm auch verwehrt.

Ich meine außerdem, man müsste es sogar noch härter formulieren als Kennedy es getan hat: es ist nicht nur schwer völlige Gerechtigkeit im Leben zu finden, nein, es ist unmöglich, es sei denn man schafft es eine Utopie zu erschaffen, die jegliche Form von Schicksal, Zufall, Vorurteilen und unterschiedlichen Voraussetzungen unterdrücken kann und jedem Menschen vollkommene Gleichheit gewähren kann. Und wer könnte eine solche Utopie schon verfassen?