Jemand der beispielsweise zu Versicherungen und Finanzprodukte den Kunden berät, damit dieser sich in dem Service-Dschungel der verschiedenen Produkte zurechtfindet. Zu dem sagen die Leute "Das kann nicht seriös sein. Der will mich doch sicherlich nur über den Tisch ziehen und an mein Geld! Da war letztens erst ein Bericht im Fernsehen drüber." (zum Beispiel Quelle RTL)

Oder der Gebrauchtwagenhändler, der verkauft seinen Kunden sicherlich auch nur Schrottwagen.

Ausnahmslos, ganz klare Sache. Auch das kann man ja in Internet-Foren zu Hauf lesen.

Aber der Beruf des Arztes ist hingegen in der Bevölkerung allgemein hoch angesehen, obwohl im Krankenhaus ständig Menschen sterben, wenn ihnen nicht mehr geholfen werden kann.

Da sagt niemand "Ach, die Skalpell-Pfuscher" oder "Der operiert doch nur, um Menschen zu töten". Warum sollte man auch?

Das Gleiche gilt dann aber auch für den Beruf des Vermögensberaters. Denn dieser tut seine Arbeit wohl auch keineswegs aus dem Grund, den Kunden schlecht zu beraten. Genauso, wie der Gebrauchtwagen-Händler seine Autos doch auch nicht aus dem Grund verkauft, um Menschen überteuerte Unfallwagen zu verkaufen.

Oder ein Rechtsanwalt zum Beispiel. Dieser wird im Fernsehen auch regelmäßig "Rechtsanwalt" genannt und genießt ein positives Ansehen. Da sagt man auch nicht andauernd "Rechtsverdreher" und meint, dass dieser etwas Böses wollen würde.

Der Grund für diese Haltung oder dieses gesellschaftliche Phänomen scheint doch etwas ganz anderes zu sein... Anstatt sich selbst zu informieren und sich ein umfassendes Bild über ein Thema, einen Berufsstand oder einen konkreten Sachverhalt zu machen, ist es einfacher, auf vorgefertigte Meinungen zurückzugreifen.

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Und diese Meinungen, die aus dem TV, Internet oder sonstigen Quellen stammen, dann einfach ohne zu hinterfragen zu reproduzieren. Das ist bequem, denn auf diese Weise muss man nicht nachdenken. Und man hat eine Meinung (jedoch leider keine eigene)... Obwohl man dann vielleicht glaubt, man würde aktiv etwas tun, verharrt man in der Rolle des passiven Konsumenten - wie beim Fernsehen gucken.

Weiterhin wird alles als schlecht angesehen, was man nicht kennt. Was man nicht kennt, das kann nur schlecht und böse sein. Einmal hinterfragen und den Horizont zu erweitern? Das wäre viel zu anstrengend, denn da müsste man sein Gehirn benutzen. Eigenständig denken? - Fehlanzeige!

Dennoch wollen es viele Menschen genau so, denn sie haben Angst etwas Neues zu denken. So ähnlich formulierte es auch einst der begnadete Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe erich fromm.