#notheidisgirl ist der neue Hashtag, unter dem FrauenrechtlerInnen die Casting Show des internationalen Topmodels Heidi Klum kritisieren. Die Kritik an der Show nahm zur diesjährigen Staffel neue Fahrt auf, was wohl auch an den Hintergründen der Metoo Debatte liegt.

#notheidisgirl

Auslöser für das virale Schlagwort war das Video einer Gruppe von jungen Mädchen, die den Song "not Heidis girl" mit dem Slogan "kein Bild für Heidi" auf YouTube hochluden. In dem Musikvideo distanzieren sich die Mädchen von dem überzogenen Fokus auf äußere Werte und das extreme Dünnheits-Ideal der Model-Branche. Damit sind sie bei weitem nicht die Ersten.

Schon seit Jahren ist GNTM Kritikern ausgesetzt, die den schlechten Einfluss der Show auf das Frauenbild junger Mädchen anprangern. Neu ist allerdings die soziale Reichweite, die das Thema mit dem Video erreicht hat.

Allgemeine Bewegung

Es ist sicher kein Zufall, dass #notheidisgirl ausgerechnet dieses Jahr so hohe Wellen schlägt. Seit dem Beginn der MeToo Bewegung, ausgelöst durch den Skandal der sexuellen Belästigung und Nötigung durch Hollywood Ikone Harvey Weinstein, entsteht international eine neue Brisanz des Themas der weiblichen Emanzipation. Das Frauenbild wird allgemein zu einem größeren Thema und erreicht somit langsam aber sicher die Aufmerksamkeit, die es seit Jahrzehnten dringend nötig hat.

Heftige Reaktionen

Dass die Kritik an GNTM einen wunden Punkt getroffen hat, wurde deutlich an den Reaktionen auf #notheidisgirl sichtbar.

Top Videos des Tages

So musste die Kommentarspalte unter dem Video nach kurzer Zeit gesperrt werden, da abstrus heftige und primitive Hassbotschaften auf die Mädchen einprasselten. Wie so oft in Sachen Emanzipation und Frauenrechten werden die vernünftigen Stimmen überzogen heftig von Massen an Machos und konservativen Teilzeit-Sexisten niedergemacht.

Die Spitze des Eisberges

Es ist eigentlich unverständlich, wie eine Sendung, in der die Kandidatinnen mit den "normalsten" Körpern schon früh wegen ihrer zu großen Taille aus dem Contest fliegen, in der bewusst die emotionalen Ausbrüche und Probleme junger Frauen provoziert und öffentlich zur Show gestellt werden, wie eine solche Sendung in unserer heutigen Zeit noch so breiten Zuspruch erhält. Traurigerweise ist die Sendung nur die Spitze des Eisberges. Mit "DSDS" macht sich Dieter Bohlen seit Jahren über harmlose, aber untalentierte Kandidaten lustig, "The biggest looser" tarnt die Demütigung von fettleibigen Menschen als Hilfestellung und Sendungen wie "Frauentausch" oder "Schwiegertochter gesucht" ziehen ungebildete und arbeitslose Menschen bewusst ins Lächerliche.

Weiter so!

Um das klar zu stellen: Nichts von der Kritik gegen GNTM sollte gegen die Kandidatinnen gehen! Eine typische Modelfigur, so hager sie auch sein mag, muss genauso erlaubt sein wie eine leicht übergewichtige. Letztendlich geht es nicht um den Kampf gegen "dünn", sondern darum, dass jede gesunde Frau ihren Körper akzeptieren und wann, wo und wem präsentieren können sollte, wie sie es für richtig hält. Eine Show wie GNTM vermittelt allerdings ein Ideal, das für die Mehrheit der Menschen ebenso unrealistisch wie unerwünscht ist. Die Idealisierung von Stereotypen und die Diskriminierung von MInderheiten in der deutschen Medienlandschaft ist nicht zeitgemäß und muss aufhören! Dafür ist #notheidisgirl mehr als willkommen, denn jeder Eisberg beginnt an der Spitze zu schmelzen!