Unsterblichkeit

Leben ist Zeit aber Zeit ist nicht Leben. Jeder von uns träumt von einem langen und erfüllten Leben. Bei diesem Traum ist der Tod immer etwas hinderlich. Die nüchterne Realität der Endlichkeit möchten wir am liebsten verdrängen. Was wäre, wenn uns die Unsterblichkeit angeboten werden würde? Wer würde sie ausschlagen? Unsterblichkeit wird von vielen Religionen versprochen. In Form von Seelenreisen oder Seelenwanderung glauben Religionen daran, dass die Seele oder der Geist entweder in eine andere Welt ohne ihre körperlichen Hülle Einzug hält oder auf dieser Erde wiedergeboren wird. Die Hoffnung auf ein endloses Leben ist so alt wie die Menschheit selber.

Schreckt uns der Tod so sehr ab oder ist es unser Egoismus, der den Wunsch auf Unsterblichkeit in uns weckt?

Den Tod mit der Wissenschaft überlisten

Obwohl die Menschheit aufgrund ihres Evolutionsprozesses immer älter wird, werden wir nie ein ewiges Leben auf natürlichen, biologischen Grundlagen erreichen. Irgendwo ist das natürliche Ende erreicht. Viele wissenschaftliche Programme beschäftigen sich mit der Verzögerung des Alterungsprozesses. Das Ziel liegt darin, ihn am liebsten komplett aufzuhalten. Bis es soweit ist, bezahlen einige wenige Personen sehr viel Geld und lassen sich einfrieren, immer mit der Hoffnung, dass sie zukünftig ins Leben zurückgeholt werden können. Diese Konservierungsmethode wird bei minus 196 Grad Celsius vorgenommen und stoppt den Verfall des Gewebes.

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Denkbar wäre für die Zukunft die müden Organe durch künstliche zu ersetzen. Es sind diesbezüglich auf der medizinisch-technischen Ebene schon viele Fortschritte gemacht worden. Alles was dann nicht mehr brauchbar ist, wird ganz einfach implantiert. Konvertieren die Menschen mit zunehmenden Alter zum Cyborg?

Aufsehen in der Wissenschaft, Religion und Philosophie erregte der italienische Chirurg Sergio Canavero, der erstmals in der Geschichte einen menschlichen Kopf transplantieren möchte. Bei der Kopftransplantation handelt es sich um den Kopf des Russen Waleri Spiridonow, der an der Werdnig-Hoffmann-Störung, einer seltenen Form des Muskelschwunds, leidet. Er meldete sich freiwillig, mit der Hoffnung nach der Transplantation eine höhere Lebensqualität zu erreichen, da mit dem Absterben von Nervenzellen im Rückenmark seine Bewegungen sehr stark eingeschränkt sind. Angesetzt war die Transplantation für den Dezember 2017, wurde dann aber auf 2018 verschoben. Neben medizinischen Diskussionen kamen vor allem die ethischen Bedenken zur Sprache.

Sollte diese Operation ein Erfolg werden, wie sähe dann unsere Zukunft aus? Dass wir alle 60 Jahre unseren Kopf auf einen anderen Körper verpflanzen?

Umgang mit der Unsterblichkeit

Bei Diskursen, die ich über die Unsterblichkeit hielt, hörte ich immer wieder das Argument, ob ich mitansehen kann, wie meine Nachkommen, sprich Kinder, Kindes Kinder etc. sterben werden. Muss man sich einfach nur geistig auf schmerzhafte Verluste einstellen? Tun wir es doch während unserer regulären Lebenszeit auch. Sind die Großeltern und Eltern weniger Wert als unsere Kinder und Enkel? Stellen wir uns doch auf die biologische Reihenfolge des Sterbens ein. Für uns ist schon als Kind klar, dass zuerst die Großeltern, dann die Eltern sterben.

Eine Möglichkeit der Fiktion

Vielleicht kommt das ewige Leben nicht durch medizinische Fortschritte, sondern durch ein Zufall. Es braucht nur einer aus der Zukunft in die Zeit zurückreisen. Dann befinden wir uns in einer theoretischen Zeitschleife oder Zeitspirale und erreichen damit eine andere Art der Unsterblichkeit. Bis die eine oder andere Möglichkeit eintritt, sollten wir unseren Tod als Teil unseres Lebens akzeptieren und endlich damit beginnen, jede Minute unseres verbleibenden Lebens zu genießen.