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Plötzlich sprach jeder TV und Radiosender über Seehofers Aussagen. Gleich bildeten sich zwei harte Fronten: Die Gegner und die Befürworter. Leider Mal wieder kaum einer, der etwas mittig steht. Die Frage ist: Sind unter den Befürwortern der provozierenden Sätze Seehofers tatsächlich nur AfD-Sympathisanten? Ich interpretiere die Reaktionen vieler eher als Zeichen dafür, dass über dieses Thema doch gesprochen werden muss. Großes Interesse ist offenbar vorhanden.

Es geht nicht nur darum, ob der Islam dazu gehört oder nicht

Das eigentliche Problem ist die Tatsache, dass wir ein Problem der Integration haben und dass wir das Problem der Parallelgesellschaften nicht lösen konnten.

Und ob man es will oder nicht, die größte Gruppe, nicht die einzige, die in Parallelwelten leben sind muslimischen Glaubens. Da muss man nicht zur #AfD gehören um das zu erkennen. Wahrscheinlich sollten sich alle darauf konzentrieren diese Probleme anzugehen, statt sie weiter zu ignorieren. Seehofes Aussagen können als Teil einer gut gelungenen Strategie um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen gesehen werden. Weshalb mit diesem Thema für so viel Aufschrei gesorgt werden kann, sollte uns interessieren.

Und wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir Seehofers Aussagen aus zwei Perspektiven betrachten. Historisch gesehen ist das ein Axiom, denn der Islam hat in Deutschland, historisch gesehen, keine Rolle gespielt. Reden wir von der aktuellen Lage, ist der Islam eine Religion, die sich in Deutschland etabliert hat.

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Das ist Fakt.

Zu bedauern ist, dass viele Kritiker, wie der Islam-Experte Thomas Lemmen, oder der FDP-Chef Christian Lindner, diese Debatte für „überfüssig“ erklären.

Es müsste im Interesse der Islamverbände sein, dass über dieses Thema konstruktiv diskutiert wird. Gerade weil die Anschläge auf Muslime und muslimische Einrichtungen im vergangenen Jahr zugenommen haben. Etwas Selbstkritik in den muslimischen Reihen wäre erwünscht.

Zentralrat der Muslime argumentiert wie die AfD

Eine der Hauptforderungen der AfD lautet: „Die Kanzlerin sollte sich hinter die Deutschen stellen“. Interessant ist, dass Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime eine sehr ähnliche Forderung hat und verlangt, dass der neue Innenminister sich demonstrativ hinter die deutschen Muslime stellt. Für beide sollte eher die Parole lauten: Die Regierung sollte sich für alle in diesem Land lebende Bürger einsetzen. Es ist aber viel einfacher auf Separatismus zu setzen. Das verkauft sich viel besser in den eigenen Reihen.

Eindeutiger Widerspruch in den Behauptungen der muslimischen Verbände, die immer betonen, dass es nicht „Den Islam“ gibt, sondern sehr viele Auslegungen. Dafür spricht, dass es in Deutschland nicht einen Islamveband, sondern mehrere Islamverbände gibt. Gibt es denn „den Islam“ oder doch nicht? Über welchen Islam redet denn Seehofer? Oder ist es nicht so, wie der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad tadelt, Muslime betonen ständig die Unterschiede der vielen muslimischen Strömungen, wenn aber ein Muslim beleidigt wird, dann existiert plötzlich die Umma (Muslimische Gemeinschaft). Oder wie er selbst schreibt: „Ich bin Moslem, also bin ich beleidigt“.

Gleichheit der Religionen aber in allen Aspekten

Was aber in den Behauptungen Seehofers nicht ignoriert werden kann, ist die versteckte Botschaft, dass dem Islam, der, seiner Meinung nach, nicht zu Deutschland gehört, nicht die gleichen Rechte, wie anderen zu Deutschland gehörenden Religionen zu gesprochen werden könne. Wahr ist aber auch, wollen wir, dass der Islam auf Augenhöhe mit dem Christentum steht, dürften wir aber auch vehemente Kritik ausüben, wie wir es auch gewohnt sind mit dem Christentum zu tun. Alles andere ist heuchlerisch. Wir kritisieren privat und in der Öffentlichkeit Strukturen und Probleme im Christentum. Gerade dieser Druck hat das Christentum voran gebracht. Auch wenn noch nicht weit genug. Genau so sollen wir auch den Islam beurteilen, und ja auch Karikaturen malen, ohne gleich in die rechte Ecke gedrängt zu werden. #islam