Diogenes, der Landstreicher der öfters in einem Fass schlief

Würde #Diogenes von Sinope in der heutigen Zeit leben, wäre es schwierig ihn zu Gesicht zu bekommen, da er schon längst in eine psychiatrische Klinik eingeliefert worden wäre. Ohne festen Wohnsitz dort zu schlafen, wo er sich gerade befand oder in einem Vorratsfass zu übernächtigen, Privatbesitz abzulehnen, die Leute auf der Straße anzupöbeln, in aller Öffentlichkeit zu masturbieren, sich gegen die gesellschaftlichen Normen jeglicher Art zu stellen und radikale Tabubrüche zu begehen, wären Grund genug für eine psychiatrische Behandlung. Essen tat er nur das, was er in der Natur und im unmittelbaren Umfeld fand.

Ernährt habe er sich von rohem Gemüse, Kräutern, Bohnen, Oliven und Wasser. Selbst den Trinkbecher und eine Schüssel , die sich in seinem Besitz befanden, soll er als unnützen Ballast weggeworfen haben.

Diogenes "der Hund"

Doch wer war diese Person, die heute noch in aller Munde ist? Er war damals kein Fall für den Psychiater, sondern ein ankannter griechischer Philosoph aus der Antike, der zur Strömung des Kynismus zählte. Mit aller Wahrscheinlichkeit wurde er um 410 v. Chr. in Sinope geboren und starb um 323 v. Chr. in Korinth. Überlieferungen über diese Person gibt es nur in Form von Anekdoten, deren Wahrheitsgehalt recht spekulativ sind. Zuerst wurde er bei Aristoteles genannt. Wahrscheinlich rankten schon zu seinen Lebzeiten viele Legenden um seine Person.

Sein Spitzname war auch „der Hund“, was zur damaligen Zeit ein Schimpfwort für schamlose Personen war.

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Freiwillig wählte er ein Leben in absoluter Armut und Besitzlosigkeit. Seine Überzeugung ging dahin, dass ein Mensch nur glücklich sein kann, wenn er sich von allem Überfluss befreie. Dabei geht es nicht nur um das Materielle, auch um emotionelle Zwänge. Die Selbstgenügsamkeit soll der Schlüssel zum Glück sein. Laut Diogenes soll der Mensch nur mit seinen Elematarbedürfnissen leben, die da wären: Trinken, essen, Behausung, Kleidung und Geschlechtsverkehr. Die Akzeptanz dieser Bedürfnisse ergäben sich aus der Natur des Menschen, was er als üble Notwendigkeit sah.

Diogenes war radikal in seinen Ansichten und brach mit vielen Tabus aus jener oder / und heutiger Zeit. Um die Grundbedürfnisse zu befriedigen, soll für ihn legitim gewesen sein, gestorbene Menschen zu essen und sexuelle Beziehungen auch zu allen nahen Verwandten zu unterhalten. Er forderte die Abschaffung jeglicher Staatsformen und verstand sich als Weltbürger ohne Grenzen. Die traditionelle Bildung wies er weit von sich und sah sie als unnützen Zwang. Seine Radikalität, aber auch die Art und Weise wie er seine Philosophie auch lebte, brachte ihm bei späteren Philosophen Anerkennung ein und sorgte für ausreichend Diskussionsstoff.

Würden wir einen Diogenes heute kennen lernen, wäre er ein Fall für den Psychiater. #Freiheit #Philosophie